Sika-Streithähne bleiben stur

BAAR ⋅ Der Sika-Verwaltungsrat hat an der Generalversammlung ein weiteres Mal die Stimmrechte der Erbenfamilie beschnitten und bleibt im Amt. Die Familie streicht wiederum den Lohn des Verwaltungsrates und setzt sich bei der Dividendenabstimmung durch.
12. April 2017, 08:46

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Das Sika-Aktionärstreffen vom Dienstag startete im Gegensatz zu den letzten drei Generalversammlungen (GV), an denen um die Zukunft der Firma gestritten wurde, unter anderen Voraussetzungen. Denn das Kantonsgericht Zug wies im Oktober die Beschwerde der Erbenfamilie Burkard und ihrer Schenker-Winkler-Holding (SWH) zur Stimmrechtsbeschränkung vollumfänglich ab. Damit legitimierte das Gericht das Vorgehen des Sika-Verwaltungsrats. Wohlgemerkt: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Fall liegt beim Zuger Obergericht.

Seinen Vorteil spielte Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg gleich zu Beginn aus. Er zitierte aus dem Gerichtsurteil und rief in Erinnerung: «Der Verwaltungsrat hat nicht – wie uns von den Burkard-Erben vorgehalten wird – gesetzeswidrig gehandelt, sondern die Statuten richtig interpretiert und rechtmässig gehandelt.»

Als erster der zahlreichen Redner aus der Versammlung trat Urs Burkard ans Mikrofon in der Baarer Waldmannhalle. Der Sprecher der Erbenfamilie erteilte Spekulationen über eine Strategieänderung der Erben eine Absage (siehe Box). Urs Burkard gab sich kämpferisch: «Der Verwaltungsrat kann eine Schlacht gewinnen, aber nie den Krieg gegen den Hauptaktionär.» Er fuhr fort: «Entweder wir gewinnen den Rechtsstreit und Saint-Gobain kommt zum Zug. Oder wir verlieren ihn und erhalten darauf das volle Stimmrecht der SWH wieder zurück.»

Unterstützt wurde Burkard von seinem Anwalt Urs Schenker. Dieser drohte bei einem Rückzug von Saint-Gobain, den Sika-Verwaltungsrat auszuwechseln, um einen neuen Verkauf mit gefügigen Verwaltungsräten anzugehen. Schenker erhielt dafür Buhrufe aus dem Publikum. Er reagierte gereizt und wild gestikulierend auf die unschöne Reaktion der Aktionäre.

Im Gegensatz zu den letzten GVs gab es weniger Votanten. «Unabhängige Kleinaktionäre» traten praktisch keine auf. Die Redner waren vor allem Sika-Mitarbeiter und organisierte Vertreter der beiden Streitparteien. Politiker fehlten diesmal – mit Ausnahme des Zürcher SVP-Nationalrats Hans-Ueli Vogt. Der Professor für Wirtschaftsrecht betonte, dass er als Rechtsberater der Familie Burkard spreche. Vogt kritisierte das Urteil der Zuger Richter und meinte: «Handwerklich zwar sorgfältig erarbeitet, aber das Grosse und Ganze aus den Augen verloren.» Paul Hälg erinnerte Vogt süffisant an seinen Auftritt vom letzten Jahr, wo er dem Verwaltungsrat empfahl, den bevorstehenden Gerichtsentscheid zu akzeptieren und einzulenken.

«Familie Burkard, die ganze Schweiz lacht über euch»

Einer der auftretenden Sika-Mitarbeiter erzählte von einem früheren Gespräch, bei dem ihm die Mutter von Urs Burkard (Franziska Burkard-Schenker, 1929–2013) die Sika-Werte erklärte. «Familie Burkard, wacht endlich auf und trennt euch von euren gierigen Anwälten», rief er Urs Burkard zu. «Die ganze Schweiz lacht über euch.» Der Applaus und die Standing Ovations zeigten, dass über 90 Prozent des Publikums auf Seite des Sika-Verwaltungsrats stehen.

Bei den entsprechenden Wahltraktanden beschränkte der Verwaltungsrat wiederum die Stimmen der SWH und entkam so der beabsichtigten Abwahl. Der SWH-Kandidat Jacques ­Bischoff wurde wie schon im letzten Jahr nicht gewählt.

Hingegen konnte sich die Familie Burkard mit vollem Stimmrecht bei der Dividende durchsetzen. Statt der vom Verwaltungsrat beantragten Erhöhung von 31 Prozent gibt es für alle Aktionäre nur 23 Prozent mehr.

Unerbitterlich zeigten sich die Sika-Erben auch bei der Entlöhnung des Verwaltungsrates. Diese wurde ebenfalls ein weiteres Mal gestrichen. Der Sika-VR arbeitet nunmehr seit drei Jahren ohne Lohn.

Nach vier Stunden war die Sika-GV 2017 beendet. «The same procedure as every year.»


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