Banker im Fifa-Skandal verurteilt

BERN ⋅ Die Bundesanwaltschaft hat ein erstes Strafverfahren abgeschlossen. Der Verurteilte ist ein früherer Bankmitarbeiter, der Schmiergeldzahlungen abgewickelt hat. Das Urteil ist rechtskräftig.
17. Juni 2017, 04:39

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Erinnerung an die Bilder ist noch nicht verblasst. In einer Aufsehen erregenden Aktion nahmen Kantonspolizisten Ende Mai 2015 mehrere hochrangige Fussballfunktionäre im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac fest. Um die Welt ging das Foto, auf dem Hotelangestellte ein Leintuch in die Höhe stemmen, damit offenbar vorab informierte US-Journalisten die Verhafteten nicht ablichten konnten.

Die Verhaftungen zur frühen Morgenstunde bildeten den Auftakt zum «Fussball-Untersuchungskomplex», wie die Bundesanwaltschaft das Verfahren bezeichnet. Der Inhalt: Delegierte des Weltfussballverbandes Fifa und andere Funktionäre von Fifa-Unterorganisationen sollen in Schmiergeldzahlungen in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein. Diese Machenschaften bilden einen Teil des Untersuchungskomplexes. Ausgelöst wurde die Untersuchung von einer Abteilung des US-Justizministeriums.

Argentinischer Firmenchef zahlte Schmiergelder

Nun hat die Bundesanwaltschaft ein erstes Strafverfahren abgeschlossen. Es richtete sich indes nicht gegen einen Fifa-Funktionär, sondern gegen einen ehemaligen Mitarbeiter einer Schweizer Bank. Er wurde wegen Urkundenfälschung und des Verstosses gegen die im Geldwäschereigesetz enthaltene Meldepflicht verurteilt. Die Zahlungen von insgesamt 650'000 US-Dollar, die er laut Bundesanwaltschaft «verbrecherisch erlangt» hat, werden zuhanden des Schweizer Fiskus eingezogen. Die Bundesanwaltschaft hat gegen den Mann eine bedingte Geldstrafe von 30'000 Franken und 8000 Franken Busse ausgesprochen. Der Strafbefehl ist gemäss André Marty, dem Informationschef der Bundesanwaltschaft, rechtskräftig.

Der ehemalige Banker hat von 2010 bis 2015 bei zwei Schweizer Banken Konten verwaltet. Diese sind nach Darstellung des US-Justizministeriums vom Chef einer Sportmarketingfirma in Argentinien kontrolliert worden. Über sie sollen Bestechungsgelder an mehrere Fussballfunktionäre geflossen sein. Der 56-jährige Argentinier steht zurzeit in den USA vor Gericht. Der verurteilte Schweizer sagt dort ebenfalls aus und hat ein Schuldgeständnis abgelegt.

Untersuchungen in der Schweiz und den USA

Die beim Ex-Banker eingezogenen 650'000 Dollar entsprechen dem Schweizer Teil des Verfahrens. In den USA erfasste Straftatbestände werden in der Schweiz nicht weiterverfolgt, um eine doppelte Bestrafung zu vermeiden. Im «Fussball-Untersuchungskomplex» ermitteln die Schweizer Strafverfolger und die Justiz in den USA seit etwa zwei Jahren. Sie führen zwei voneinander unabhängige Verfahren.

Bisher sind bei der schweizerischen Meldestelle für Geldwäscherei 178 Verdachtsmeldungen eingegangen. Die Bundesanwaltschaft führt aktuell 25 Strafverfahren. Darunter sind auch Verfahren gegen den früheren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter und den ehemaligen Generalsekretär Jérôme Valcke sowie Untersuchungen zur Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften im Jahr 2006 in Deutschland. Diese Verfahren sind gemäss André Marty noch im Gang.


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