Gübelin entwickelt digitalen «Fingerabdruck» für Edelsteine

INNOVATION ⋅ Mit einem DNA-Test für Smaragde hat das gemmologische Labor des Schmuck- und Uhrenhändlers Gübelin im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Nun wird das Projekt mit der Blockchain-Technologie erweitert.
10. Januar 2018, 05:00

Roman Schenkel

Spätestens seit den Skandalen um die Blutdiamanten ist Transparenz und Nachhaltigkeit in der Uhren- und Schmuckindustrie ein zentrales Thema. Die Kunden wollen wissen, woher das Gold stammt, das für ihren Ring verwendet wurde, oder in welcher Mine der Edelstein geschürft wurde, der ihre Uhr ziert. Die Branche reagierte mit Zertifikaten, Herkunftsnachweisen und Gütesiegeln wie «RJC», «Grünes Gold» oder «Fair Trade Minerals» um ihren Kunden und Geschäftspartnern zu belegen, dass Mensch und Umwelt in ihren Minen korrekt behandelt werden.

Doch die Farbedelsteinbranche ist intransparent. Von der Mine bis zum Juwelier finden in der Regel unzählige Transaktionen statt. Einen Stein mit Sicherheit bis zu seinem Herkunftsort zurückzuverfolgen, war bis im letzten Frühjahr fast unmöglich.

Unsichtbares Etikett für Edelsteine

Mit dem «Emerald Paternity Test», welchen das gemmologische Labor des Luzerner Schmuck- und Uhrenhändlers Gübelin im Frühjahr vorstellte (wir berichteten), kam jedoch eine Technologie auf den Markt, die Licht in den Handel mit Edelsteinen bringen dürfte. Gemeinsam mit dem ETH-Spin-off Haelixa hat das gemmologische Labor von Gübelin ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, einem Farbedelstein ein unsichtbares Etikett anzuhängen, so dass bei Bedarf überprüft werden kann, aus welcher Mine der Stein stammt (siehe Box). Dafür müssen Minenbesitzer ihre Steine nach der Förderung kennzeichnen – mit Namen, der Mine, dem Förderjahr. «Es ist eine Art Vaterschaftstest für Edelsteine», sagt Daniel Nyfeler, Leiter des 1923 gegründeten gemmologischen Labors von Gübelin, einer Tochter des Luzerner Juweliers.

Für die Edelsteinbranche war der «Emerald Paternity Test» eine wahrhaftige Innovation. Er sorgte für viel Schlagzeilen in den Medien und wurde mit Preisen ausgezeichnet. Noch sei die Zahl der Kunden «überschaubar». Ein Grund sind die hohen Kosten. Die jährlichen Basiskosten für eine Mine beziffern sich auf mindestens 100 000 Schweizer Franken, sagt Nyfeler. Derzeit arbeite man daran, die Kosten zu senken, so dass auch kleinere Minen den Test anwenden können. Wichtig für Nyfeler ist, dass man die wichtigsten Player vom Test überzeugen konnte. «Die grossen Smaragdminen wenden den ‹Emerald Paternity Test› entweder bereits an oder prüfen momentan das genaue Ausmass der Anwendung, das ist sehr erfreulich», sagt er. Im Oktober wurde bei einer Auktion in Lusaka (Sambia) bei mehreren Smaragden der Test erstmals angewendet. Inzwischen ist die Technologie auch für Perlen und Paraiba-Turmaline anwendbar. Das gemmologische Labor ist laut Nyfeler an der Ausweitung auf weitere Edelsteine. Noch sei aber nichts spruchreif.

Zusammenarbeit mit Londoner Start-up

Parallel zum «Emerald Paternity Test» wird eine unabhängige, komplementäre Technologie entwickelt: Das gemmologische Labor von Gübelin hat gemeinsam mit einer Partnerfirma eine Blockchain für farbige Edelsteine gestartet. Ziel des Projekts ist eine digitale dezentralisierte Datenbank, in der die Informationen über den Lebenszyklus von Edelsteinen entlang der Lieferkette gesammelt werden. «Die Blockchain-Technologie ist prädestiniert für eine kombinierte Anwendung mit dem ‹Emerald Paternity Test›», erklärt Nyfeler. Die Kombination von Blockchain und Nanotechnologie sei sehr stark. «Damit können wir eine fälschungssichere Rückverfolgbarkeit eines Edelsteins von der Mine bis zum Käufer erstellen», sagt Nyfeler. Für die Technik schloss sich das Labor von Gübelin mit Everledger zusammen. Das Londoner Unternehmen dokumentiert mit seiner auf der Blockchain basierenden Technologie den Besitz von Diamanten und macht die Lieferkette transparent. In der Blockchain werden bestimmte eindeutige Identifikationsmerkmale des Steins sowie Dutzende weitere Eigenschaften gespeichert. Die Herkunft der Diamanten, ob legal abgebaut, gestohlen oder aus Konfliktzonen, lässt sich so leicht nachverfolgen. Bis jetzt wurden laut Everledger über eine Million Diamanten registriert. Sie erhalten so einen digitalen «Fingerabdruck».

Jedes Mal, wenn der Diamant gehandelt wird, wird die Transaktion in der Blockchain regis­triert. Von den Minen über Händler, Schleifer, gemmologische Labore, Grosshändler, Juweliere und Detailhändler bis hin zum Endkunden werden alle am Lebenszyklus eines Edelsteins beteiligten Parteien mit einbezogen. «So erreichen wir eine ­bisher unbekannte Stufe der Transparenz in der Branche», betont Nyfeler, der die neue Technologie allen Labors und Schmuckbrands zur Verfügung stellen will.


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