Mit Methanol zur Energiewende

INNOVATION ⋅ Der Chamer Unternehmer Urs A. Weidmann ist überzeugt, dass die Energiewende gelingen kann. Für sein Konzept erhielt er gestern den Schweizer Innovationspreis 2016.

30. September 2016, 05:08

Bernard Marks

Bereits zum 30. Mal wurde heuer der Schweizer Innovationspreis verliehen. Olaf J. Böhme, Verbandspräsident von Idee Suisse, freute sich gestern im Lorzensaal in Cham, den Zuger Unternehmer Urs A. Weidmann auszeichnen zu können. «Seine Idee, mit Methanol die Energiewende zu schaffen, hat uns überzeugt», sagte Böhme. Die Herstellung von CO2-neutraler Energie ist wichtig für das Gelingen der Energiewende», so Böhme weiter. Methanol als Energiespeicher sei dabei eine mögliche Lösung. Denn die Umwandlung von Strom in Methanol und zurück in Strom ist CO2-neutral (siehe Infobox).

Kernpunkt im Konzept von Weidmann sind Kleinkraftwerke, in denen das Methanol in Wärme und Strom umgewandelt wird. Der Chamer Tüftler hat hierfür die sogenannten Econimo-Wandler entwickelt, die sowohl stationär für die Wärme- und Stromversorgung von Gebäuden als auch mobil in Elektrofahrzeugen eingesetzt werden können. Für die Energieversorgung mit Methanol brauche es nur ein einziges Logistiksystem und nicht wie heute riesige Stromnetze und verschiedenste Verteilmöglichkeiten für Treibstoffe, Heizöl oder Erdgasleitungen. Flüssiges Methanol liesse sich problemlos mit Tankzügen oder Lastwagen und ohne Umweltgefährdung transportieren, Hochspannungsüberlandleitungen würden damit überflüssig. Ein Vorteil gegenüber Elektroantrieben: Mit Methanol liessen sich zudem Flugzeuge oder schwere Lastfahr­zeuge antreiben.

Notwendiger Ausstieg aus der Erdölwirtschaft

«Es braucht unbedingt innova­tive Köpfe in der Schweizer Wirtschaft», sagte der Zuger Re­gierungsrat Urs Hürlimann bei seiner Grussbotschaft. Dies sei ausserdem gut für den Kanton Zug. Hürlimann gratulierte der Firma Silent Power und Urs A. Weidmann herzlich zu der prominenten Auszeichnung. Neben dem Chamer Gemeindepräsidenten Georges Helfenstein, der sich würdigend über das Projekt von Urs A. Weidmann äusserste, sprach auch Daniele Ganser, Dozent an der Universität St. Gallen und Direktor des Swiss Institute for Peace and Energy Research (Siper) in Basel, Glückwünsche zum Innovationspreis aus.

Technologien wie von Weidmann seien wichtig, «denn der Ausstieg aus der Erdölwirtschaft ist notwendig», sagte Ganser. Rund 90 Millionen Tonnen Rohöl verbrauchen Menschen weltweit heute allein an einem Tag. Das ist so viel, wie in 45 Supertanker passt. Davon benötigten allein die USA 20 Millionen Tonnen. Ganser nahm in seinem Vortrag kein Blatt vor den Mund: «Fakt ist, dass wegen des Erdöls Kriege geführt werden und bereits viele Menschen sterben mussten.»

Früchte für die harte Arbeit ernten

Seit Beginn des Irak-Krieges 2003 seien laut Schätzungen mehr als 1 Million Menschen gestorben. Auch die Schweiz sei noch zu stark abhängig von Erdöl, das hierzulande 50 Prozent aller Energiequellen darstellt. Diese Abhängigkeit könne die Schweiz aus eigener Kraft überwinden. «Tausende Menschen engagieren sich heute für Frieden und erneuerbare Energien. Ich glaube, dass Projekte wie das von Urs A. Weidmann helfen können, einen Teil der Brutalität zu überwinden, die unsere Welt noch immer prägen», sagte Ganser. Andreas Widmer, Direktor der WWZ AG in Zug, sprach von einer interessanten und unterstützenswerten Technologie mit viel Po­tenzial, die zur Systemstabilität eines Stromnetzes beitragen könne. Sichtlich gerührt ob so viel Anerkennung war Weidmann. Gewissermassen konnte er gestern einen Teil der Früchte ernten, die er in den vergangenen Jahren gesät hat. Seit dem Start mit seiner Firma Silent-Power im Jahr 2012 arbeitet Weidmann beharrlich und Kritikern zum Trotz an seiner Idee. Kürzlich konnte er mit der Einweihung des ersten Kleinkraftwerks in Steinhausen eine Wegmarke setzen. Jetzt plant Weidmann die Markteinführung. «Dann wollen wir Geld verdienen», sagt er zuversichtlich.

HINWEIS
Mehr Infos: www.silent-power.com oder www.idee-suisse.ch.

Herstellung CO2-neutral

Aus sauberem Strom, der von erneuerbaren Energiequellen wie etwa Windkraft oder Geothermie stammt, sowie aus Wasser und dem in der Luft vorhandenen CO2 kann vollsynthetisches Methanol in praktisch unbegrenzter Menge hergestellt werden. Methanol ist quasi chemisch gespeicherter Strom. Wird Methanol verbrannt, zerlegt es sich wieder in die Grundstoffe Wasser und das ungiftige Gas CO2. Dieser Vorgang ist zu 100 Prozent CO2-neutral. Das Wichtigste: 95 Prozent der im Methanol gespeicherten Energie können wieder genutzt werden. Methanol kann zudem über die bestehenden Vertriebskanäle wie Benzin, Diesel oder Kerosin verteilt werden.

(red.)


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