Herzklappenhersteller schliesst Fabrik in Horw – 250 Stellen gehen verloren

HORW ⋅ Der US-Hersteller von Medizinaltechnik-Produkten Edwards Lifesciences schliesst seine Herzklappenfabrik in Horw. Vor allem Frauen sind vom Stellenabbau betroffen. Der starke Franken ist für einmal nicht schuld.
Aktualisiert: 
19.09.2017, 19:00
19. September 2017, 15:47

Maurizio Minetti

Hiobsbotschaft für 250 Mitarbeitende der Edwards Lifesciences AG in Horw. Sie wurden am Dienstagnachmittag informiert, dass der kalifornische Hersteller von Herzklappenprodukten den Standort in Horw schliessen will. Diese Absichtserklärung sei das Ergebnis einer «umfassenden Analyse des globalen Produktionsnetzwerks für Herzklappen», teilt die Firma mit. 250 Vollzeitstellen gehen in Horw verloren. Es ist geplant, den Produktionsstandort in Etappen bis Mitte des Jahres 2018 zu schliessen, wobei die Mehrheit der Angestellten die Firma bis Ende Januar 2018 verlassen würde.

Das Unternehmen beschäftigt vor allem Ungelernte und darunter verhältnismässig viele Frauen, wie Geschäftsführer Herko van der Weij erklärt. Die Herzklappenprodukte werden von Hand genäht.

Gewerkschaft ist nicht involviert

Edwards Lifesciences begründet die Schliessung des Standortes Horw damit, dass der komplette Herstellungsprozess für Herzklappenprodukte unter einem Dach konzentriert werden soll. In Horw, wo bislang nur bestimmte Teilschritte der Herzklappenproduktion ausgeführt wurden, sei dies nicht möglich gewesen. Grund: Die Luzerner Anlage befindet sich in einem ehemaligen Schulhaus. Dieses kleine Gebäude werde den Anforderungen einer modernen Medizinaltechanlage nicht länger gerecht, heisst es in der Mitteilung. Edwards hat nach eigenen Angaben eine Renovation der Fabrik in Horw geprüft. Es wurde dann aber entschieden, die Produktion in grössere, moderne und speziell für diesen Zweck errichtete Anlagen zu verlegen. Laut Edwards könnten die Kapazitäten, die nun in Horw verloren gehen, in den USA oder in Singapur aufgebaut werden. Was mit den Maschinen und der Infrastruktur in Horw passiert, ist noch unklar. Das Gebäude gehört einem Privaten.

Geschäftsführer Herko van der Weij betont, dass der starke Franken absolut keinen Einfluss auf den Entscheid gehabt habe. «Wir sind seit Jahrzehnten in der Schweiz tätig und haben gelernt, damit umzugehen.» Der Standort sei profitabel gewesen. Das Unternehmen wird nun das Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitenden eröffnen. Gewerkschaften sind allerdings nicht involviert – was Giuseppe Reo von der Gewerkschaft Unia kritisiert. «Wir bedauern es, dass Edwards nicht mit uns kooperiert. Miteinander kann man Lösungen finden, um den Betroffenen zu helfen», sagt Reo. Laut der Mitteilung wird Edwards die Angestellten bei der Suche nach neuen Anstellungen unterstützen, «einen grosszügigen Sozialplan anbieten» und ein Outplacement-Paket schnüren. Reo setzt hier ein Fragezeichen: «Es ist nicht klar, was Teil des Sozialplanes ist und ob es Begleitmassnahmen gibt.»

Geschäftsführer van der Weij entgegnet, man werde einen umfangreichen Sozialplan vorlegen. «Ausserdem erhalten die Betroffenen eine finanzielle Abfindung.» Bedauern äussert auch Hans-Ruedi Jung, der bei der Gemeinde Horw als Vorsteher des Finanzdepartements für Wirtschaft und Gewerbe zuständig ist. «Wir standen mit der vorherigen Geschäftsleitung in Kontakt, doch nach einem Wechsel des Managements vor einem Jahr war die Kommunikation nicht mehr so intensiv», sagt Jung. Man habe zwar gewusst, dass Edwards langfristig mehr Platz brauche, doch sei man nun von dem abrupten Schritt überrascht. «Wir haben die Bedürfnisse der Firma mit dem neuen Management nicht mehr gespürt», sagt Jung. 

Sitz in der Romandie bleibt bestehen

Edwards Lifesciences geht zurück auf den Ingenieur Miles Edwards, der Ende der Fünfzigerjahre mit dem Herzchirurgen Albert Starr die erste künstliche Herzklappe entwickelte. Das Unternehmen mit Hauptsitz im kalifornischen Irvine und einem Jahresumsatz von knapp 3 Milliarden Dollar ist auf biologische Herzklappen spezialisiert. 

Der Produktionsstandort in Horw war 1985 durch eine Firmenübernahme Teil von Edwards geworden. Damals kaufte Edwards die Xenomedica AG mit Sitz in Luzern. Später erfolgte der Umzug nach Horw.

Die europäische Regionalzentrale von Edwards mit ihren 130 Mitarbeitenden verbleibt im Kanton Waadt, wo das Unternehmen seit 2000 tätig ist. 

 

Video: Herzklappenhersteller schliesst Fabrik in Horw

Der US-Hersteller von Medizinaltechnik-Produkten Edwards Lifesciences schliesst seine Herzklappenfabrik in Horw. Vor allem Frauen sind vom Stellenabbau betroffen. Insgesamt gehen 250 Stellen verloren. (Tele1, 19. September 2017)




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