Online-Portale für Krankenkassenprämien im Vergleich

GESUNDHEIT ⋅ Die Zahl der Vergleichsportale wächst, insbesondere für Krankenkassenprämien. Jede Plattform hat Vor- und Nachteile. Einige könnten aber wieder verschwinden. Experten sagen, wer sich durchsetzen wird.

25. Oktober 2016, 05:00

In diesen Tagen flattern sie wieder ins Haus: die neuen Krankenkassenprämien. Wie jedes Jahr werden sie höher als im Vorjahr sein und wie jedes Jahr wird man sich überlegen, die Krankenkasse zu wechseln. Bis Ende November haben Versicherte Zeit. Und der Wechsel lohnt sich in vielen Fällen: Je nach Franchise und Prämienregion kann man zum Beispiel im Kanton Luzern bis zu 150 Franken pro Monat sparen (Ausgabe vom 3. Oktober).

Bevor man aber die Krankenkassenprämien vergleicht, sollte man sich überlegen, über welche Online-Plattform der Vergleich angestellt werden sollte. Platzhirsch ist zwar Comparis mit einem Umsatz von über 10 Millionen Franken pro Jahr, doch in den letzten Jahren sind viele Konkurrenten entstanden, die durchaus Beachtung finden (siehe Tabelle). Wo führt dieser Wildwuchs hin? «In Zukunft dürfte eine Konsolidierung stattfinden, das heisst, dass einige Player vom Markt verschwinden werden», glaubt Manuel Nappo. Er ist Leiter des Center for Digital Business an der Hochschule für Wirtschaft Zürich und beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung von Online-Plattformen. «Es gibt derzeit einfach zu viele Anbieter, die meinen, es sei einfach, mit einer Vergleichsplattform Geld zu verdienen», sagt Nappo.

Smartie richtet sich neu aus

Vergleichsplattformen haben im Wesentlichen zwei Einnahmequellen. Sie kassieren von den Krankenkassen Gebühren für Offerten oder Provisionen für Vertragsabschlüsse, die über die Plattformen generiert werden. Andererseits verkaufen die grossen Plattformen auch Werbeplätze.

Felix Schneuwly, Head of Public Affairs bei Comparis, beobachtet die wachsende Konkurrenz mit Interesse: «Wettbewerb belebt das Geschäft.» Comparis bleibe aber nicht stehen und entwickle sich ständig weiter. «Die Tatsache, dass auf unserer Plattform pro Jahr vier Millionen Krankenkassenvergleiche gemacht werden, zeigt, dass wir einiges richtig machen», so Schneuwly. Einer der Comparis-Mitbewerber ist Smartie. Der Dienst startete erst vor einem Jahr, konnte sich aber nie durchsetzen. «Es hat sich gezeigt, dass relevante Marktanteile bei der herrschenden Wettbewerbsdichte nur sehr schwer zu erreichen sind. Die Rolle als Nischenplayer ist aber ökonomisch nicht interessant», bestätigt ein Firmensprecher. Smartie soll nun neu strukturiert und positioniert werden.

Ausdauernder zeigt sich Dschungelkompass. Der Luzerner Oliver Zadori hat sich in Sachen Handytarife bereits einen Namen gemacht. Diesen Herbst hat er auch mit Prämienvergleichen begonnen. Hier kann man neben fixen Franchisen auch die aktuellen Krankheitskosten eingeben. Danach berechnet die Webapplikation, mit welcher Franchise die Gesamtkosten am tiefsten sind. Zudem gibt Dschungelkompass an, wie stark die Prämie gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist.

Aufmerksamkeit um jeden Preis

Ein weiterer Anbieter ist Verivox. Mediensprecherin Sabine Östlund sagt, dass Verivox Schweiz die grösste Offertenauswahl bei der Krankenversicherung habe. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sei die kostenlose Beratung per Telefon oder Live-Chat an sieben Tagen pro Woche. Verivox Schweiz ist zwar einer der jüngsten Player im Schweizer Markt für Vergleichsplattformen, doch der Anbieter hat etwas, was die anderen Anbieter nicht haben: Viel Geld für Marketing. Verivox gehört dem deutschen Milliardenkonzern Pro7Sat1.

Dass Geld beziehungsweise Mittel für das Marketing entscheidend sein können, glaubt auch Schneuwly von Comparis: «Wir sind ein inhabergeführtes KMU. Wenn nun etwa Google beschliessen sollte, in den Schweizer Markt für Krankenkassenvergleiche einzusteigen, hätten nicht nur wir, sondern alle anderen Player ein Problem.» Letztlich bringe aber auch das beste Marketing nichts, wenn die Plattform dem Konsumenten nichts bringe. Dem pflichtet Digitalexperte Nappo bei. «Wenn zum Beispiel Prämien fehlen, ist das für das Vertrauen in eine Plattform fatal.» Nappo glaubt, dass der Schweizer Markt höchstens für fünf seriöse Anbieter gross genug ist. «Durchsetzen wird sich jene Plattform, die am meisten in Marketing investiert und in den Köpfen der Leute ist.» Essenziell sei zudem, dass die Plattformen auf mobilen Geräten sinnvoll funktionieren. Sprich: Portale mit einer eigenen Smartphone-App oder einer für mobile Geräte optimierten Website dürften im Rennen die Nase vorne haben.

Geld ist nicht alles

Doch nicht alle Vergleichsplattformen sind darauf aus, Geld zu verdienen. Der Versicherungsmathematiker Ansgar John hat 2011 die Vergleichsplattform Swupp gestartet. Hier können Nutzer ganz ohne Offerte Antrags- und Kündigungsschreiben drucken. «Offerten sind wegen der Aufnahmepflicht in der Grundversicherung gar nicht nötig», sagt Ansgar John. Anderen Vergleichsportalen gehe es damit wahrscheinlich nur darum, Provisionen abzukassieren. Bislang habe er mit Swupp deshalb keinen Rappen verdient, sagt John. Zum kosten­deckenden Betrieb von Swupp benötigt er 40 000 Franken pro Jahr. Diesen Betrag will er durch Spenden und Sponsoring decken.

Ebenfalls keine kommerziellen Ziele verfolgt die Plattform Priminfo, die vom Bundesamt für Gesundheit betrieben wird. Während kommerzielle Plattformen oft auch Werbung verkaufen, welche den Nutzer bei der Entscheidungsfindung beeinflussen kann, findet man bei Priminfo keine. Allerdings findet man auch keine Angaben zur Kundenzufriedenheit der Kassen und auch keine direkten Links. Die Plattform sei qualitativ gut, anerkennen die Mitbewerber. «Man kann sich allerdings die Frage stellen, ob es Aufgabe des Staates ist, in diesen Markt einzugreifen», sagt Felix Schneuwly von Comparis.

Maurizio Minetti


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: