Windpark nach Brand für Wochen vom Netz

BRANDSTIFTUNG ⋅ Nach der mutmasslichen Brandstiftung im Windpark in St. Brais JU ist die Anlage mehrere Wochen ausser Betrieb. Beim Brand wurde die elektrische Schaltanlage zerstört, wie der VR-Präsident der ADEV-Gruppe, Eric Nussbaumer, der Nachrichtenagentur sda auf Anfrage sagte.

Aktualisiert: 
15.10.2016, 17:48
15. Oktober 2016, 12:37

Über die Schaltanlage wird der von den beiden Windturbinen produzierte Strom ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Anlage müsse ersetzt werden, sagte Nussbaumer weiter. Die Instandsetzung werde vermutlich mehrere Wochen dauern. Der erste Strom werde frühestens in zwei Wochen fliessen.

Den Sachschaden schätzt Nussbaumer auf mehrere 10'000 Franken. Die Polizei geht davon aus, dass Unbekannte das Feuer absichtlich gelegt haben.

Neue Dimension der Auseinandersetzung

Die Vorkommnisse in St. Brais seien ungewöhnlich, sagte SP-Nationalrat Nussbaumer. "Es ist sicher nicht einfach ein Vandalenakt. Diese mutmassliche Brandstiftung hat eine Dimension, die wir in unserem Land so nicht kennen. Auch wenn man politisch anderer Meinung ist, Gewalt ist nie akzeptabel."

Das Feuer brach am Freitagabend kurz nach 20.30 Uhr aus - und zwar gleich an zwei Stellen. Eines der beiden Feuer ging von selbst wieder aus. Das zweite, jenes in der Schaltanlage, konnten die herbeigeeilten 15 Feuerwehrleute rasch löschen, wie die Kantonspolizei Jura am Samstag mitteilte.

Tür aufgebrochen

Die Ermittlungen ergaben, dass die Türe zur Schaltanlage aufgebrochen worden war. Das zweite, kleinere Feuer war im Eingangsbereich eines der beiden Windräder der Anlage ausgebrochen.

Gemäss Nussbaumer hatten der oder die unbekannten Täter auch versucht, die Stahltür des Windrades aufzubrechen. Sie stemmten das Lüftungsgitter der Stahltür auf und warfen etwas Brennbares durch die Tür in den Eingangsbereich des Pfeilers des Windrades. Da das Feuer aber rasch wieder ausging, richteten sie kaum Schaden an. Die Pfeiler solcher Windräder sind aus Stahl, wie Nussbaumer erklärte.

Nussbaumer berief sich bei seinen Ausführungen auf Angaben von Mitarbeitern der ADEV in St. Brais, die vor Ort des Geschehens waren. SP-Nationalrat Nussbaumer ist Verwaltungsratspräsident der ADEV-Gruppe, die mit Bürgerbeteiligungen Projekte für erneuerbare Energien verwirklicht.

Strom für die Stadt Zürich

Der Windpark von St. Brais ging 2009 in Betrieb und produziert seitdem Windstrom für das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz). Insgesamt stehen in St. Brais in den jurassischen Freibergen zwei Windkraftanlagen.

Deren Rotorblätter haben nach Angaben der Betreiberin einen Durchmesser von jeweils 82 Metern und eine Nabenhöhe von 78 Metern. Der Windpark ist der älteste im Kanton Jura. Er ist nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, die Windräder seien zu nahe an ein Wohngebiet gebaut worden. (sda)


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