Bundesamt rüffelt Online-Shops

ENERGIEETIKETTE ⋅ Das Bundesamt für Energie hat untersucht, ob die Vorschriften zur Energieetikette im Online-Handel eingehalten werden. Resultat: Es gibt Handlungsbedarf. Nun reagieren die Shop-Betreiber.
10. August 2017, 07:42

Maurizio Minetti

Seit mittlerweile mehr als 15 Jahren existiert in der Schweiz die Energieetikette. Sie gibt Auskunft über die Energieeffizienz von Elektrogeräten. Nun zeigt sich, dass die grafische Darstellung der Etikette in Online-Shops oft mangelhaft ist. So kann es beispielsweise vorkommen, dass der Pfeil fehlt. Wie dem jüngsten Jahresbericht des Bundesamts für Energie (BFE) zu entnehmen ist, waren im Online-Handel letztes Jahr nur 70 Prozent der Geräte korrekt deklariert. Im Vorjahr waren es fast 90 Prozent gewesen. Im Jahresbericht ist ­ die Rede von einer «massiven Verschlechterung» der Deklarationsqualität, die auf dem tiefsten Stand seit 2012 angelangt sei.

Das BFE liess die Etiketten­deklaration wie üblich auch im Detailhandel, bei Grossverteilern oder an Messen überprüfen. Insgesamt sind 2016 über 900 Geräte in zwölf Produktgruppen mittels Stichprobenkontrolle überprüft worden. Nur 81 Prozent waren korrekt mit der Energieetikette deklariert. Das entspricht einer Abnahme von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist der tiefste Wert der letzten Jahre. Das BFE begründet den starken Rückgang der Deklarationsqualität einerseits mit verschärften Kontrollen im Online-Handel. Ein weiterer möglicher Grund sei, dass mit den Kleinelektrogeräten Kaffeemaschinen und Staubsauger nun auch viele Online-Händler von der Etikettenpflicht betroffen seien, die sonst keine Elektrogeräte mit Energieetiketten verkaufen, erklärt Angela Brunner vom BFE. Sie weist ausserdem darauf hin, dass es sich um eine nicht repräsentative Stichprobe handelt. Anders gesagt: Sehr schlechte Resultate von einigen wenigen Online-Shops können das Gesamtergebnis stark beeinträchtigen.

«Abweichende Darstellung»

Patrick Kessler leitet den Verband des Schweizerischen Versandhandels und vertritt damit auch die Online-Shops. Er nimmt die Branche in Schutz: Ein Online-Shop biete im Normalfall viel mehr Produkte an als ein ­stationärer Händler. «Insofern steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas exotischere Hersteller für Produkte nicht immer alle Schweizer Daten haben», so Kessler. Grundsätzlich sei es natürlich «eine Herausforderung, im Online-Shop alles genau so abzubilden, wie es das Bundesamt wünscht». Erschwerend komme hinzu, dass die meisten Händler auf Daten von Herstellern angewiesen seien. Kessler: «Wenn diese Daten nicht oder nur unvollständig digital vorliegen, kommen wahrscheinlich auch solche Mängel zu Stande.»

Dem pflichtet Daniel Rei bei. Der Mediensprecher des Elektronik-Online-Shops Brack.ch sagt: «Für die Korrektheit der Deklaration ist der Hersteller zuständig; bei ihm fordern wir die Etikette ein – wir haben keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob die vom Hersteller angelieferten Angaben korrekt sind oder nicht.» Auf Brack.ch sei grundsätzlich bei jedem Produkt, das in eine der deklarationspflichtigen Kategorien falle, die entsprechende Energieeffizienzetikette bei den Produktbildern hinterlegt. «In unserem kürzlich eingeführten Produktinformationssystem wird es demnächst nicht mehr möglich sein, Produkte aus deklarationspflichtigen Kategorien ohne Energieeffizienzetikette online zu stellen.»

Mittlerweile hat das Bundesamt für Energie mit den rund 40 umsatzstärksten Schweizer Online-Shops, die Elektrogeräte verkaufen, Kontakt aufgenommen, um sie bei der korrekten Umsetzung der Vorgaben zu unterstützen. Man sei daran, die «abweichende Darstellung im Online-Shop» zu korrigieren, damit diese der Richtlinie entspricht, heisst es etwa bei der Migros, die unter anderem den Online-Shop Melectronics betreibt.

Beim umsatzstärksten Schweizer Online-Shop Digitec heisst es, man weise die Energieeffizienzklasse bei den wichtigsten Produktgruppen konsequent aus. Die Angaben seien vorhanden, «die Darstellung entspricht aber nicht genau den Vorgaben. Wir arbeiten an einer Lösung», sagt ein Digitec-Sprecher.

Auch bei Coop, unter anderem Betreiber der Elektronikshops Interdiscount und Microspot, steht man in Kontakt mit dem BFE. «Die neuen Anforderungen für die Auszeichnung der Energieetikette werden wir termingerecht und korrekt erfüllen», sagt eine Sprecherin.


Leserkommentare

Anzeige: