Leichter Gewinnrückgang bei Credit Suisse

BANKEN ⋅ Die Credit Suisse hat 2014 weniger Gewinn geschrieben als im Vorjahr. Der Gewinnrückgang fiel allerdings weniger stark aus als von Analysten befürchtet. Deshalb freuten sich die Anleger und trieben den Aktienkurs mit Käufen kräftig in die Höhe.

12. Februar 2015, 17:59

Zwischenzeitlich haussierte die Aktie mit über 10 Prozent und stand zum Börsenschluss mit knapp 9 Prozent im Plus.

Die zweitgrösste Schweizer Bank erzielte 2,1 Mrd. Fr. Gewinn. 2013 waren es noch 2,3 Mrd. Fr. gewesen. Das operative Geschäft stagnierte, belastet wurde das Ergebnis auch durch die Rekordbusse im US-Steuerstreit. Von der Finanznachrichtenagentur AWP befragte Analysten hatten jedoch einen deutlich stärkeren Rückgang auf 1,8 Mrd. Fr. erwartet.

Mehr Gewinn im Investmentbanking...

Dass der Gewinn nicht stärker zurückging, liegt insbesondere am Investmentbanking, also dem Geschäft mit Wertpapier-Emissionen und -Handel sowie Übernahme- und Fusionsberatungen. Hier konnte die Credit Suisse im vergangenen Jahr zulegen. Der Vorsteuergewinn stieg von 1,7 Mrd. Fr. auf 2,1 Mrd. Franken. Die Sparte habe 2014 eine deutlich verbesserte Profitabilität ausgewiesen, teilte die Credit Suisse mit.

Weniger gut schnitt die Credit Suisse in der zweiten Sparte, der Vermögensverwaltung, ab. Hier hatte sie im vierten Quartal einen Geldabfluss zu verzeichnen. Insgesamt seien zwischen Oktober und Dezember 3,0 Mrd. Fr. abgezogen worden, teilte die Grossbank mit.

Davon entfallen allerdings nur 0,2 Mrd. Fr. auf jenen Bereich des Vermögensverwaltungsgeschäfts, den die Credit Suisse auch in Zukunft betreiben will. Diesen bezeichnet die Grossbank als das strategische Geschäft.

Der restliche Teil der Gelder wurde aus dem nicht strategischen Geschäft abgezogen. Darunter fallen beispielsweise die Gelder früherer Steuersünder. In der Medienmitteilung der Credit Suisse ist von Abflüssen "infolge der Regularisierung von Kundengeldern" die Rede.

... weniger mit Vermögensverwaltung

Über das Gesamtjahr gesehen trugen das Investmentbanking und das Vermögensverwaltungsgeschäft vor Steuern gleich viel zum Ergebnis der Credit Suisse bei. Auch im Vermögensverwaltungsgeschäft betrug der Vorsteuergewinn 2,1 Mrd. Franken. Gegenüber dem Vorjahr ist das allerdings ein Rückgang. Damals erzielte die Sparte noch 3,2 Mrd. Fr. Gewinn.

Vor allem das zweite Quartal zog den Gewinn des Vermögensverwaltungsgeschäfts nach unten. Damals legte die Credit Suisse den Steuerstreit mit den US-Behörden bei - mit einer Rekordbusse. Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung musste sie 2,8 Mrd. Dollar bezahlen. Das ist die höchste Strafe, die eine Schweizer Bank je bezahlen musste.

Boni wegen Busse gekürzt

Die Rekordbusse hat auch Auswirkungen für den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung. Beide Gremien hätten sich freiwillig zu einer Kürzung ihrer Gehälter bereit erklärt, teilte die Credit Suisse mit. Die Gesamtvergütung des Verwaltungsrates werde um rund 25 Prozent reduziert, die Boni der Geschäftsleitung um 20 Prozent.

Der Vergütungsausschuss sei sich einig gewesen, dass die Zahlung im US-Steuerstreit "für die Vergütung der obersten Aufsichts- und Leitungsorgane der Gruppe Konsequenzen haben sollte", teilte die Bank mit.

Dies obwohl die Führungsgremien stets betonten, sie hätten von den begangenen Fehlern nichts gewusst. Nach der Beilegung des Steuerstreits hatte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner gegenüber Radio SRF gesagt, Konzernchef Brady Dougan und er hätten "eine weisse Weste".

Reaktion auf Frankenschock

Wie zahlreichen anderen Banken machen auch der Credit Suisse der starke Franken und die Erhebung von Negativszinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu schaffen. Mit "umfassenden Massnahmen" will sie die Auswirkungen des veränderten Währungs- und Zinsumfelds bis 2017 mehr als wettmachen. Im nächsten Jahr dürfte aber trotz der Massnahmen noch ein negativer Effekt von 3 Prozent auf den Vorsteuergewinn bleiben.

Zu den Massnahmen zählen zusätzliche Kosteneinsparungen von 200 Mio. Franken. Dies dürfte unter anderem durch die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland geschehen. Man wolle die in der Schweiz anfallenden Einnahmen und Kosten besser in Übereinstimmung bringen, sagte Finanzchef David Mathers an einer Telefonkonferenz. (sda)


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