Schweizer mit geringem Unternehmergeist

UNTERNEHMEN ⋅ Schweizerinnen und Schweizer haben eine positive Einstellung zum Unternehmertum. Geht es aber darum Nägel mit Köpfen zu machen, zögern viele.

14. Oktober 2016, 08:31

So haben zwischen 2013 und 2015 nur 7,3 Prozent der Schweizer eine Firma gegründet. Dabei glauben 44 Prozent, dass sie für diesen Schritt eigentlich über genügend Erfahrungen und Kompetenzen verfügen. Zu diesem Resultat kommt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2015/2016.

Fehlende Anreize

Während in Israel und in Portugal für fast zwei Drittel der 18- bis 64-jährigen eine Unternehmensgründung als Karriereoption in Frage kommt, sind es in der Schweiz nur gerade 40 Prozent. Damit liegt die Schweiz lediglich auf dem 18. Platz von 22 Ländern mit einer innovationsstarken Volkswirtschaft.

Die Autoren folgern daraus, dass die Anreize, Unternehmer zu werden, und die unternehmerische Ausbildung in der Schweiz heute unzureichend sind. Die Beratungsangebote für Start‐ups müssten verbessert werden. Auch sollten die steuerlichen Anreize für Investitionen in Start‐ups verbessert und die Finanzierungsmöglichkeiten ausgeweitet werden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Westschweizer sind mutiger

Ein Grund für die schweizerische Zurückhaltung bei der Unternehmensgründung könnte aber auch der allgemein hohe Lebensstandard und die tiefe Arbeitslosenquote im Land sein. Diesen Schluss legt zumindest ein Vergleich zwischen den Resultaten aus der Deutschschweiz und der Westschweiz nahe.

Während nur 6,7 Prozent der Deutschschweizer ihr eigenes Unternehmen gründen wollen, sind es in der Westschweiz 8,8 Prozent. Die höhere Arbeitslosenquote in den Kantonen der lateinischen Schweiz habe höchstwahrscheinlich einen Einfluss auf die Absicht, ein eigenes Unternehmen zu gründen und unabhängig zu werden, schreiben die Autoren.

Der Global Entrepreneurship Monitor fand 2015 in 62 Ländern statt und analysierte die Einstellung der Bevölkerung zu Unternehmensgründungen. Der Bericht für die Schweiz wurde von der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg verfasst. Grundlage waren über 2000 telefonische Befragungen sowie 36 Interviews mit Experten. (sda)


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