Nach dem Nein des Casinos: Investor Gao prüft den Entscheid juristisch

LUZERN ⋅ Der Casino-Verwaltungsrat weist den Eintrag des Aktienpakets des chinesischen «Palace»-Besitzers ab. Dieser will den Entscheid des Luzerner Casinos juristisch prüfen.

17. Januar 2017, 22:37

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Es ist ein einmaliger Vorgang: Zum ersten Mal in der neueren Geschichte des Luzerner Casinos hat der Verwaltungsrat einen neuen Aktionär abgewiesen. Gestern teilte das Casino mit, dass das Gesuch der First Swiss Hotel Collection AG um Eintragung eines Aktienpakets von 5 Prozent abgelehnt werde. Zur First Swiss Hotel Collection gehört auch das Hotel Palace in Luzern, dessen Besitzer Yunfeng Gao ist. Der chinesische Investor hat im November 2016 ein Aktienpaket des ­Casinos gekauft und ein Eintragungsgesuch eingereicht.

Die Aktien bleiben für ihn mit dem gestrigen Entscheid wertlos. Ohne Eintragung kann er die ­Aktien nicht übernehmen. Toni Bucher, Vizepräsident der First Swiss Hotel Collection AG, ist enttäuscht: «Yunfeng Gao will vermehrt chinesische Gäste ins ‹Palace› lotsen. Die Nähe von Hotel und Casino könnte für spielfreudige Chinesen ein Trumpf sein», sagt Bucher.

Bergbahnen profitieren, Casino nicht

Gäste, die das Casino Luzern gut gebrauchen könnte. Denn während etwa die Uhrengeschäfte, die Schifffahrtsgesellschaften oder die Bergbahnen vom Asien-Boom profitieren, schrumpft beim Casino der Gewinn. Allein 2015 gab er um über 5 Prozent nach und summierte sich auf 1,1 Millionen Franken. Nicht nur deshalb sieht Bucher keinen Grund für das Nein des Verwaltungsrats. «Wir waren und sind nach wie vor an einer Zusammenarbeit interessiert», sagt er. Mit 5 Prozent sei der Einfluss zudem nicht übermässig hoch. «Wir lassen den Entscheid des Casino-Verwaltungsrats nun juristisch prüfen», gibt sich Bucher noch nicht geschlagen.

Casino-Präsident Guido Egli sieht darin wenig Chancen. «Unsere Statuten sind klar ­formuliert. Der Verwaltungsrat kann einem neuen Aktionär den Eintrag ins Aktienbuch verweigern», sagt Egli. So steht unter Artikel 4 in den Statuten: «Die Zustimmung kann ohne Angabe von Gründen verweigert werden, sofern der Verwaltungsrat dem Veräusserer anbietet, die Aktien für Rechnung der Gesellschaft, bestimmter Aktionäre oder Dritter zum wirklichen Wert im Zeitpunkt des Gesuches zu übernehmen.» Dieser Eintrag in die Statuten wurde 2011 von der Generalversammlung beschlossen. Der Entscheid sei korrekt.

Der Casino-Präsident betont, dass man sich den Entscheid nicht leicht gemacht habe. Der Verwaltungsrat sehe aber mit einem Engagement von Gao die in der Strategie verankerten Pfeiler Selbstständigkeit, lokale Verankerung und Unabhängigkeit gefährdet, sagt Egli. «Wir wollen Aktionäre, die mit unserer strategischen Ausrichtung einverstanden sind.»

Keine exklusive Beziehung zu einem Aktionär

Zudem könnte eine exklusive Beteiligung die über Jahre gewachsenen Beziehungen zu anderen Tourismuspartnern in der Region schwächen. Er habe grossen Respekt vor den Investitionen Gaos in der Zentralschweiz, doch «beim Casino sind wir allen Tourismusanbietern verpflichtet», erklärt Egli. Eine Hotelbeteiligung wäre aber kein Novum: Historisch sind mehrere Hotels am Casino beteiligt: «Dabei handelt es sich aber um Beteiligungen im Umfang von 0,1 bis 0,5 Prozent, keine 5 Prozent», sagt der Casino-Präsident.

Dass sich die Beziehung mit dem Hotelnachbarn nun verschlechtern könnten, hofft Egli nicht. «Wir pflegen mit dem Hotel Palace seit Jahrzehnten eine enge Zusammenarbeit», sagt er. Das Hotel Palace ist zudem mit 8,33 Prozent an der Parkhaus Casino-Palace AG beteiligt.

Das Aktienkapital der Kursaal Casino AG beträgt 6,4 Millionen Franken. Beteiligungen sind auf maximal 5 Prozent beschränkt. Das ist ebenfalls in den Statuten festgehalten. Grösste Einzelaktionärin mit 11 Prozent ist die Stadt Luzern, die historisch bedingt einen höheren Anteil halten darf. Weitere bedeutende Eigner sind die Luzerner Kantonalbank (5 Prozent), der Kanton Luzern (3,7 Prozent) sowie Private. Der Rest der Aktien wird von rund 2500 Kleinaktionären gehalten.


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