Brack steigt ins Lebensmittel-Business ein

WILLISAU ⋅ Der Onlinehändler wagt den Schritt in ein neues Segment und will künftig auch haltbare Lebensmittel anbieten. Derweil steht Amazon vor der Türe.
08. November 2017, 05:00

Maurizio Minetti

Roland Bracks aargauisch-luzernische Competec-Gruppe plant den nächsten grossen Coup: Der stark wachsende Onlinehändler (siehe Box) will demnächst auch Lebensmittel ins Sortiment aufnehmen. Dies bestätigt Mediensprecher Daniel Rei auf Anfrage unserer Zeitung: «Es ist korrekt. Brack.ch baut derzeit eine Produktkategorie Lebensmittel auf.» Seit Montag arbeitet eine Produktmanagerin bei Brack.ch, die sich um den neuen Food-Bereich kümmert. Sie verfügt gemäss Rei über mehr als zehn Jahre Managementerfahrung in der Lebensmittelbranche. Ein weiterer Produktmanager für den neuen Bereich werde derzeit noch gesucht.

Der Competec-Sprecher betont, dass man nur haltbare Lebensmittel ins Sortiment aufnehmen werde, also keine Ware, die gekühlt oder tiefgekühlt werden müsse. Gemeint sind damit zum Beispiel Teigwaren oder Dosen, Müesli, Getränke oder etwa auch Schokolade. Welche Lebensmittel Brack.ch ins Sortiment aufnehmen wird, steht allerdings noch nicht fest. Die Lancierung ist für das nächste Jahr vorgesehen.

Sortiment wurde stetig ausgebaut

Über einen Einstieg ins Lebensmittel-Geschäft von Roland Bracks Handelsgruppe wurde in den letzten Jahren immer wieder spekuliert. Der Onlinehändler konzentrierte sich seit der Gründung in den Neunzigerjahren zwar auf Elektronik, mittlerweile ist das Sortiment aber viel breiter: Babyartikel, Waschmaschinen, Spielsachen, Hygieneartikel oder Musikinstrumente – fast alles, was zum Non-Food-Bereich gehört, findet man heute im riesigen Lager in Willisau.

In den letzten Jahren hat die Handelsgruppe gezielt das Sortiment sogenannt «schnelldrehender Konsumgüter» ausgebaut. Das Stichwort lautet FMCG (Fast-moving consumer goods). Gemeint sind damit Güter des täglichen Bedarfs wie eben Nahrungsmittel, aber auch Körperpflegeprodukte oder Reinigungsmittel. Aus der Sicht von Com­petec ist der Einstieg in den Lebensmittel-Bereich deshalb nur logisch. Nachdem Brack.ch bereits die Sortimente Kaffee und Tee (seit rund zehn Jahren), Near-Food (Beginn mit Procter & Gamble im Jahr 2014) sowie dieses Jahr Tierbedarf und Sportnahrung eingeführt habe und Beziehungen zu diesen Lieferanten unterhalte, liege es auf der Hand, auch in den Lebensmittel-Handel mit haltbaren Lebensmitteln einzusteigen, so Firmensprecher Daniel Rei.

Konkurrenz für Le Shop und Coop@home

Hat man bisher etwa von einem Lieferanten Körperpflege- und Reinigungsprodukte verkauft, könnten künftig auch die Lebensmittelmarken desselben Lieferanten angeboten werden. «Auch im Zusammenspiel mit dem Brack.ch Order Button, über den sich Konsumenten per Knopfdruck mit den wichtigsten Waren für den täglichen Bedarf eindecken, stellen Nahrungsmittel eine ideale Sortimentsergänzung dar», erklärt der Sprecher.

Lebensmittel im grossen Stil online zu verkaufen, ist für Onlinehändler die letzte grosse Bastion, die es zu erobern gilt. Der US-Handelsriese Amazon betreibt für haltbare Lebensmittel den Dienst Amazon Pantry, den es in Deutschland und Österreich bereits seit zwei Jahren gibt. Laut der Handelszeitung steht Amazon mit dem Dienst kurz vor dem Einstieg in den Schweizer Markt.

Die Online-Revolution im Bereich frischer Lebensmittel gestaltet sich hingegen etwas schwieriger. Die beiden Schweizer Platzhirsche Le Shop und Coop@home wachsen zwar stark, doch auf einem nach wie vor tiefen Niveau. Für Bewegung sorgt hier ebenfalls der US-Riese Amazon, der kürzlich in Deutschland seinen Frischlieferdienst Amazon Fresh gestartet hat.


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