Luzerner Firma will «Qualitätsrevolution»

OLIVENÖL ⋅ Die Firma Evoo aus Rain importiert Olivenöl aus dem Mittelmeerraum und kämpft für eine bessere Qualität des Naturprodukts. Dafür ist sie nun ausgezeichnet worden.

15. Oktober 2016, 05:00

Es ist das meistverkaufte Speiseöl in der Schweiz: das Olivenöl. Im Jahr 2013 konsumierten Herr und Frau Schweizer ungefähr 1,8 Liter pro Kopf. Damit liegen sie zwar noch weit hinter mediterranen Ländern wie zum Beispiel Italien, das einen Pro-Kopf-Konsum von 12 Litern aufweist, die Tendenz ist jedoch steigend. Die allermeisten Flaschen, die in den Supermarkt­regalen stehen, tragen den Aufdruck «extra vergine» (auf Deutsch «nativ extra»). Die Bezeichnung steht für die höchste Qualität beim Olivenöl.

Doch es ist längst nicht ­immer das drin, was draufsteht. Laut Marcel Christen, Präsident der in Luzern ansässigen International Olive Foundation (IOF), wird der Begriff in 98 Prozent der Fälle aufs Etikett gedruckt, obwohl kein echtes «extra vergine» in der Flasche ist. Meist handelt es sich laut Silvan Brun, CEO und Mit­inhaber der Evoo AG mit Sitz in Rain, um minderwertiges, gepanschtes oder gar chemisch aufbereitetes Olivenöl. Die Evoo AG will da Abhilfe schaffen.

Geehrt als Importeur des Jahres

Im Januar 2015 gegründet, importiert Evoo aus Spanien, Italien oder Griechenland ausschliesslich richtiges Olivenöl «extra vergine». Dafür erhält sie nun eine Auszeichnung. Flos Olei, ein jährlich erscheinender Olivenölführer mit grossem Renommee, ehrt unter anderem in jeder Ausgabe den «Importer of the year». Dies «in Berücksichtigung des Einsatzes für die Förderung und Verbreitung eines grossen Qualitätsbewusstseins in der Welt des extra nativen Olivenöls», wie es im Verkündigungsschreiben heisst.

Für Silvan Brun ist diese Auszeichnung eine besondere Anerkennung. «Sie ist aber auch als Aufforderung zu verstehen, die Qualitätsrevolution beim Olivenöl weiter voranzutreiben.» Was er damit meint: Im Detailhandel herrschen hohe Ansprüche an Einkaufspreise und Gewinnmargen – auch beim Olivenöl. Und auf jedem Etikett muss «extra ver­gine» stehen. Die Grossverteiler drücken die Preise, gleichzeitig fordern sie einwandfreie Qualität.

Diese Einkaufspraxis habe zwei Verlierer, sagt Brun: «Einerseits den Olivenbauern, der seine Ernte zu Tiefpreisen veräussern muss, sodass sich die ordnungsgemässe Bewirtschaftung der Haine für ihn nicht mehr lohnt. Er pflückt die Oliven nicht vom Baum, sondern wartet, bis die überreifen Früchte zu Boden gefallen sind.» Der zweite Verlierer sei der Konsument, der minderwertige Ware, gekennzeichnet als «extra vergine», angeboten bekomme.

«Konsumenten müssen umdenken»

Laut Silvan Brun müssen vor allem die Konsumenten umdenken: «Denn sie haben vor dem Ladenregal die Entscheidung, welches Öl sie kaufen.» Das Problem liege in einer 20 Jahre alten Doktrin: «‹Extra vergine› riecht und schmeckt nicht so, wie uns das die Industrie die letzten zwei Jahrzehnte vorgegaukelt hat.»

Echtes natives Olivenöl vereine die Geschmacksattribute fruchtig, bitter und scharf in unterschiedlicher Stärke. Da brauche es viel Aufklärungsarbeit beim Konsumenten. Aber auch die Detailhändler seien in der Pflicht, so IOF-Präsident Marcel Christen: «Sie sind seit jeher darauf ausgerichtet, Oliven­öl ‹extra vergine› möglichst günstig an die Kunden zu bringen.» Diese Praxis müsse sich dringend ändern.

Einen Teil der von Silvan Brun erwähnten Aufklärungsarbeit stellt die unabhängige ­Prüfung von als «extra vergine» etikettiertem Olivenöl dar. Das geschieht durch die International Olive Foundation. Diese lässt es von offiziell anerkannten Fachgremien auf geschmackliche Vorgaben hin verkosten und führt bei Bedarf chemische Tests durch. Doch nicht nur das Öl, auch der Produzent wird überprüft. Bestehen sowohl das Öl als auch der Produzent alle Tests, werden die Flaschen mit dem IOF-Gütesiegel versehen. Evoo-Chef Silvan Brun sagt dazu: «Was wir als ‹extra vergine› gekennzeichnet abgeben, ist ‹extra vergine›. Immer.»

Noah Knüsel


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