EU baut Supercomputer

TECHNOLOGIE ⋅ Die Europäische Union will ihren Rückstand auf die USA und Asien im Hochleistungsrechnen wettmachen.
12. Januar 2018, 07:39

Supercomputer erledigen komplexeste Rechenaufgaben, simulieren Erdbeben und Wirbelstürme und ermöglichen Spitzenforschung. «Supercomputer sind die treibende Kraft bei bahnbrechenden Fortschritten und Innovationen in vielen Bereichen, die das Leben der europäischen Bürger unmittelbar betreffen», so EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel gestern in Brüssel.

Allerdings hat Europa bei dieser Spitzentechnologie zunehmend den Anschluss verpasst. Von den zehn schnellsten Supercomputern findet sich kein einziger in einem EU-Mitgliedsland. Vor wenigen Jahren waren es noch deren vier. China, die USA und Japan teilen die Technologieführerschaft unter sich auf. Die Schweiz besitzt einen: Im nationalen Rechenzentrum (CSCS) in Lugano steht der «Piz Daint». Nach einem Update im vergangenen Jahr ist er der drittschnellste Rechner auf der Welt. Unter anderem greift Meteo Schweiz bei seinen Wettervorhersagen auf seine Dienste zurück. Um wieder an die Weltspitze heranzurücken, will die EU-Kommission nun eine Milliarde Euro investieren.

Die Grundlage bildet eine gemeinsame Erklärung von sieben EU-Staaten vom März 2017, der sich unterdessen fünf weitere Länder angeschlossen haben. Bis im Jahr 2020 sollen mindestens zwei Supercomputer angeschafft werden. Das Ziel ist, bis 2023 mit europäischer Technologie ein noch stärkeres System zu bauen.

Schweiz beteiligt sich

Dabei geht es auch um Unab­hängigkeit. Gerade bei sensiblen Daten gebe es ein Risiko für Privatsphäre, Dateneigentum und Geschäftsgeheimnisse, wenn sich die Rechenzentren ausserhalb der EU befinden würden, so die EU-Kommission. Die Kosten will die EU zur Hälfte (486 Millionen) aus dem eigenen Budget bezahlen. Der Rest soll von den EU-Ländern finanziert werden, die sich zum Projekt bekannt haben. Die Schweiz hat sich vergangenen Oktober freiwillig angeschlossen. Wie hoch der Schweizer Beitrag ausfallen könnte, ist unklar. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hält fest, dass mit der Teilnahme am Programm vorerst keine direkten finanziellen Verpflichtungen verbunden sind.

Für eine Mitbenutzung des Supercomputers müsste Bern aber auf jeden Fall noch Geld in die Hand nehmen. Der Meccano der EU sieht so aus, dass Teil­nehmende gemäss ihrem finanziellen Beitrag Zugang erhalten. Falls sich die Schweiz entschliessen würde, zum Beispiel 25 Millionen Euro, also 5 Prozent der 500 Millionen des Länderanteils, zu übernehmen, hätte sie auch Anspruch auf 5 Prozent Nutzungszeit des Supercomputers, so die Rechnung.

 

Remo Hess, Brüssel


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