Zürich

Grosse Party für zahmen "Wolf of Wall Street"

Der berühmt-berüchtigte Börsenmakler und Verkaufstrainer Jordan Belfort trat gestern erstmals in Zürich auf. Er stellt dort sein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein unter Beweis und zeigt auch etwas Reue - obwohl ihm das Wort nicht gefällt.
13. Mai 2017, 21:35

In den 80er Jahren als Börsenmakler wegen ausschweifender Partys und Millioneneinkommen berüchtigt, heute dank der Verfilmung seiner Memoiren berühmt - Jordan Belfort hat einiges erlebt. Oder wie er sagt: “Ich habe einige Fehler gemacht, und den Preis dafür gezahlt.” Konkret heisst das: Belfort wurde Ende der 90er-Jahre mit 26 Jahren bereits zum Millionär - und kurz darauf wegen Wertpapierbetrugs und Geldwäsche zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Dank seiner Zusammenarbeit mit dem FBI sass er davon nur 22 Monate ab. Als freier Mann publizierte er seine Memoiren mit dem Titel "Wolf of Wall Street" - das Buch wurde ein Bestseller. Den Höhepunkt seiner Bekanntheit erreichte Belfort aber durch dessen gleichnamige Verfilmung (2013) von Regisseur Martin Scorsese und mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.

Heute reist der 54-Jährige um die Welt, um seine Verkaufserfahrung zu teilen - nun zum ersten Mal auch in der Schweiz. Die Samsung Hall in Dübendorf nahe Zürich ist voll, Elektro-Musik dröhnt aus den Boxen, Discobeleuchtung. Fast 2000 Leute sind gekommen. Energisch erklärt Belfort seine Verkaufsstrategie, die “Straight Line”-Methode, die besagt, dass man den Kunden nicht nur vom Produkt, sondern auch von sich selbst und der eigenen Firma überzeugen solle. Nur so komme man "zum Abschluss" - ein Lieblingswort des selbsternannten "Wolfs". Konkreter wird er in den ersten drei Stunden indes nicht.

Stattdessen beginnt er, sein Leben zusammenzufassen - unterstützt von Szenen aus dem Film. Während des Trainings - man könnte auch Show sagen - machen viele der zahlreichen jungen, adrett gekleideten Leute im Publikum eifrig Notizen, dazwischen surfen sie auf ihren Handys aber auch auf Facebook. Und zwischen den Monologen Belforts über Auftreten, Tonalität und unentschlossene Kunden fragt der Motivationscoach "Makes Sense?" ("Ergibt das Sinn?") Die Antwort aus dem Publikum kommt zuverlässig: "Yeah!" Als die Mittagspause beginnt, sind die Zuschauer noch nicht schlauer.

Teil der Einnahmen an Federers Stiftung

Unterdessen stellt sich Belfort der Presse. Die Fragen sind zu Beginn harmlos: Wo liegen die Ähnlichkeiten zum Film? Welches sind heute seine Ziele? Dann aber wird es interessant: Wieso sollten sich Leute ausgerechnet von einem Ex-Betrüger beraten lassen? Belfort: “Genau darum bin ich der Richtige. Die Leute hören mir deswegen eben eher zu, weil ich diese Fehler gemacht habe und weil ich genau weiss, welche Ideen gut waren und welche Fehler man vermeiden muss.”

An diesem Tag wird der "ehemalige" Kriminelle, wie er nicht müde wird zu betonen, dass nur ethisch korrektes Handeln zu wirklicher Zufriedenheit führe: "Eine Verkaufsstrategie ohne Ethik und Moral ist nutzlos. Tut es nicht. Es fällt auf euch zurück." Zum eigentlichen Thema des Tages, dem Geld verdienen durch effizientes Verkaufsverhalten, sagt Belfort: "Es geht nicht nur um Geld, sondern darum, sich selbst zu erfüllen." Geld erlaube es einem, frei zu sein, und kein Geld zu haben führe in die Misere. Um dann zu schliessen: "Ich war reich, ich war arm. Ich würde jederzeit reich wählen". 

Und was ist mit seinen Opfern, denen er angeblich noch Millionen schuldet? Die kolportierten Beträge - es ist von 100 bis 200 Millionen US-Dollar die Rede - seien zu hoch, sagt Belfort. "Es ist gar nicht so viel Geld." Er wolle den geprellten damaligen Kunden in den nächsten Jahren ihr Geld zurückzahlen und sei daran, herauszufinden, wem er überhaupt wie viel schulde. Leider lasse sich das "nicht so genau sagen". Auf die Frage, ob er seine Taten bereue, sagt der Belfort: “Ich mag das Wort Reue nicht". Die Drogen etwa würde er nicht bereuen - weil sie ihn zu dem gemacht hätten, was er heute ist. “Mir wäre aber natürlich lieber gewesen, wenn alle Geld gemacht hätten.”

Geld gemacht hat am Samstag nicht nur Jordan Belfort, der laut Veranstalter eine "anständige sechsstellige" Gage für seinen Auftritt kassiert hat, sondern auch die Roger-Federer-Foundation. Sein Verkaufsprogramm konnte nach der Veranstaltung selbstverständlich vor Ort erworben werden - für rund 1000 Franken. Als begeisterter Tennisspieler und grosser Federer-Fan habe er aber spontan entschlossen, keinen Franken von den Erlösen sehen zu wollen, so der "Wolf". Er stifte sämtliche Einnahmen an die Stiftung des Tennisstars.

Livio Brandenberg und Federico Gagliano

 

  • Der "Real Wolf of The Wall Street" bei seiner Präsentation in Zürich. (© Livio Brandenberg, Luzerner Zeitung / Zürich, 13.5.2017)
  • Mit Leonardo DiCaprio lässt sich ein Shirt sicherlich noch besser verkaufen. (© Livio Brandenberg, Luzerner Zeitung / Zürich, 13.5.2017)
  • Der "Real Wolf of The Wall Street" bei seiner Präsentation in Zürich. (© Livio Brandenberg, Luzerner Zeitung / Zürich, 13.5.2017)

Der junge Jordan Belfort war Ende der 80er-Jahre Multimillionär und Star der New Yorker Börsenszene. Ihm wurde 2013 mit «The Wolf of Wall Street» in Hollywood ein Denkmal gesetzt. Am Samstag kam er als Redner und Coach nach Zürich.

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