So günstig können Skiferien in der Schweiz sein

WINTERFERIEN ⋅ Um Kosten zu sparen, machen immer mehr Schweizer Familien Ferien im Ausland. Wer sich die Mühe macht, findet aber auch in der Schweiz zahlreiche preiswerte Angebote.

26. November 2016, 17:08

«Der starke Franken macht Urlaub in den Schweizer Bergen zum teuren Spass. In Österreich – besonders in Tirol – reiben sich die Touristiker die Hände», schrieb die Wiener Tageszeitung «Kurier». Das Image von den exorbitanten Preisen für Winterferien in der Schweiz hält sich hartnäckig. Einer, der dagegen ankämpft, ist Fredi Gmür, Präsident von Parahotellerie Schweiz. Dieser Vereinigung gehören Reka und Interhome an, zwei Anbieter von Ferienwohnungen, -häusern und -dörfern, dann die Schweizer Jugendherbergen (SJH), Bed and Breakfast Switzerland und die TCS-Campingplätze.

Für viele von ihnen war der Winter 2015/16 schwierig: Während Reka einen Zuwachs von 1 Prozent registrierte, gingen die Buchungen bei Interhome um 3,6 Prozent zurück, bei den Jugendherbergen gar um 10 Prozent. «Viele Gäste aus der Eurozone machen einen weiten Bogen um die Schweiz», sagt Gmür nüchtern: «Deshalb haben einige unserer Mitglieder ihr Preisgefüge überarbeitet.»

Jugendherbergen bei Familien besonders beliebt

Allen voran die Jugendherbergen. Sie haben in den letzten 20 Jahren eine Kurskorrektur vollzogen: «Allein reisende Jugendliche machen nur noch 10 Prozent unserer Gäste aus, Familien hingegen 45 Prozent», sagt Tanja Arnold, die Marketing-Verantwortliche. Neu erbaute Jugendherbergen, zum Beispiel in Interlaken, Gstaad-Saanenland, Saas Fee oder St. Moritz, verfügen deshalb laut Arnold «über 50 Prozent Familienzimmer». Um attraktiver zu werden, haben die Jugendherbergen Anfang Monat eine Preisinitiative angekündigt. Für Kinder und Jugendliche gelten ab sofort Pauschalpreise, unabhängig von Ort und Zimmerkategorie: Kinder bis ein Jahr übernachten gratis, von zwei bis fünf Jahren bezahlen sie, beziehungsweise ihre Eltern, 15 Franken pro Nacht, von sechs bis zwölf Jahren 25 Franken, Frühstück inklusive. Ein Dreigang-Abendmenü mit Getränk kostet für Zwei- bis Fünfjährige zehn Franken, für Sechs- bis Zwölfjährige 16 Franken.

Tanja Arnold rechnet vor, was diese Preisanpassung bewirkt: Eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern (vier und sieben Jahre alt) bezahlt für einen einwöchigen Aufenthalt mit Halbpension in einem Familienzimmer in der Jugendherberge Gstaad-Saanenland neu 1449 Franken; das sind 376 weniger als bisher. Eine Woche in der Jugendherberge Scuol käme dieselbe Familie auf 1414 Franken zu stehen, eine Ersparnis von 350 Franken.

Bei der Migros-Tochter Interhome, die in der Schweiz rund 3650 Ferienwohnungen und -häuser anbietet, setzt man eher auf Aktionen und Last-Minute-Arrangements. Interhome definiert die Qualitätsstandards anhand eines europaweit einheitlichen Sterne-Systems und setzt gezielt auf persönliche Beratung. Wer im Online-Katalog blättert, findet interessante Angebote. Ein paar zufällige Beispiele aus dem Wallis: Eine Ferienwohnung für bis zu fünf Personen in Leukerbad ist ab 636 Franken pro Woche zu haben; für sechs Personen findet sich eine in Nendaz ab 1081 Franken pro Woche. Auch im Edel-Bergort Zermatt kann man eine 5-Zimmer-Wohnung für maximal acht Personen schon ab 1976 Franken pro Woche mieten. Im Bündnerland entdeckt man in Pontresina eine 3-Zimmer-Wohnung für vier Personen ab 646 Franken pro Woche, in Flims eine 6-Zimmer-Wohnung für maximal acht Gäste ab 1111 Franken, und so weiter.

Die Österreicher kommen jetzt zu uns

Auch die familienfreundlichen Ferienwohnungen und Feriendörfer von Reka findet man in zahlreichen Ferienregionen, und sie sind oft hervorragend gelegen. Preisbeispiele für eine Woche in einer 2-Zimmer-Wohnung für vier Personen inklusive Gebühren, aber ohne Kurtaxe: 770 Franken im bündnerischen Bergün, 882 Franken auf der Lenk im Simmental oder 917 Franken in Sörenberg direkt am Sessellift ins Skigebiet.

Immer mehr Schweizer reisen nach Österreich, doch jetzt kommen die Österreicher in die Schweiz: In der majestätischen Berglandschaft von Malbun im Fürstentum Liechtenstein hat die in Graz domizilierte Jufa-Gruppe im vergangenen Februar ein Drei-Sterne-Haus mit 215 Betten eröffnet. Schweizer Gäste bekommen hier die Möglichkeit für günstige Ferien ohne weite Anreise. Malbun ist von Luzern aus in weniger als zwei Stunden zu erreichen.

Wer das moderne, aber gemütliche Holzgebäude auf 1600 Metern über Meer betritt, dem wird sofort klar, wen es ansprechen will: Die meisten der 66 Zimmer sind für Familien ausgelegt. Teilweise sind sie miteinander kombinierbar für bis zu sechs Gäste. Betten für Kleinkinder werden, wenn gewünscht, gratis dazu gestellt.

Vergünstigte Skipässe

Möglichkeiten für sportliche Betätigungen gibt es viele: ein Kinderspielplatz vor dem Haus, eine Turnhalle im Untergeschoss, drei Skiräume mit direktem Ausgang auf die Piste, ein Schneepark, in welchem Kinder das Skifahren lernen können. «Natürlich sind Preise auf österreichischem oder deutschem Niveau hier nicht möglich», schränkt die Marketing-Verantwortliche Anja Fahrenschon ein. Dafür sind die Fixkosten zu hoch. Doch das Jufa bietet attraktive Packages an. Eine Januar-Woche für Zimmer und Frühstück käme für unsere vierköpfige Musterfamilie auf 1551 Franken zu stehen, das Package, das unter anderem Skipässe für sechs Tage, Halbpension und die Benutzung von Wellness und Fitness enthält, auf 2600 Franken.

In Österreich ist die Jufa-Gruppe mit rund 45 Hotels ein wichtiger Player. Den Markteintritt Richtung Schweiz will sie vorsichtig angehen: Nach dem Haus in Malbun ist erst ein weiteres Jufa-Hotel in Wildhaus geplant. Neben Übernachtung und Verpflegung ist der Skipass jeweils ein substanzieller Ausgabenposten: Je nach Skigebiet kostet er bis zu 80 Franken pro Tag für Erwachsene, um die 50 Franken für Jugendliche und rund 25 Franken für Kinder. Auch in dieser Beziehung haben viele Betriebe und Sportregionen interessante Ideen entwickelt. So kauft die Jugendherberge Lenzerheide Jahreskarten, die sie dann ihren Gästen während ihres Aufenthalts gratis zur Verfügung stellt. In der Region St. Moritz bieten rund 100 Hotels inklusive Jugendherbergen Tageskarten für 35 statt 79 Franken an. Voraussetzung ist, dass man mindestens zwei Mal übernachtet.

Fast schon verrückt klingt das Angebot von Saas-Fee: eine Jahreskarte für 222 Franken (Jugendliche bis 15 Jahre: 177 Franken). Wer vier Tage Ski fährt, hat die Karte bereits amortisiert. Ursprünglich hätten bis heute 99 999 Leuten mitmachen müssen. Aufgrund des hohen Echos über 78 307 verkauften Jahreskarten bis Donnerstag beschlossen die Verantwortlichen, dass der Deal gilt.

Hinweis:
Schweizer Jugendherbergen: www.youthhostel.ch
Reka: www.reka.ch/ferien
Interhome: www.interhome.ch
Jufa-Hotel Malbun bei Hotelplan buchbar oder direkt: www.jufa.eu/hotel/malbun
der Saisonkarten-Deal von Saas Fee: www.we-make-it-happen.ch

Artur K. Vogel


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