Solarflugzeug «made in Lucerne»

TECHNOLOGIE ⋅ Aurora Swiss Aerospace hat am Dienstag den neuen Sitz in Luzern eingeweiht. Hier werden Teile einer neuen Drohne entwickelt.

12. Oktober 2016, 05:00

In einem unscheinbaren Büro an der Luzerner Mühlemattstrasse feierten gestern ein paar Dutzend Gäste eine Firmeneinweihung. Seit wenigen Wochen hat Aurora Swiss Aerospace ihren Sitz hier. Die Firma ist eine Tochtergesellschaft der Aurora Flight Sciences mit Sitz im US-Bundesstaat Virginia. Ihr Geschäft ist die Entwicklung von unbemannten Flugzeugen, gemeinhin Drohnen genannt. Das Unternehmen entstand Ende der Achtzigerjahre im Umfeld des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

2013 hatte die Schweizer Tochter ihre Niederlassung im D4 Business Village in Root bezogen, im Juli dieses Jahres zügelte sie aus Platzgründen nach Luzern. In dieser Zeitspanne ist Aurora in der Schweiz von einem Einmannbetrieb auf 15 Personen angewachsen. Das Team, das vor allem aus Ingenieuren besteht, ist sehr international; nur vier Schweizer arbeiten hier.

Spezialisten von Solar Impulse abgeworben

Tim Dawson-Townsend leitet als Generaldirektor die Geschäfte in Luzern. Er sagt: «Wir fühlen uns wohl in Luzern und möchten die Belegschaft weiter ausbauen.» Was wird hier überhaupt gemacht? Vorwiegend entwickeln die Ingenieure Flugzeugstrukturen am Computer. Sie beschäftigen sich mit einem Projekt, von dem noch nicht viel bekannt ist: Aurora will bis Ende 2017 ein unbemanntes Solarflugzeug in den USA auf den Markt bringen. Der Name des Kunden darf noch nicht verraten werden. Die Herstellung soll in den USA stattfinden.

Wer in der Schweiz Solarflugzeug sagt, denkt an Solar Im­pulse von Bertrand Piccard. Tatsächlich hat Aurora einige Ingenieure von Solar Impulse abgeworben, um die eigene Entwicklung voranzutreiben. Solar Impulse sei aber kein direkter Mitbewerber, sagt Dawson-Townsend. «Unser Solarflugzeug wird unbemannt sein», stellt er klar. Allerdings hat Piccard mehrmals betont, dass die Entwicklung einer Solardrohne für Solar Impulse eine Option sei. Solardrohnen stehen auch bei US-Technologiekonzernen wie Facebook oder Google auf der Agenda: Solche Fluggeräte könnten dereinst Satelliten ablösen. Dass Aurora 2013 nach Luzern zog, ist kein Zufall. In Emmen betreibt die Schweizer Luftwaffe einen Militärflugplatz. Auch die Ruag ist in der Nähe. Aurora hatte 2012 eine öffentliche Ausschreibung für die Lieferung einer Drohne gewonnen. Die US-Firma hatte das zweimotorige Kleinflugzeug Diamond DA42 so umgerüstet, dass dieses Flugzeug österreichischer Fabrikation auch unbemannt fliegen kann. Dieses Derivat, das Aurora «Centaur» nennt, ist heute in Emmen stationiert. Es gehört aber nicht zum Bestand der Luftwaffe, sondern wird nur von Armasuisse geflogen. Armasuisse sagt dazu: «Auch wenn das Flugzeug ohne Pilot geflogen werden könnte, ist aus Sicherheitsgründen jeweils ein Pilot an Bord. Dieser überwacht den Flug und würde bei Bedarf die Steuerung der DA42 übernehmen.»

Maurizio Minetti


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