VW-Boss soll Vertuschung gebilligt haben

DEUTSCHLAND ⋅ Brisante Dokumente sollen beweisen, dass Ex-VW-Boss Martin Winterkorn von den Diesel-Manipulationen weit früher wusste als bislang angenommen. Juristische Folgen könnten seinen Ruf nachhaltig schädigen.

27. September 2016, 05:00

Bereits Ende Juli des vergangenen Jahres soll der ehemalige VW-Boss Martin Winterkorn (69) über die Manipulationen an den Dieselmotoren informiert worden sein – sieben Wochen, bevor der grösste Skandal der Konzerngeschichte in den USA im September 2015 aufgeflogen ist.

Interne Dokumente, über die die Zeitung «Bild am Sonntag» (BamS) berichtete, sollen Winterkorns Mitwisserschaft belegen. Bislang betonte er stets, von der Schummel-Software in den Dieselfahrzeugen nichts gewusst zu haben. Gegenüber der Kanzlei ­Jones Day, die für VW die Affäre aufarbeitet, behauptete Winterkorn, er hätte «hart durchgegriffen», hätte er von den Rechtsverstössen gewusst.

Ermittlung gegen Winterkorn läuft

Die von der BamS publizierten Dokumente wurden von VW mit Verweis auf das laufende Verfahren in den USA nicht kommentiert. Die internen Papiere legen den Schluss nahe, dass der damalige VW-Boss im Gespräch mit zwei VW-Mitarbeitern zugestimmt habe, gegenüber den amerikanischen Behörden im Sommer 2015 nur die halbe Wahrheit zu sagen.

Wörtlich heisst es in den Dokumenten, die «Problematik» solle gegenüber den US-Behörden lediglich «teilweise» offengelegt werden. Diese «Vorgehensweise wurde am Dienstag, 28. Juli 2015, von Prof. Winterkorn bestätigt». Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Winterkorn die Vertuschung angeordnet oder gebilligt hatte, dürfte es für den Ex-Manager ungemütlich werden. Ermittelt wird gegen Winterkorn auch wegen des Anfangsverdachtes der Marktmanipulation bei Wertpapieren.

Druck auch auf Bosch gestiegen

Die Ermittler wollen prüfen, ob Volkswagen bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informiert hatte.

Mögliche juristische Konsequenzen könnten die Reputation des einstmals bestbezahlten Managers Deutschlands nachhaltig beschädigen. Nur widerwillig räumte der in der Nähe von Stuttgart geborene Topmanager Ende Oktober 2015 seinen Posten an der VW-Spitze. Er trete im Interesse des Unternehmens zurück, sagte er in seiner Abschiedsrede vor der Presse. «Obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin», fügte er hinzu.

Zu den aktuellen Vorwürfen wollte sich Winterkorn nicht äussern. Unter Druck geriet zuletzt auch Volkmar Denner, Konzernchef des Technologieriesen Bosch. Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gingen gegen den 59-jährigen Bosch-Chef mehrere Strafanzeigen ein.

Der Autozulieferer soll mit Wissen des Konzernbosses die Dieselaffäre bei VW aktiv unterstützt haben, lautet der Vorwurf. Auch in den USA wird Bosch schwer belastet. US-Kläger wollen beweisen, dass Bosch die Manipulationssoftware nicht bloss an VW ausgeliefert habe, sondern beim Einbau Software eine aktive Rolle gespielt habe.

Christoph Reichmuth/Berlinchristoph.reichmuth@luzernerzeitung.ch


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