Die Schweiz ist für Flixbus eine harte Nuss

FERNBUSSE ⋅ Das deutsche Unternehmen baut sein Angebot in der Schweiz auf. Das genügt Flixbus noch nicht. Da gibt es nicht nur gesetzliche Probleme.
11. November 2017, 11:00

Zürich – München: Eine bessere Strecke gibt es für Flixbus fast nicht. Auf diesem Abschnitt ist das deutsche Unternehmen mit seinen grünen Fahrzeugen schneller als die Bahn und kann erst noch mit viel tieferen Preisen operieren. «Die Strecke ist in der Tat ein absoluter Glücksfall», sagt Fabian Stenger, Geschäftsführer Flixbus für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Damit wird auf den Kopf gestellt, was sonst für Fernbusse gilt: Nur halb so schnell wie die Bahn, dafür auch nur halb so teuer.

Bis zu 15 Mal täglich steuert das Unternehmen München von Zürich her an. Das Wachstum für Zürich beträgt 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Flixbus fährt derzeit von der Schweiz aus weitere Ziele im Ausland an und bedient aktuell zwölf weitere Haltestelle. Total wurden 2016 erstmals 1 Million Passagiere befördert, und damit erreichte Flixbus die Gewinnzone. Das Problem ist das spezielle System in der Schweiz

Nun möchte das Unternehmen gerne einen Gang höher schalten. Zwar wird die Zahl der Haltestellen auf 20 erhöht. Aber für eine grössere Abdeckung sind Flixbus die Hände gebunden. Der Bundesrat hat unlängst klar gemacht, dass er am sogenannten Kabotageverbot festhalten will. Sprich: Nur nationale Unternehmen dürfen nationale Busverbindungen anbieten. Das Unternehmen könnte diese Regelung umgehen, wenn es eine Tochterfirma hierzulande gründen würde. Darauf verzichtet man aber vorderhand, wie Flixbus-Geschäftsführer Stenger erklärt. «Wir verfolgen aktiv die kurzfristige Entwicklung in der Schweiz und sehen dann wir weiter», betont er.

Und diese Entwicklung wird derzeit vom Züricher Busunternehmen Domo geprägt, das eine Konzession für mehrere nationale Linien anstrebt. «Wir gehen davon aus, dass Domo eine Zulassung erhalten wird», sagt Stenger von Flixbus. «Entscheidend wird dann sein, ob der Bund Konkurrenz auf diesen Strecken zulässt», gibt er zu bedenken. Mit einem Entscheid des Bundes ist bald zu rechnen.

Die Zurückhaltung der Deutschen dürfte noch einen anderen Grund haben. Und dieser ist in der Besonderheit des nationalen Verkehrsnetzes zu suchen. Für Flixbus machen nationalen Linien nur dann Sinn, wenn das Unternehmen seine standardisierten Produkte ausrollen kann. Stenger ist sich nicht sicher, ob diese Voraussetzungen gegeben sind. «Die Schweiz ist mit ihrem System einzigartig», gesteht er.

Dominik Buholzer


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