Die Vorteile der EU-Detailhändler

DETAILHANDEL ⋅ Die Löhne machen nur einen geringen Anteil an den deutlich höheren Kosten der Schweizer Detaillisten aus.
20. Mai 2017, 09:53

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Schweizer Detailhändler haben einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren Konkurrenten in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien. Denn die Kosten für Warenbeschaffung, Transport- und Zollkosten, Mieten sowie für die Löhne sind in diesen EU-Ländern durchschnittlich 35 Prozent tiefer als in der Schweiz. Die Schweizer Detaillisten müssen mit einem Kostennachteil von rund 50 Prozent leben. Zu diesem Schluss kommt ein Vergleich des Wirtschaftsforschungsinstitutes BAK Basel.

Es sind aber nicht so sehr die Löhne, die beim Vergleich zum Nachteil der Schweizer ins Gewicht fallen. Die höheren Arbeitskosten tragen – nach Kaufkraft berechnet – nur 4 Prozentpunkte zur happigen Kostendifferenz bei. «In der Wahrnehmung der Leute spielen die Löhne zu Unrecht die entscheidende Rolle. Schon seit über zehn Jahren haben sie aber nur einen geringen Anteil an den Kostenunterschieden», sagt Marc Bros de Puechredon vom BAK Basel.

In Deutschland sind die Kosten am tiefsten

Es sind auch nicht die Detaillisten in Frankreich oder Italien, die mit den Kosten besonders günstig fahren, sondern es sind die deutschen Händler. Ihr Aufwand für Wareneinkauf, Transport und Löhne macht nur 60 Prozent des Kostenblocks der Schweizer aus. Die Deutschen sind auch gegenüber den Italienern (61 Prozent der Kosten in der Schweiz), Franzosen (71 Prozent) und Österreichern (70 Prozent) klar im Vorteil. «Die Arbeitsproduktivität ist in Deutschland sehr hoch. Das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Faktor Arbeit ist dort besonders arbeitgeberfreundlich», erklärt Studienverfasser Michael Grass.

Fast zwei Drittel der Mehrkosten, die Schweizer Händler zu stemmen haben, entfallen auf die Warenbeschaffung. In der Schweiz sind vor allem Nahrungsmittel teurer als in den EU-Ländern, und beim Import ist zwar der starke Franken hilfreich, doch fallen Zollkosten an, die für Händler in der EU entfallen. Die in der Schweiz tiefere Mehrwertsteuer hilft zwar, fällt beim Vergleich mit den EU-Nachbarn aber nur mit 2 Prozentpunkten ins Gewicht.

Die Detaillisten-Branchenorganisation Swiss Retail Federation – sie hatte die Vergleichsstudie bei BAK Basel in Auftrag gegeben – fordert von der Politik, bei den Regulierungen und Vorschriften zu entrümpeln. So sollen bei der Anerkennung von EU-Warentests (Cassis-de-Dijon) Ausnahmen abgeschafft und die Produktdeklarationen vereinfacht werden.


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