Kommentar

Ende für ein Stück Luzern

Ernst Meier über das Aus der Kultmarke Schild.
12. Mai 2017, 22:06

Mit dem Aus für die Marke Schild verschwindet nach Charles Vögele eine weitere Schweizer Kultmarke innert kurzer Zeit. Für Luzern hat das Ende zusätzlich symbolischen Charakter, denn Schild ist ein Stück hiesige Wirtschaftsgeschichte, die nun zu Ende geht.

Zu den besten Zeiten kamen aus der Kleiderfabrik am Rotsee nicht nur Herren- und Damenmode ab der Stange. Schild – vormals Tuch AG – rüstete auch Polizeikorps, die Swissair, die Armee und Musikgesellschaften aus. Im Gedächtnis der Sportfans bleibt natürlich der FC Luzern, der Ende der Neunzigerjahre mit dem Trikotsponsor Schild auflief. Schild verstand es, sich dem Wandel der Branche anzupassen, auch wenn schmerzliche Prozesse mit Personalabbau die Folge waren. Die Produktion in Luzern wurde längst aufgegeben. Stattdessen investierte Schild in die Mode und in Filialen: Marken wie Mango oder Navyboot peppten das Sortiment auf, Konkurrenten (Spengler, s. Oliver) wurden samt Filialen übernommen.

Der Besitzerwechsel von der Familie Schild zum Management 2003 schien der Firma neuen Auftrieb zu geben. Das junge Team verstand es, Schild im Gegensatz zu Charles Vögele modisch auf der Höhe zu halten und die Kundschaft nicht mit dauernd neuer Ausrichtung zu vertreiben. Trotzdem endete die Ära in den Armen der Migros, die unter Druck von H & M, Zara, Aldi und Lidl wild zukaufte.

Heute erschüttern Onlinehandel und Auslandshopping die hiesige Modebranche – es gibt ein Überangebot an Verkaufsflächen. Da bietet selbst die Migros nicht den erhofften Schutz. Was dereinst in den Schild-Filialen verkauft wird, hängt davon ab, was Konsumenten noch persönlich vor Ort einkaufen wollen.

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch


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