Kopf des Tages

Apple-«Raumschiff» öffnet die Türen

CUPERTINO ⋅ Architekt Norman Foster hat schon einige markante Gebäude entworfen, darunter auch den neuen Apple-Hauptsitz. Dort wird heute das neue iPhone enthüllt.
12. September 2017, 07:13

Federico Gagliano

Es war Steve Jobs’ letztes Projekt: der neue Apple-Park, ein Gebäudekomplex in Ringform und Apples neues Hauptquartier. Die Arbeiten dauern zwar noch bis Ende Jahr, trotzdem starteten im April erste Mitarbeiter auf ihrem neuen Campus in Cupertino, Kalifornien. Der Presse wurde der Eintritt verwehrt – bis heute. Im unterirdischen Auditorium des Parks, dem Steve-Jobs-Theater, wird heute Abend das neue iPhone 8 enthüllt werden. Doch das Gebäude selbst gibt bereits viel zu reden.

Hinter der Realisierung von Jobs’ Projekt steht vor allem ein Mann: der britische Architekt und Lord Norman Foster. Er wurde bereits 2009 von Jobs kontaktiert und kurz darauf nach Kalifornien eingeflogen. «Steve hatte eine sehr klare Vision, was das Projekt werden sollte», sagte der 82-Jährige an einer Konferenz in New York vergangenen Juni. «Er liebte Glas und Stein. Und er hasste Klimaanlagen», erinnerte sich Foster.

Nach Jobs Tod 2011 sorgte Foster zusammen mit dem aktuellen Apple-Chef Tim Cook und Apple-Chefdesigner Jony Ive dafür, dass das Monsterprojekt Realität wurde. Der 2,8 Millionen Quadratmeter grosse Ring wurde innerhalb der letzten drei Jahre gebaut und bietet Platz für 13 000 Mitarbeiter. Geschätzter Kostenpunkt: rund 5 Milliarden US-Dollar.

Für den erfahrenen Stararchitekten, dem Berlin die Kuppel auf dem Reichstagsgebäude, Barcelona die Erneuerung des Fussballstadions Camp Nou und London sowohl sein Rathaus als auch ihren gurken­förmigen Swiss-Re-Tower (genannt Gherkin) zu verdanken hat, war Apples Projekt eine neue Herausforderung. «So etwas wurde noch nie zuvor versucht», sagt Foster.

Apple-«Raumschiff», wie der Komplex inzwischen genannt wird, ist ein vierstöckiger Ring mit grossen Glasfassaden rundherum. Deren gebogene Glasscheiben gehören zu den grössten, die je hergestellt worden sind. Um Jobs’ Wunsch nachzukommen, wurde die Belüftung durch Klimaanlagen auf ein Minimum reduziert. Stattdessen wird direkt Luft von aussen in alle Stockwerke gepumpt. Der Apple-Park ist von Natur umgeben: 3000 Bäume wurden um den Hügel gepflanzt, auf dem sich der Ring befindet. Ein Hügel, der vorher ebenfalls nicht dort war, sondern für das Projekt aufgeschüttet wurde. Foster, der sich schon seit den 1980er-Jahren für umweltfreundliche Gebäude einsetzt, ist stolz darauf, dass der Apple- Park zu 100 Prozent CO2- neutral ist. Nur etwas bereut er: Die 11 000 Parkplätze. «Autos werden in 15 Jahren obsolet sein», glaubt Foster.


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