Die Kunst, zu investieren

KUNSTMARKT ⋅ Die Art Basel gibt Anlass, eine knifflige Frage aufzuwerfen: Wer kann wie sein Geld in Objekten wie Gemälden, Skulpturen oder Fotografien anlegen?
15. Juni 2017, 07:51

Thomas Griesser Kym

«Wer etwas Beständiges sucht, der sollte bevorzugt Kunst kaufen.» Dieses Zitat stammt nicht von einem Kunstlobbyisten, sondern von Alan Greenspan, dem früheren Chef der US-Notenbank. Ganz so einfach ist es freilich nicht, und dennoch erfreut sich Kunst als Anlageklasse grosser Beliebtheit. Rund 50 Milliarden Dollar im Jahr werden weltweit auf dem Kunstmarkt umgesetzt, davon etwa 15 Prozent über Auktionshäuser.

Wer in Kunst investiert, muss sich mancher Risiken bewusst sein. Und er muss, will er Chancen erkennen und davon profitieren, nicht nur Geld investieren, sondern auch Zeit und Arbeit. Dies, weil es unabdingbar ist, sich mit der Materie auseinanderzusetzen, Fachwissen anzueignen und informiert zu bleiben, was auf dem Markt und in der Szene läuft. Und schliesslich muss der Anleger auch fähig und willens sein, allfällige Fehlinvestitionen finanziell zu verkraften. Grundsätzlich sind die Preise für zeitgenössische Kunst ansteigend. Doch lange nicht jedes Kunstobjekt wirft die erhoffte Rendite ab. Kommt hinzu, dass jene Objekte, die am meisten versprechen, etwa Werke Alter Meister oder etablierter Künstler, für das Gros der Investoren unerschwinglich sind. Für Anleger mit überschaubarem Portemonnaie kann es sich darum lohnen, in junge, noch wenig bekannte Künstler mit Potenzial zu investieren, bevor diese und ihre Arbeiten von einem breiteren Publikum entdeckt werden. Kunstmessen sind ein guter Ort, um sich kundig zu machen, auch der Besuch von Galerien kann sich bezahlt machen.

Fotokunst als Gelegenheit für Einsteiger

Wer in Kunst investiert, tut dies oft nicht nur aus finanziellen Überlegungen, sondern auch aus ideellen. Sammler zahlen oft Liebhaberpreise, erfreuen sich dann aber auch an einem Unikat, und ein möglicher zwischenzeitlicher Wertverlust spielt für sie eine untergeordnete Rolle. Für Einsteiger wiederum eignet sich laut Fachleuten zum Beispiel die Fotokunst besser als Gemälde oder Skulpturen. Erstens sind Fotografien erschwinglicher, und zweitens sind sie meist besser dokumentiert. Wichtig ist aber auch hier, dass die Fotografie eine niedrige Auflage hat, denn wertvoll ist, was selten ist.

Kunst als Geldanlage hat aber auch Risiken und Nachteile. Neben der Gefahr einer Fehlinvestition müssen sich Anleger im Klaren sein, dass ein Kunstwerk vergleichbar mit Edelmetallen zwar Schutz vor Inflation bietet, dafür aber weder einen Zins noch eine Dividende abwirft. Wer also auf einen laufenden Ertrag seiner Investition aus ist, der neigt wohl eher zu Aktien oder Obligationen. Auch ein Kunstwerk verkaufen kann schwieriger sein als das Abstossen eines Wertpapiers. Wer Kunst verkaufen will, muss das Objekt schätzen lassen, und er braucht einen Kaufinteressenten, der die Preisvorstellungen zu erfüllen bereit ist. Findet sich niemand im persönlichen Umfeld, muss man die Hilfe einer Galerie oder eines Auktionshauses beanspruchen. All das kostet Zeit und Geld. Apropos Kosten: Auch die sachgerechte Aufbewahrung und die Versicherung eines Kunstwerks können ins Tuch gehen.

Langer Anlagehorizont ist ein Erfordernis

Nicht zuletzt ist der Kunstmarkt ausserdem extremen Trends unterworfen. Was heute angesagt ist und gute Preise erzielt, kann in ein paar Jahren ausser Mode sein – und umgekehrt. Kunstkäufer sollten deshalb einen langen Anlagehorizont mit entsprechendem finanziellen Atem haben. Bis zu zehn Jahre, empfehlen Fachleute, sollte man auf sein Geld schon gut und gerne verzichten können.

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