Europas Stauraum nimmt zu

MIETLAGER ⋅ Self Storage gewinnt in Europa an Bedeutung. In der Schweiz expandiert das Jungunternehmen PlaceB stark. Nun will es auch Onlineshops anlocken.
01. Dezember 2017, 07:11

Federico Gagliano

Erst Anfang Jahr eröffnete PlaceB seinen ersten Standort in der Zentralschweiz (Ausgabe vom 17. Februar). Inzwischen sind es bereits drei: Nach dem ersten Standort in Kriens kam ein zweiter in Emmen hinzu; nun folgte Anfang November der dritte in der Luzerner Innenstadt. Für die 2015 gegründete Firma eine Premiere: Der neue Standort an der Hirschmattstrasse 8 ist der erste im Stadtzentrum. Es werden aber bald noch mehr: in den nächsten zwei Jahren will PlaceB rund 40 neue Standorte öffnen.

Damit reitet die Zürcher Firma auf einer Welle, die ganz Europa erfasst hat: das wachsende Geschäft mit Stauraum. Im vergangenen Jahr stieg gemäss einem Bericht der Federation of European Self Storage Associations (Fedessa) die Zahl der vorhandenen Self-Storage-Standorte auf geschätzte 3247, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Am stärksten wächst der Mietlagermarkt in Grossbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Deutschland und Schweden, welche 85 Prozent des Marktes ausmachen.

In der Schweiz stieg die Anzahl der Räume dieses Jahr um rund ein Viertel, von 47 auf 59 Standorte. 76 Prozent der Boxen sind gebucht – etwas weniger als im Vorjahr. Insgesamt setzten europäische Self-Storage-Unternehmen in den letzten 12 Monaten 350 Millionen Euro um. Damit ist die Branche noch weit von ihrem amerikanischen Vorbild entfernt, wo jährlich Beträge zwischen zwei bis drei Milliarden Dollar mit Self Storage eingenommen werden.

Eine Box für jeden Fall

Es gibt also noch Luft nach oben. PlaceB will deshalb mit seinen Boxen, die bis zu 40 Kubikmeter gross sein können, möglichst verschiedene Bedürfnisse abdecken – zumindest was das Lagern von Gegenständen anbelangt. Die Räume sollen nicht als Hobbyraum genutzt werden, wie das teilweise in den Vereinigten Staaten der Fall ist – dafür seien sie nicht geeignet, so PlaceB-CEO Terry Fehlmann. Stattdessen sieht er seine Boxen als Zusatzstauraum abseits der eigenen vier Wände: Ob man saisonal genutzte Sachen ausserhalb seiner Stadt lagert oder zwei Strassen weiter einen Weinkeller anlegt – dafür sei PlaceB gedacht.

Die Hürden werden möglichst tief gelegt: Alles wird über die eigene App gesteuert. Diese dient als Bindeglied zwischen der Firma und ihren Kunden, aber auch als Schlüssel für die Box. Der Zugriff kann mit beliebigen Personen geteilt werden, was für Unternehmen oder Vereine verlockend sein könnte. Dieses volldigitalisierte System sei «weltweit einzigartig», so Fehlmann. Jeder Standort besitzt einen kostenlosen WLAN-Hotspot, damit man auch ohne Handyempfang nicht vor verschlossenen Türen steht.

PlaceB soll aber nicht nur für Private nützlich sein: Auch Firmen könnten in Zukunft die überwachten und alarmgesicherten Räume als dezentrales Lagerhaus nutzen. Besonders Online-Händler könnten begehrte Ware so noch schneller an ihre Kunden ausliefern. «Ein Velokurier könnten per Link Zugang zur Box erhalten und die Ware innerhalb kürzester Zeit ausliefern», betont Fehlmann.

Der CEO arbeitet auch daran, dass Pakete in die Box geliefert werden, um dann bequem am Abend geholt zu werden. Bisher ist das nur an bestimmten Standorten möglich.

Ein weitere Standort in Luzern geplant

Momentan mieten die meisten Kunden die Boxen über einige Monate, langfristige Mietverhältnisse sind aber ebenfalls möglich. Der Standort in der Luzerner Innenstadt bietet Boxen mit Stauraum zwischen 1 und 14 Kubikmetern. Die kleinste kostet 49.50 Franken im Monat, die grösste 230.40.

In Emmen und Kriens sind die Preise etwas tiefer. Je länger die Mietdauer, desto günstiger wird der Preis mit Nachlässen bis 15 Prozent. Kündigen kann man ohne Frist bis zum letzten Tag der Vertragslaufzeit. Der Vertrag verlängert sich immer automatisch um jeweils einen Monat. Derzeit tüftelt PlaceB noch an weiteren Funktionen für ihre App. Ein weiterer Standort in Luzern ist ebenfalls geplant.


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