Asiaten buchen wieder fleissiger

TOURISMUS ⋅ Die Schweizer Hoteliers können aufatmen: Die Zahl der Logiernächte stieg im ersten halben Jahr um 4,4 Prozent an. In Luzern konnten sie die Zimmer etwas teurer verkaufen.
07. August 2017, 20:37

Rainer Rickenbach

Es war ein recht gutes erstes Halbjahr für die Schweizer Tourismusbranche. Der wichtigste Gradmesser für ihre Befindlichkeit, die Anzahl Hotelübernachtungen, kletterte mit einem Plus von 4,4 Prozent so stark nach oben wie seit ein paar Jahren nicht mehr (siehe Box).

In der Zentralschweiz legten die Logiernächte im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2016 um 2,1 Prozent zu, in der Stadt Luzern um 5,6 Prozent. «Wir sind sehr zufrieden. Auch für die zweite Jahreshälfte ist der Buchungsstand in den Hotels etwas besser als vor einem Jahr. Ende August eröffnet zudem das Bürgenstock-Resort, es wird für neue Impulse sorgen», sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren.

Reisende aus Asien sind öfter individuell unterwegs

Marcel Perren stellt fest, dass die Gäste aus Asien vermehrt individuell in Europa unterwegs sind. «Ein wachsender Teil von ihnen reist in kleinen Gruppen, meist im Familienverband. Sie bleiben länger hier und nutzen auch mehr Angebote», weiss Perren. SGV-Direktor Stefan Schulthess bestätigt diesen Trend. «Bereits im vergangenen Jahr hatten wir mehr asiatische Kleingruppen auf unseren Schiffen. Diese Tendenz setzt sich in diesem Jahr fort», sagt Schulthess. Das Schifffahrtsunternehmen rechnet ebenfalls mit einem guten Jahr. «Mehr asiatische Gäste, recht gutes Wetter bis jetzt und unser neues Motorschiff Diamant dürften gute Jahreszahlen mit sich bringen», erklärt Schulthess.

Ins Bild passt die Entwicklung der Hotelzimmerpreise, die STR Global Limited’s Hotel Review ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg in der Stadt Luzern der durchschnittliche Hotelzimmerpreis in der Zeit von Januar bis Juni um 2 Prozent auf etwas mehr als 165 Franken. Damit liegt Luzern beim Übernachtungspreis zwar immer noch deutlich hinter anderen Schweizer Städten wie Genf (261 Franken) oder Zürich (206 Franken), wo mehr Geschäftsreisende und weniger Gruppengäste absteigen. Aussagekräftiger ist darum der Vergleich mit Interlaken: In der Tourismushochburg des Berner Oberlandes liegt der durchschnittliche Übernachtungspreis mit 155 Franken tiefer als in Luzern. Der Erlös pro verfügbares Zimmer (RevPAR) lag in Luzern im zurückliegenden Jahr mit 4,4 Prozent über dem westeuropäischen Mittelwert. Er gibt in der Hotelbranche Aufschluss darüber, wie profitabel die Häuser arbeiten, und lässt auch Vergleiche von unterschiedlich grossen Hotels zu. Interlaken weist dort gemäss STR einen deutlich besseren Wert als Luzern aus. Genf ist auf Augenhöhe mit Luzern – und Zürich mit der starken Zunahme an Hotelkapazitäten bewegt sich im Negativbereich.

Bei den Herkunftsländern der Hotelgäste stachen im ersten halben Jahr in erster Linie die Reisenden aus Indien hervor (Grafik). Die Zahl ihrer Hotelübernachtungen nahm in der Region um gut einen Fünftel zu, in der Stadt Luzern sogar um einen Viertel. «Mit Filmstar Ranveer Singh haben wir einen prominenten Botschafter für Luzern auf dem Indischen Subkontinent. Seine Werbevideos finden in den sozialen Netzen viel Beachtung. Sie sprachen ein jüngeres Publikum an, das vorwiegend individuell reist», erklärt Perren.

Nach dem Einbruch im ersten halben Jahr 2016 steigt die Zahl der chinesischen Gäste heuer wieder. «Zwar nicht mehr in zweistelligen Raten, aber auf hohem Niveau», wie Perren anfügt. Die grösste ausländische Gästegruppe nach den Chinesen stellen die US-Amerikaner, während die europäischen Besucherinnen und Besucher nach einer langen Phase mit rückläufigen Logiernächten stagnieren. Vor allem die deutschen Gäste bleiben weg. «Zwar hat sich das Verhältnis zwischen Euro und Franken deutlich entspannt. Doch es dürfte noch lange dauern, bis diese Botschaft in den Köpfen ankommt», sagt SGV-Direktor Schulthess.


Leserkommentare

Anzeige: