Die digitale Reise der Hotelplan Group

REISEN ⋅ Hotelplan prägt das Reisegeschäft in der Schweiz. Mit der Hilfe von Google strebt der Konzern ein stärkeres weltweites Wachstum an. Die ersten Zahlen sind vielversprechend. Die eigentliche Bewährungsprobe steht aber erst noch bevor.
13. August 2017, 04:38

Hotelplan ist auf der Erfolgsspur. Das Geschäft in der Schweiz bereitet wieder Freude. Das Sorgenkind Hotelplan Italia wurde der Konzern ebenfalls los, vor einem Jahr konnte der Verkauf an Eden Viaggi verkündet werden.

Gar vielversprechend sieht es für das laufende Geschäftsjahr aus, das im Oktober abgeschlossen wird. Grossbritannien bleibt eine Ertragsperle, wie es Konzernchef Thomas Stirnimann formuliert. Selbst 8 Prozent höhere Preise konnten die Reiselust der Briten nicht trüben. Dafür schmälert der Kurssturz des britischen Pfunds das Ergebnis. Kritisch ist die Lage aber nicht. Über 93 Prozent sind bereits in den Büchern. Ein gutes Herbstgeschäft in der Schweiz kann jetzt noch den Gewinn in die Höhe schrauben.

Die aufgeräumte Stimmung von Konzernchef Thomas Stir­ni­mann hat noch einen anderen Grund, und der heisst Bedfinder. Im vergangenen September lancierte Hotelplan das Start-up, das Buchungen im Netz wesentlich vereinfacht: Der ganze Buchungsprozess kann in viel weniger Schritten abgewickelt werden, und die Kunden werden erst noch nicht auf eine externe Seite weitergeleitet. «Das hört sich alles ziemlich einfach an, dahinter steckt aber ein äusserst komplexes System», sagte Stirnimann diese Woche an einem Treffen mit Journalisten.

15 Millionen Umsatz bereits im ersten Jahr

Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Suchmaschinenanbieter stand denn auch am Anfang von Bedfinder. In den USA haben Google und die Hotelplan-Gruppe den Dienst vor einem Jahr aufgeschaltet, heute gibt es ihn auch in Grossbritannien. Mittlerweile ist Hotelplan auch eine Kooperation mit Trivago eingegangen; die Hotelsuchmaschine hat Angebote von Bedfinder in Irland, Neuseeland und Kanada aufgeschaltet. In Kanada erzielte Bedfiner innerhalb von drei Wochen über 500 Buchungen. Das rechnet sich. Seit dem Start im September 2016 erwirtschaftete die Hotelplan-Gruppe mit Bedfinder bisher einen Umsatz von 15 Millionen Franken.

15 Millionen fallen bei einem Konzernumsatz von 1,5 Milliarden Franken kaum ins Gewicht. Wichtiger ist für den Schweizer Reisekonzern das Wachstumspotenzial, das sich ihm damit ermöglicht. Bedfinder beschränkt sich vorerst auf Hotelbuchungen. In einem zweiten Schritt streben die Verantwortlichen eine Ausweitung auf Reisepakete an. «Heute ist es für uns ein Rappenspaltergeschäft. Spätestens 2019 wollen wir aber Gewinn ausweisen», sagt Thomas Stirnimann.

Bis dahin steht dem Schweizer Reisekonzern noch ein ordentliches Stück Arbeit bevor. Dessen ist sich der Hotelplan-Group-CEO bewusst. «Viele Unternehmen träumen davon, Reisepakete weltweit online anzubieten. Aber nur wenige können es.» Grosse Stolpersteine sind auch die Regulationen in den verschiedenen Ländern sowie die Kundengeldabsicherung. Stirnimann lässt aber keinen Zweifel aufkommen, dass Hotelplan diese Hürden erfolgreich meistern wird.

Optimismus nennt man dies. Begründet ist er aber auch im Umstand, dass im Geschäft mit Reisepaketen die Margen lukrativer sind als bei Hotelbuchungen. In einem nächsten Schritt will Bedfinder seine Produkte auch auf Kayak anbieten, einem weiteren grossen Player im Online-Reisegeschäft.

Schweiz spielt keine Rolle – zumindest vorerst

Schweizer Kunden können heute über Google und Trivago noch keine Produkte von Bedfinder buchen, sondern erst über die eigene Bedfinder-Webseite – und dies wird auch eine Weile so bleiben. Nicht weil Hotelplan Angst hätte, sein eigenes Geschäft zu konkurrenzieren, wie Stirnimann sagt. Die Schweiz bietet hierfür wenig Wachstumspotenzial und geniesst deshalb nicht erste Priorität. Zudem zielt die Strategie in eine andere Richtung. «Wir wollen mit Bedfinder neue Absatzmärkte erschliessen», beteuert Stirnimann. Das Fundament dazu ist zumindest schon gelegt.

 

Dominik Buholzer


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