Migros Bank zieht Negativzinsen in Erwägung

BANKEN ⋅ Der nochmals erhöhte Druck auf das Zinsgefüge führt auch bei der Migros Bank dazu, dass sie an einem Tabu rüttelt: Bei Grosskunden sei die Einführung von Negativzinsen möglich.

19. Januar 2015, 12:19

"Bei Grossanlegern können wir uns das vorstellen", sagte Migros-Bank-Chef Harald Nedwed am Montag bei der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Die Negativzinsen würden dann pro Grosskunde ab einem gewissen Schwellenwert gelten.

Der Schritt sei aber noch nicht beschlossen, die Migros Bank wolle erst die Entscheide der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag abwarten, sagte Nedwed. "Wir haben schon abgeklärt, ob unser IT-System überhaupt Negativzinsen verarbeiten kann; und es kann das."

Im Retailbereich, also bei den Kleinkunden, sei die Einführung von Negativzinsen "im Moment nicht vorstellbar", ergänzte der Bankchef. In einem solchen Fall würden nämlich wohl viele Kunden ihre Guthaben einfach abziehen.

Allerdings könnten die Zinssätze noch näher Richtung null sinken. Privatkonten verzinst die Migros Bank derzeit noch mit 0,1 Prozent. Einen Spielraum für Zinssenkungen sieht Nedwed bei anderen Guthabenklassen wie Anlagekonten oder Kassenobligationen.

Unter SNB-Freigrenze

Die Migros Bank selber muss auf ihren Giroguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) keine Negativzinsen gewärtigen. Sie liege um 1,5 Mrd. Fr. unter dem von der Nationalbank gewährten Freibetrag, sagte Nedwed. Die SNB verlangt ab Donnerstag auf Giroguthaben oberhalb gewisser Freibeträge einen Negativzins von 0,75 Prozent.

Die Credit Suisse hatte am Sonntag bestätigt, dass sie auf das Marktumfeld reagiere und grosse Firmenkunden oder Pensionskassen bald dafür zahlen müssen, wenn sie grosse Guthaben anlegen. Zur Höhe der so genannten Guthabenkommission äusserte sie sich nicht.

Zu den direkten Auswirkungen des tief gefallenen Euro-Wechselkurses auf die Migros Bank sagte Nedwed, alle Devisenbestände seines Instituts seien abgesichert. "Wir haben keine offenen Fremdwährungsbestände."

Auch würden Lombardkredite oder Devisentermingeschäfte von Kunden sehr zurückhaltend gehandhabt bezüglich Anforderungen wie der nötigen Deckung. Seit dem Ende des Euro-Mindestkurses der SNB sind diverse Devisenbroker in Schieflage geraten. Deren Kunden haben auf Pump im Devisenhandel spekuliert und scheinen nun aufgrund erheblicher Verluste nicht mehr in der Lage, die Kredite zurückzuzahlen. (sda)


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