Notenbankchefin Yellen bleibt skeptisch

USA ⋅ Die amerikanische Notenbank erhöht den Leitzins um einen Viertelpunkt. Fed-Chefin Janet Yellen gibt sich aber zurückhaltend, was die Erfolgschancen von Präsident Trumps Wirtschaftsreformen angeht.

16. März 2017, 07:56

Renzo Ruf, Washington

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Janet Yellen mag nicht spekulieren. Die Chefin der amerikanischen Notenbank weigerte sich am Dienstag während einer Pressekonferenz, über die Auswirkungen der geplanten Wirtschaftsreformen von Präsident Donald Trump auf die amerikanische Konjunktur zu grübeln – obwohl das Weisse Haus einen grundlegenden Umbau der Wirtschaft angekündigt hat, eine ­Reform der komplexen Steuergesetzgebung inklusive. «Wir haben noch keine Strategie entworfen», sagte Yellen stattdessen. Denn letztlich sei weder «die Grösse» noch «der Charakter» dieser Reformen in Details bekannt. Hinzu komme, dass eine Steuerreform nur «ein Faktor unter vielen» bei der Beurteilung der Wirtschaftslage sei.

Deshalb hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses, des geldpolitischen Gremiums der Federal Reserve, darauf verzichtet, eine längere Diskussion über Präsident Trump zu führen. Natürlich nähmen die Währungshüter aber zur Kenntnis, dass sich im Land ein gewisser Optimismus breitgemacht habe, sagte Yellen – obwohl sich dieser wirtschaftspolitische Enthusiasmus nicht unbedingt bereits positiv auf die Konjunktur ausgewirkt habe. Basierend auf anekdotischen Erzählungen jedenfalls warteten viele Unternehmen noch mit Investitionsentscheidungen zu, sagte sie.

Prognosen sollen nicht missverstanden werden

Im Klartext heisst das: Fed-Chefin Yellen und ihre Kollegen bleiben skeptisch und rechnen nicht damit, dass die amerikanische Konjunktur einen Gang höherschalten wird. Diese Skepsis schlägt sich zum Beispiel in den Prognosen der Fed-Ökonomen nieder. Im Mittelwert rechnen sie mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils 2,1 Prozent in den Jahren 2017 und 2018. Im Jahr 2019, nach zwei Jahren Präsident Trump, werde die Konjunktur gar nur noch um 1,9 Prozent zulegen.

Auch bei der Arbeitslosenrate prognostizieren die Fed-Experten keinen massiven Rückgang. Im Jahr 2019 wird die offizielle Quote deshalb 4,5 Prozent betragen, 0,2 Punkte weniger als im Monat Februar des laufenden Jahres. Yellen betonte, dass diese nüchternen Prognosen nicht missverstanden werden sollten: Daraus lasse sich nicht schliessen, dass die Federal Reserve den Versprechungen von Präsident Trump keinen Glauben schenke. Sie habe bereits «mehrere Male» mit dem neuen Finanzminister Steve Mnuchin gesprochen, wie es dies der Tradition entspreche, sagte Yellen. Diese Gespräche, die sich um die Wirtschaftslage und die Bankenaufsicht gedreht hätten, seien «sehr gut» gewesen. Auch mit dem Präsidenten habe sie sich, wenn auch nur ganz kurz, ausgetauscht.

Grundsätzlich, sagte die Fed-Chefin, wären die Währungshüter glücklich, wenn die Konjunktur jährlich um 3 Prozent oder mehr zulegen würde, so wie es sich die Regierung zum Ziel gesetzt habe. Die Notenbank stehe wirtschaftsfreundlichen Reformen grundsätzlich immer «sehr positiv» gegenüber. Die Federal Reserve stelle sich aber auf den Standpunkt, dass «wir genügend Zeit haben», sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen – wenn diese den notwendigen politischen Prozess absolviert hätten. Bis dann gelte die «simple» Parole: «Der amerikanischen Wirtschaft geht es gut.»

Entscheid fiel mit einer Gegenstimme

Aus diesem Grund entschied der Offenmarktausschuss am Mittwoch, nach einer zwei Tage dauernden Sitzung, den Leitzinssatz um ein Viertelprozent auf 0,75 Prozent bis 1 Prozent zu erhöhen. Dabei handelt es sich um die nunmehr dritte Zinserhöhung seit der Finanzkrise vor einer Dekade. Ausserdem deutete Yellen an, dass die Federal Reserve im laufenden Jahr noch zweimal an der Zinsschraube drehen werde. Damit vollzog die Notenbank mehr oder weniger, was der Markt vorausgesagt hatte. Die Aktienbörsen reagierten deshalb äusserst positiv auf die Ankündigung, während der Dollar recht stark an Wert verlor und zumindest kurze Zeit über fast wieder Parität zwischen der US-Währung und dem Schweizer Franken herrschte. Dann machte der Dollar wieder Boden gut.

Der Entscheid des Offenmarktausschusses fiel mit einer Gegenstimme. Der neue Präsident der Fed-Zweigstelle in Minneapolis, der Republikaner Neel Kashkari, sprach sich gegen eine weitere Zinserhöhung aus. Eine Begründung für diese überraschende Gegenstimme blieb vorerst aus.


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