Migros-Geschäftsleiter Felix Meyer: «Kuchen im Detailhandel wird grösser»

MIGROS LUZERN ⋅ Die Genossenschaft feiert ihr 75-Jahr-Jubiläum. Geschäftsleiter Felix Meyer äussert sich zum Einkaufszentrum Mall of Switzerland, dem Onlinehandel und zu den Wachstumsaussichten.

30. November 2016, 06:46

Felix Meyer, in Ihrer Anfangszeit war die Migros ein Discounter. Dann mauserte sie sich zum grössten Detailhändler der Schweiz, bei dem nicht mehr so sehr der Preis, sondern auch Regionalität und Qualität im Vordergrund stehen. Was folgt nun?

Der Detailhandel ist Wandel pur. Die Migros ist heute ein Vollanbieter mit einem gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch andere Detailhändler entwickeln sich vom Discounter zu einem sogenannten Soft-Discounter. Ursprünglich startete die Migros mit 6 Artikeln zu Tiefstpreisen, heute bietet sie rund 800 M-Budget-Tiefpreisartikel an. In die Zukunft werden sicherlich Mehrwertartikel und Dienstleistungen zunehmen.

Die Migros Luzern zieht 2017 in die Mall of Switzerland in Ebikon ein. Warum tut sie das? In der Region gibt es bereits mehr Verkaufsflächen in Einkaufszentren als notwendig.

Wachstum ist in unserer Branche wichtig. Es stimmt zwar, es existieren genügend Verkaufsflächen in unserer Region. Doch für die Kantone Zug und Luzern wird ein Bevölkerungswachstum von jährlich rund einem Prozent vorausgesagt. Für die Migros bieten sich schon alleine darum Wachstumschancen.

Die bestehenden Einkaufszentren und die KMU-Detaillisten fürchten, der Verdrängungswettbewerb erreiche mit der Mall of Switzerland eine nächste Stufe.

Das sehe ich auch so. Fast 50 000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsflächen heizen die Konkurrenzsituation in der Region bestimmt an. Gut bewältigt das, wer fit ist für den sich verschärfenden Wettbewerb. Da erkenne ich etwa in der Luzerner Altstadt durchaus noch Potenzial nach oben. Auch die Politik ist gefordert, sei es beim Parkplatzangebot oder bei den im Kanton Luzern sehr einschränkenden Ladenöffnungszeiten.

Fakt ist doch: Der Kuchen wird nicht grösser. Die Kaufkraft wird einfach neu verteilt.

Das trifft nicht zu, der Kuchen wird grösser. Wir haben ein Bevölkerungswachstum, und in den meisten Haushalten steigt die Kaufkraft dank steigenden Löhnen und Minusteuerung. In den Fachmärkten etwa sind die Preise seit 2009 um durchschnittlich einen Viertel gefallen. Früher galten 10 Prozent des Einkommens als Schwellenwert für die Ausgaben, die Konsumenten für Nahrungsmittel ausgeben. Heute sind es nur noch 7 Prozent.

Der Online-Handel wächst weiter. Holt die Migros auf ihren Webpages herein, was durch den Online- Handel in den Läden verloren geht?

Unsere Fachgeschäft-Onlineanbieter Ex Libris oder M-Electronics sind im vergangenen Jahr schweizweit 15 Prozent gewachsen und legen in diesem Jahr im gleichen Ausmass zu. Gleichzeitig steigt der Umsatz auf den Verkaufsflächen. Der Online-Handel bewegt sich nämlich nicht im luftleeren Raum, er braucht als Ergänzung die Verkaufsflächen. Denn oft wird das Internet als Informationsquelle genutzt. Im Laden aber können die Produkte, welche die Kunden aus dem Internet kennen, getestet und direkt mitgenommen werden. Die Kombination zwischen Onlineshop und Filiale ist sehr wichtig. Mit Pick-Mup etwa bietet die Migros dem Kunden den Service, das Produkt online zu bestellen und in einer Migros-Filiale abzuholen. Grosse Online-Anbieter wie Amazon oder Ali Baba suchen darum Verkaufsflächen.

Wie hoch ist der Online-Umsatz- anteil heute?

Vor zehn Jahren war der Online-Umsatz nicht der Rede wert. Heute liegt er bei der Migros schweizweit bei rund 1,6 Milliarden Franken. Das sind 6,5 Prozent des gesamten Verkaufsumsatzes.

Der Umsatz der Genossenschaft Migros Luzern stagnierte 2015 bei 1,4 Milliarden Franken. Welches Umsatzziel haben Sie sich für die nächsten zwei Jahre gesetzt?

Bei genauerem Hinsehen stagniert unser Umsatz nicht. Es gab in den zurückliegenden beiden Jahren eine Minusteuerung von 2 und mehr Prozent. Berücksichtigt man sie, schaut ein reales Wachstum von 1 bis 1,5 Prozent heraus. Grosse Wachstumssprünge dürften in naher Zukunft aber nicht zu erwarten sein. Wir gehen davon aus, den realen Umsatz um jeweils 1 Prozent steigern zu können. Teilweise geschieht dies durch den Ausbau des Filialnetzes wie eben erst in Hitzkirch oder durch Umbauten wie im Schweizerhof in der Stadt Luzern.

Der Franken bleibt wohl für längere Zeit überbewertet. Wie kann sich der Detailhandel darauf einstellen?

Zum Glück haben sich die Kaufkraft und die Konsumentenstimmung in diesem Jahr verbessert. Sie sind entscheidend und sorgen für Wachstum. Gleichzeitig nimmt der Einkaufstourismus nicht weiter zu, er stagniert auf hohem Niveau. Was bleibt, ist die Minusteuerung: Um ihr zu begegnen, müssen wir effizienter werden. Da tut sich in der Logistik und in den Läden sehr viel.

Hinweis

Felix Meyer (57) ist seit Juni 2012 Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Luzern. Der gebürtige Bieler arbeitet seit über 25 Jahren bei der Migros.

Interview Rainer Rickenbach


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