Schmolz+Bickenbach in Gewinnzone

EMMENBRÜCKE ⋅ Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat 2014 erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Unter dem Strich blieben 50 Mio. Euro nach einem Defizit von 83,7 Mio. im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 1,9 Prozent auf 3,34 Mrd. Euro leicht unterproportional.

12. März 2015, 13:14

In dem geringen Umsatzwachstum schlugen sich die tieferen Preise nieder, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Mengenmässig stieg der Absatz um 3,9 Prozent auf 2,1 Mrd. Tonnen. Der bereinigte Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA wuchs um 46 Prozent auf 261,7 Mio. Euro. Vor Steuern und Zinsen blieben 130,6 Mio. Euro nach 17,8 Mio. im Vorjahr.

Wie in den Vorjahren verzichtet das Unternehmen auf die Ausschüttung einer Dividende. Der Gewinn soll in die weitere Bilanzstärkung fliessen. Zudem sollen Schulden abgebaut werden.

Als Grund für die Rückkehr in die Gewinnzone nennt Schmolz+Bickenbach (S+B) den deutlich gesunkenen Finanzaufwand sowie das Ergebnisverbesserungsprogramm. Dank der Kapitalerhöhung im vierten Quartal 2013 und verbesserter Zinskonditionen der neuen Finanzierung halbierte sich der Finanzaufwand in etwa auf 54,5 Mio. Euro.

Ende Jahr waren 10'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei S+B beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr waren das 95 weniger.

Die Börse nahm den ersten Gewinn seit 2011 mit Beifall auf. Bei regem Handel lag der Aktienkurs kurz vor Mittag 6,6 Prozent höher als am Vorabend. Das Papier war für 97 Rappen zu haben. Das Ergebnis lag über den Erwartungen der Anlegergemeinde, sagte ein Händler.

2015 gleichbleibender Absatz

Für 2015 geht der Stahlkonzern von Absatzmengen und Betriebsresultaten auf dem Niveau von 2014 aus. Die EBITDA-Ziffer sollte bei 210 Mio. bis 250 Mio. Euro liegen.

Die Frankenstärke dürfte das Ergebnis belasten, so dass die Erwartungen verhalten sind. Nach Berechnungen von Schmolz+Bickenbach dürfte jede Aufwertung des Frankens zum Euro um einen Rappen den Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen um 1,5 Mio. Euro im Jahr vermindern.

Darum prüft S+B an den Schweizer Standorten Massnahmen - unter anderem beim Personal. Das treffe zuerst Neueinstellungen und Temporärstellen und den Schichtplan. Festangestellte hätten vorerst nichts zu fürchten, hiess es. Daneben nennt S+B verschobene Investitionen, Neuverhandlungen im Einkauf und weitere Sparanstrengungen als Massnahmen.

Hälfte des Verkaufsgeschäfts steht zum Verkauf

Im weiteren will Schmolz+Bickenbach nun doch wieder spezialisierte Vertriebseinheiten und damit die Hälfte der Verkaufssparte veräussern. Nach Konzernangaben läuft ein «ergebnisoffener Verkaufsprozess» für die Betriebe in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Österreich.

Diese Unternehmensteile laufen nach einem anderen Geschäftsmodell als die übrigen Konzernaktivitäten. Zudem vertreiben sie überwiegend werksfremde Produkte. Die Aktivitäten generierten 2014 einen Umsatz von 600 Mio. Euro mit rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Mitte Dezember hatte Schmolz+Bickenbach Verkaufsbemühungen für den Zweig abgebrochen, weil die Preisangebote aus Unternehmenssicht nicht stimmten. Die Distributionsaktivitäten wollte S+B damals als eigenständiges Geschäft weiterführen, zumal die Tätigkeiten fit getrimmt worden waren.

Für die Wahl in den Verwaltungsrat schlägt S+B Johan Van de Steen vor. Der Belgier soll nach der Generalversammlung am 15. April den aus dem Gremium zurücktretenden Renova-Vertreter Vladimir Kuznetsov ersetzen. Van de Steen ist Portfolio-Chef bei Renova, dem Investitionsvehikel des russischen Milliardäre Viktor Vekselberg. Renova hält rund 41 Prozent an S+B.

sda


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