Zurück zum Kerngeschäft

KLEIDERHANDEL CHICORÉE ⋅ Nach diversen Filialschliessungen will Chicorée dieses Jahr wieder neue Standorte eröffnen. Aus dem Schuhgeschäft hat sich die Handelskette verabschiedet.

15. März 2017, 07:55

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Vor vier Jahren eröffnete der Kleider- und Accessoireshändler Chicorée seinen ersten Schuhladen im zürcherischen Dietikon. «In den nächsten drei bis fünf Jahren rechnen wir mit bis zu 50 Filialen», gab sich damals Chicorée-Gründer Jörg Weber in der «Schweiz am Sonntag» zuversichtlich. Bis Ende 2013 hatte Chicorée schweizweit sechs Schuh­filialen eröffnet. Mit tiefen Preisen wollte man der Konkurrenz das Fürchten lehren. Alteingesessene Händler wie ­Dosenbach oder Vögele waren gewarnt.

Die Realität war dann aber eine andere. Das Geschäft mit den Schuhen harzt nämlich gewaltig. Bata, Pasito-Fricker und viele kleinere Schuhläden mussten letztes Jahr Dutzende Filialen schliessen. Der Schuhumsatz der Schweizer Detailhändler ist stark rückläufig. Schuhe werden vermehrt online bei Zalando oder gleich im Ausland gekauft.

Nische im unteren Preissegment

Nun zieht auch Chicorée die Reissleine. Jörg Webers Sohn Pascal, der das Schuhgeschäft in den letzten Jahren aufgebaut hat, sagt auf Anfrage: «Der Schuhhandel und der Textilhandel haben ihre ganz eigenen Marktgesetze. Dies haben wir ganz klar unterschätzt.» Es habe sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der Schuhmarkt bereits sehr stark umkämpft sei. «Viele erfolgreiche Schuhhändler sind international aufgestellt und haben jahrelange Erfahrungen», sagt Weber.

Darum habe Chicorée entschieden, sich ganz aus dem Schuhgeschäft zurückzuziehen. Ebenfalls aufgegeben hat Chicorée das Konzept «Famous»: Diese 2010 gegründete Filialkette sollte sich auf eine «sehr modische junge Zielgruppe» fokussieren und sich vom Chicorée-Konzept klar unterscheiden. «Leider ist es uns nicht gelungen, dieses Konzept genug stark zu etablieren; es konnte sich nicht ausreichend vom Hauptbrand Chicorée abheben», räumt Weber ein, der bei Chicorée auch die Marketingabteilung leitet.

Die Konsequenz ist, dass sowohl Chicorée Famous als auch Chicorée Shoes nicht mehr weitergeführt werden. 13 Standorte musste die Firma deshalb letztes Jahr schliessen. Die entsprechenden Filialen wurden grösstenteils in das herkömmliche Chicorée-Konzept umgewandelt.

Grundsätzlich ist Chicorée aber weniger betroffen von den Herausforderungen, welche den Detailhandel umtreiben: Weil die Kleider im tiefsten Preissegment angesiedelt sind, hat sich Chicorée eine Nische erschlossen, die von grossen Online-Händlern kaum beackert wird. Letztes Jahr setzte der Händler 131 Millionen Franken um. 2015 waren es zwar noch 142 Millionen gewesen. Doch bei vergleichbarer Verkaufsfläche bliebt der Umsatz ungefähr auf der Höhe des Vorjahres – das ist besser als der Markttrend.

Trotzdem musste auch Chicorée in den letzten Jahren Federn lassen. Beschäftigte der Händler 2013 noch 850 Mitarbeiter, sind es ­aktuell 750. Vor vier Jahren träumte Firmengründer Jörg ­Weber von der 200. Filiale. Heute betreibt der Händler schweizweit 152 Standorte. Die Konsolidierungsphase sei nun aber abgeschlossen: «Wir haben uns wieder auf unser Kerngeschäft im Textilhandel fokussiert», sagt Pascal Weber. Dieses Jahr seien wieder fünf bis zehn Neueröffnungen geplant. So wurde zu Beginn des Jahres in Payerne ein neuer Standort eröffnet. Auch in der Innerschweiz seien weitere Filialen geplant (siehe Box).

«Daneben werden wir Mitte 2017 schweizweit ein Kundenbindungssystem einführen», kündigt Weber an, ohne aber Einzelheiten zu verraten.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: