Eurobus übernimmt Inland-Fernbusanbieter Domo

VERKEHR ⋅ Noch bevor der erste Inlandfernbus überhaupt gefahren ist, gibt es bereits eine Marktbereinigung. Eurobus schluckt die Domo Swiss Express AG.
13. April 2018, 07:39

Gerhard Lob

Es war eine Zäsur für den öffentlichen Fernverkehr in der Schweiz. Am 19. Februar 2018 erteilte das Bundesamt für Verkehr (BAV) dem Unternehmen Domo Swiss Express AG – einer Tochter von Domo-Reisen in Glattbrugg – die Konzession für drei nationale Fernbuslinien. Gestern teilte Eurobus, das grösste private Busunternehmen der Schweiz mit Sitz in Windisch, mit, die Mehrheit an der Firma Domo Swiss Express AG übernommen zu haben. Und damit auch die Konzession für die drei bewilligten Fernbuslinien auf den Strecken St. Gallen–Zürich–Biel–Genf Flughafen, Zürich Flughafen–Basel–Luzern–Lugano sowie Chur–Zürich–Bern–Sitten.

«An der Inland-Fernbus-Konzession ändert dies nichts», sagt BAV-Sprecher Gregor Saladin. Der Betrieb auf diesen Linien soll am 10. Juni aufgenommen werden. Die Billettpreise – die Hälfte der regulären SBB-Halbtax-Preise – sollen gleich bleiben, am geplanten Haltestellennetz wird nicht gerüttelt. Beim Rollmaterial sollen neben Domo-Cars auch Eurobusse zum Einsatz kommen. Zudem wird eine eigene Webseite für Fahrplan und ­Ticketerwerb aufgebaut.

Viele Hintergründe des Deals bleiben im Dunkeln

Zum Verkaufspreis und der Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Auch andere Hintergründe des Deals blieben im Dunkeln. Domo-Reisen erteilte keine Auskünfte mehr. Bei Eurobus hiess es zur Kooperation mit dem Konkurrenten: «Der Einstieg in das nationale Fernbusgeschäft stellt beide Firmen vor grosse Herausforderungen.» Man sei deshalb zum Schluss gekommen, dass mit gebündelten Kräften und Kompetenzen für den Kunden das beste Angebot erbracht werden könne. In einer Medienmitteilung liess sich Andreas Meier, Geschäftsführer der Eurobus-Gruppe, wie folgt zitieren: «Gemeinsam wollen wir in der Schweiz ein für die Kunden, Regionen und Gemeinden attraktives Fernbusnetz etablieren, welches das bestehende ÖV-Angebot ergänzt.»

Fachleute beurteilen die Übernahme als Hinweis, dass der Firma Domo-Reisen das Projekt zuletzt über den Kopf gewachsen ist. Für diese These sprach bereits die Tatsache, dass die angekündigte Inbetriebnahme der Fernbusse verschoben wurde: vom 25. März auf 10. Juni. Eurobus gilt als solides und verlässliches Unternehmen. Es beschäftigt 500 Mitarbeiter und erzielt 125 Millionen Franken Umsatz. Es hat an insgesamt sieben Standorten in der Schweiz eigene Reisebusse stationiert. Zudem ist das Unternehmen in verschiedenen Ortschaften – in den Kantonen Aargau und Luzern – im öffentlichen Verkehr tätig. Das grosse Netz kann sicherlich nützlich sein, um Werbung für die neuen Inland-Fernbusse zu machen.

Konzessionen für sieben Fernbuslinien beantragt

Eurobus hatte selbst geplant, ins inländische Fernbusgeschäft einzusteigen. Es beantragte im Dezember 2017 beim BAV die Konzession für sieben Fernbuslinien. Unter anderem sollen zwei- bis viermal täglich Verbindungen von Zürich nach Grindelwald und nach Davos angeboten werden. Von Bern aus sollen Busse sogar bis zu sechsmal täglich nach Montreux fahren. Und auch Verbindungen nach Genf, Basel und ins Tessin sind angedacht.

Diese Konzessionsgesuche sind heikler als im Falle der Swiss Domo Express AG, weil teilweise der abgeltungsberechtigte regionale Personenverkehr konkurrenziert wird. «Ein Entscheid zum Gesuch wird in den nächsten Monaten fallen», sagt BAV-Sprecher Saladin.


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