Kahlschlag im Bündner Poststellennetz

POSTSTELLENNETZ ⋅ In Graubünden werden bis zu 23 der 55 Poststellen geschlossen. Laut der Post gehen rund zwei Dutzend Vollzeitstellen verloren. Das Unternehmen garantiert bis mindestens 2020 den Weiterbestand von 32 Poststellen.
Aktualisiert: 
17.05.2017, 16:45
17. Mai 2017, 14:43

Drei Poststellen werden demnächst geschlossen. Der Weiterbestand der restlichen 20 Poststellen ist "nicht garantiert", wie die Schweizerische Post am Mittwoch mitteilte. Die Zukunft der 20 nicht garantierten Poststellen will das Unternehmen "in einer sorgfältigen Einzelfallüberprüfung" angehen. Angestrebt wird "die beste postalische Versorgung mit einem Mix von Zugangspunkten".

Von diesen 20 nicht garantierten Poststellen werde wohl "ein kleiner Teil" nicht geschlossen werden, sagte Thomas Baur, Konzernleitungsmitglied der Post, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Der Leiter Poststellen geht davon aus, dass in Graubünden etwa 23 Vollzeitstellen verloren gehen werden und zwar durch Postschliessungen.

Ersatzlose Schliessungen will die Post vermeiden. Im Vordergrund steht die Einrichtung von Partnerfilialen in Geschäften von Handel und Gewerbe. Das Modell ist auch als "Postagentur" bekannt.

Zudem will die Post in Graubünden bis zu zehn neue sogenannte Zugangsmöglichkeiten schaffen. Es handelt sich um Geschäftskundenstellen, Aufgabe- und Abholstellen für Postsendungen sowie um Automaten für Paketsendungen.

Gewerkschaft rechnet mit Kahlschlag

Die Gewerkschaft für Medien und Kommunikation Syndicom geht davon aus, dass die 20 nicht garantierten Poststellen alle geschlossen werden. "Wir kennen keinen einzigen Fall, in dem eine zu überprüfende Poststelle nicht geschlossen worden wäre", sagte Roland Lamprecht, Zentralsekretär der Syndicom, auf Anfrage.

Diese Überprüfungen nehme die Post aufgrund gesetzlicher Vorgaben vor, nachdem intern der Schliessungsentscheid schon gefallen sei. Es handle sich lediglich um Gespräche mit Gemeinden. Diese hätten noch nie eine Poststellenschliessung verhindert und seien eine Farce, so Zentralsekretär Lamprecht. Syndicom rechnet damit, dass in Graubünden nun bis zu 80 Arbeitsplätze verschwinden werden.

Bündner Volkswirtschaftsdirektor ist "überrascht"

"Wenn die Post von einer Überprüfung in jedem Einzelfall spricht, dann erwartet die Bündner Regierung, dass es tatsächlich eine Überprüfung gibt", sagte der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Jon Domenic Parolini auf Anfrage. "Überprüfen" dürfe auf keinen Fall gleichbedeutend mit "Schliessen" sein.

Die Bündner Regierung habe in den letzten Monaten bei der Post interveniert und ihre Forderungen vorgebracht. Die zentrale Forderung laute, dass die Qualität des postalischen Service public auch in den Randregionen des Kantons aufrechterhalten werde - wenn möglich mit Poststellen.

Über die hohe Anzahl an Poststellen, die nun überprüft werden, ist der Volkswirtschaftsdirektor "überrascht". Immerhin habe die Post zugesichert, ihre Leistungen dort zu verbessern, wo keine Poststelle mehr existiere.

Keine Salami-Taktik

Erst am Dienstag dieser Woche teilte die Post mit, voraussichtlich drei der acht Glarner Poststellen durch Partnerfilialen zu ersetzen. In Nidwalden stehen zwei von sechs Poststellen vermutlich vor dem Aus.

Es handle sich nicht um eine Salamitaktik der Post, über Filialschliessungen häppchenweise Kanton um Kanton zu informieren, verteidigte Thomas Baur von der Post-Konzernleitung die Kommunikationsstrategie des Unternehmens.

Das Informationsbedürfnis bei Mitarbeitern und Kunden von bedrohten Poststellen sei gross. Man informiere, sobald die Entscheide vorlägen. Bauer kündigte an, am 20. Juni die Pläne für die Postfilialen des ganzen Landes zu präsentieren. (sda)

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