Europa Forum Luzern: Viel Optimismus verbreitet

KKL ⋅ China, Trump, Brexit – drei Themen standen am Europa-Forum im Zentrum. Die hochkarätigen Referenten sprachen dazu vor allem von Chancen für die Schweiz.
Aktualisiert: 
15.05.2017, 22:00
15. Mai 2017, 20:13

Ernst Meier

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«The New Global Race», das neue globale Wettrennen. Dazu diskutierten Referenten aus Politik, Wirtschaft und den Medien am Montag am Europa-Forum im KKL. Das Symposium vom Nachmittag widmete sich den weltweiten Entwicklungen und wie sich diese auf die Wirtschaft, die Unternehmen und die Politik Europas auswirken.

Überraschend verbreiteten alle Referenten trotz den immer wieder zitierten «unsicheren Zeiten» Optimismus. Martin Naville, Chef der Handelskammer Schweiz–USA, meinte: «Donald Trumps Motto ‹America first› darf nicht überbewertet werden.» Die Schweiz sei ein wichtiger und zuverlässiger Handelspartner für Amerika. «Viele hiesige Unternehmen produzieren in den USA», erklärte Naville. Nestlé, Roche oder ABB gelten so als «US-Firmen», die Trumps Protektionismus-Drohungen nicht zu befürchten hätten. Die USA böten Schweizer Firmen noch viel Potenzial, denn diese hätten mit ihren Produkten und Dienstleistungen in vielen Branchen Wettbewerbsvorteile.

Der Pulitzerpreisträger Steven Erlanger, Journalist bei «The New York Times», erklärte das «Phänomen Donald Trump». Er nehme es nicht immer genau mit der Wahrheit, sagte er: «Trump will einfach immer gewinnen.» So sei er als Unternehmer gewesen, so funktioniere er auch als Politiker. Man müsse Trump die Sachlage und deren Vorteil für Amerika genau erklären, dann komme es schon gut, sagte der Journalist. «Eine Schlüsselposition nimmt dabei Trump-Tochter und Beraterin Ivanka ein. Sie ist die Donald-Flüsterin.» Das Freihandelsabkommen TTIP sieht Erlanger nicht als gescheitert. «Wenn es durchkommt, wird es aber wohl Trump-Trade-Agreement heissen.»

Zeno Staub, CEO der Bank Vontobel, zeigte sich wenig besorgt wegen des Brexit. London würde ein attraktiver Finanzplatz bleiben, sofern die Regierung May geschickt agiere, glaubt er. 

Schweizer Firmen profitieren von China

Viel Zeit wurde am Forum China gewidmet. Das Land werde bis in zehn Jahren zur grössten Volkswirtschaft heranwachsen, ist Holger Demuth, Finanzchef der China Construction Bank in Zürich, überzeugt. Demuth: «Von einer Öffnung der chinesischen Währung und einer wachsenden Mittelschicht profitiert die Schweiz überdurchschnittlich.»

Auch Klaus Lorenz, General Manager beim Technologiekonzern Heberlein, schwärmte von China. Heberlein aus Wattwil SG gehört seit ein paar Jahren zur chinesischen Jinsheng-Gruppe. Durch die Übernahme sei der Marktzutritt im Land mit 1,3 Milliarden Menschen vereinfacht worden, sagte Lorenz. Heberlein gelte in China sowohl als Schweizer als auch als chinesische Firma. «Das erleichtert den Umgang mit den Behörden und den Verkauf unserer Produkte.»

Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella unterstrich mit seinem Auftritt am Forum, dass er nach seiner Zeit im «Exil» wieder in der Schweiz und der Öffentlichkeit zurück ist. Vasella ist heute als Berater und Verwaltungsrat, etwa bei Pepsi, tätig. «Ich wohne wieder in der Schweiz, weil es mir hier am besten gefällt», sagte er.

Bis auf den letzten Platz besetzt war der Saal am Abend, als Bundesrat Alain Berset an der öffentlichen Veranstaltung sprach. Reformfähigkeit sei eine gute Antwort auf die Identitätskrise, die alle westlichen Länder gegenwärtig durchleiden, sagte Berset. Er rief dazu auf, reformfähig und beweglich zu bleiben. Dies helfe, die Unsicherheit einzudämmen. Der SP-Bundesrat warb auch für das Projekt Altersvorsorge 2020, das im Herbst zur Abstimmung gelangt, denn: «Bei der Altersvorsorge herrscht seit rund zwanzig Jahren Reformstau.» 


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