Schurter kauft im Osten zu

ELEKTRONIK ⋅ Das Luzerner Industrieunternehmen übernimmt zwei Firmen in Österreich und Tschechien. Der Standort Luzern werde damit gestärkt, betont der Schurter-Chef.

29. November 2016, 20:44

Zum Jahresende schlägt Schurter gleich doppelt zu: Gestern gab das Luzerner Industrieunternehmen zwei Zukäufe bekannt. Schurter übernimmt per 1. Januar 2017 die österreichische Firma Burisch sowie die tschechische Firma Aki Electronic. «Damit stärken wir unsere Position in Österreich und Osteuropa», sagt Schurter-Chef Ralph Müller. Insbesondere Österreich sei für Schurter bis anhin ein «blinder Fleck» gewesen. «Das wollen wir damit ändern, wir wollen mehr Einfluss im attraktiven österreichischen und osteuropäischen Markt», erklärt Ralph Müller.

Die 1949 in Innsbruck gegründete Burisch Elektronik Bauteile GmbH kennt Schurter bestens. Bereits seit 1961 verkauft Burisch mit Sitz in Wien die Produkte der Luzerner im österreichischen und osteuropäischen Markt. Schurter produziert seit 25 Jahren in Tschechien und hat die Kapazität des Werks in Malá Skála in den letzten Jahren wegen der Frankenstärke mehr als verdoppelt. In Tschechien beschäftigt Schurter inzwischen 180 Angestellte. Hinzu kommen 180 Mitarbeiter im Werk Gruiu in Rumänien sowie 80 Mitarbeitende in Radosina, Slowakei. «Da wir uns aber stark auf die Produktion konzentrieren mussten, hatten wir Schwächen in der Marktbearbeitung», gibt Müller zu. Mit Burisch erhält Schurter nun eine komplette Verkaufsstruktur für die Länder Österreich, Tschechien, Ungarn und Slowakei.

Kabel als neues Geschäftsfeld

Die Akquisition bringt zudem mit der Kabelkonfektionierung eine Technik ins Unternehmen ein, die Schurter bis anhin nicht hatte. «So können wir unseren Kunden nicht nur Stecker anbieten, sondern Stecker, die gleich mit den entsprechenden Kabeln ausgerüstet sind», sagt Müller. Burisch beschäftigt mit den zur Unternehmensgruppe gehörenden Tochterfirmen in Ungarn, der Tschechischen Republik und der Schweiz rund 90 Personen. 2015 betrug der Jahresumsatz rund 20 Millionen Euro. Die Firma wird in Österreich weiter unter dem bisherigen Namen agieren.

Auf Medizinalbereich spezialisiert

Mit Aki Electronic, die ihren Sitz im tschechischen Jihlava hat, übernimmt Schurter einen Konkurrenten im Bereich Eingabesysteme. Aki produziert unter anderem Touchscreens, Touchpanels sowie Folientastaturen, die insbesondere in Labor- und Medizingeräten zum Einsatz kommen. «Aki ermöglicht uns einen Marktausbau in Österreich, Tschechien und der Slowakei», sagt Müller. Ihre Zertifizierung für den stark wachsenden Medizinalbereich mache Aki Electronic besonders wertvoll. «Die Qualität der Produkte ist sehr hoch.» Zum hohen Qualitätsbewusstsein kommen laut Schurter auch die tiefen Gestehungskosten. Aki realisierte mit ihren 200 Mitarbeitenden 2015 einen Umsatz von rund 9 Millionen Euro.

Die Konzentration von Schurter auf Osteuropa sei kein Zufall, sagt Müller: «Wir produzieren seit 25 Jahren vor Ort, kennen den Markt und können das Risiko einschätzen.» Weltweit beschäftig Schurter 1850 Angestellte, etwas mehr als 300 davon in Luzern. Dass mit dem Ausbau in Österreich und Osteuropa ein Abbau am Standort Luzern einherergehen könnte, verneint Müller klar. «Im Gegenteil, die Zukäufe stärken den Standort Luzern», sagt der Schurter-CEO. Er rechnet damit, dass die Unterstützung der neuen Tochterfirmen in der Schweiz zu Mehrarbeiten führen werde. Transfers nach Tschechien werden die Zukäufe keine nach sich ziehen, betont Müller. 2015 erzielte Schurter einen Umsatz von 191,4 Millionen Franken. Dank der Zukäufe erzielt Schurter einen Umsatzzuwachs von rund 15 Prozent.

Roman Schenkel


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