Bürgenstock-Chef Bruno H. Schöpfer: «Ich bin erleichtert, dass endlich Geld hereinkommt»

INTERVIEW ⋅ Bruno H. Schöpfer, Chef des Bürgenstock-Resorts, ist erleichtert, dass endlich Geld hereinkommt.
14. September 2017, 22:11

Bruno H. Schöpfer, das Resort ist fast fertig. Wie ist Ihr Gefühlszustand: erleichtert oder nervös?

Ich bin angespannt nervös. Die Fertigstellung eines Hotels ist immer erst der Anfang. Jetzt gilt es ernst, jetzt kommen die Momente der Wahrheit, jetzt zeigt sich, ob funktioniert, was wir geplant und umgesetzt haben. Wie wohl fühlen sich die Mitarbeitenden? Und natürlich: Wie ist das Feedback der ersten Gäste? Das ist entscheidend.

Ein bisschen Erleichterung dürften Sie aber schon verspüren.

Ich glaube, wir haben viele Sachen gut gemacht. Es wäre jedoch verfehlt zu behaupten, alles sei perfekt. Es gibt sicherlich diverse Sachen, die noch nicht so gut funktionieren und die wir verbessern müssen. Doch das gehört zu einer Eröffnung dazu. Alles in allem bin ich vor allem erleichtert, dass endlich Geld hereinkommt.

Worauf sind Sie am meisten stolz, wenn Sie das Projekt anschauen?

Etwas Einzelnes herauszupicken, fällt mir schwer. Ich bin stolz auf das ganze Projekt. Es gibt Hunderte Dinge, die einmalig sind. Hinzu kommt die unglaubliche Lage. Es ist uns gelungen, diese zum Besten zu nutzen.

Was war die grösste Herausforderung in all den Jahren?

Es war ein regelrechter Behördenmarathon. Wir mussten beispielsweise mehr als 147 Baubewilligungen einholen. Zum Glück sind die Nidwaldner Ämter sehr kooperativ, und es gab keine Einsprachen. Wir konnten deshalb unseren Fahrplan einhalten.

Sie hatten am Schluss aber doch ein paar Wochen Verspätungen. Auch der Spa-Bereich ist noch nicht fertig. Woran lag es?

Eigentlich sind wir sehr gut im Plan. Wir hatten bei den Zimmern im Hotel Bürgenstock und dem Restaurant Spices kleinere Probleme. Aber wissen Sie, es gab in den neun Jahren unzählige Hürden zu meistern. Eine wichtige Firma beispielsweise ging Konkurs und stieg aus, auch hatten wir einen riesigen Wasserschaden, so dass wir zwei grosse begehbare Kühlschränke wieder ausbauen mussten. Aus diesen Gründen bin ich froh, dass es nur die zwei Wochen Verspätung sind. Und bei neun Jahren Bauzeit fällt dies sowieso nicht ins Gewicht.

Hatten Sie nie Zweifel?

Oh doch. Es gab viele Momente, in denen ich gezweifelt und mich hinterfragt habe. Es gab Situationen, in denen wir regelrecht darum kämpfen mussten, das Projekt am Leben zu erhalten. Ich bin aber nicht einer, der schnell aufgibt. Letztlich bin ich überzeugt, dass wir sehr vieles richtiggemacht haben.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Investoren aus Katar?

Mit Geldgebern ist es nicht immer einfach. Doch die Investoren sind heute, so glaube ich, sehr stolz auf das Ergebnis. Das Resort ist ein Leuchtturmprojekt. Für die ganze Firma Katara Hospitality ist es ein Meilenstein. Vertreter aus Katar haben das Projekt sehr eng begleitet. Offiziell abgenommen wird es aber erst im Mai 2018, wenn alles fixfertig ist. Dann ist das ganze Team eingespielt und auch der Garten, wo wir ja über 200 000 Blumen eingepflanzt haben, wird blühen.

Wie sieht der Buchungsstand im Resort aus?

Im Kongress- und Bankettgeschäft kommen täglich 15 Buchungen herein. Sehr erfreulich ist, dass dies hauptsächlich Firmen aus der Region sind. Das Zimmergeschäft im Viersternehotel Palace ist ebenfalls sehr gut angelaufen. Im Hotel Bürgenstock beginnt das Reservationsgeschäft erst jetzt. Richtig zunehmen werden die Reservationen aber ab Ende Oktober, wenn auch das Spa geöffnet ist.

Woher kommen die privaten Gäste?

Wir rechnen mit einem Anteil der schweizerischen Gäste von rund 50 Prozent. Dies vor allem auch wegen unseres Medizinalwellnesshauses Waldhotel. Dieses wird im Dezember den Betrieb aufnehmen. Hier sprechen wir vor allem Menschen im Umkreis von rund 100 Kilometern an. Die Zusammensetzung der anderen Hälfte der Gäste im Resort wird geografisch sehr gemischt sein.

Neben Gästen brauchen Sie auch noch Mitarbeiter.

Wir haben aktuell 427 Mitarbeiter. Es fehlt derzeit niemand. Nun müssen wir aber das Personal für die zu eröffnenden Bereiche rekrutieren. Also für das Spa und das Waldhotel. Da brauchen wir gut 100 Personen. Im Vollbetrieb werden wir rund 800 Mitarbeiter beschäftigen.

Wie hoch ist der Anteil der Schweizer Mitarbeitenden?

Aktuell haben etwas mehr als 50 Prozent unserer Angestellten den Schweizer Pass. 90 Prozent aller Angestellten haben wir zudem mit Inländervorrang angestellt. Das heisst, sie hatten bereits eine bestehende Arbeitsbewilligung für die Schweiz. In Zukunft wird der Schweizer Anteil etwas abnehmen. Wir erwarten mittelfristig mehr Gäste aus Indien und China. Da werden wir insbesondere wegen der Sprache mehr ausländisches Personal rekrutieren.

Über 550 Millionen Franken wurden investiert. Nun kommt langsam wieder Geld herein. Wann wollen Sie rentabel arbeiten?

Von einem solchen Resort kann man keine schnellen Gewinne erwarten. Wir haben das Glück, dass unser Investor langfristig denkt. Wir wollen in drei bis vier Jahren den Idealbetrieb erreichen. Das braucht es. Der Name Bürgenstock muss wieder in die Welt hinausgetragen werden. Unsere Türen waren schliesslich zehn Jahre geschlossen. Die Marke Bürgenstock war eine lange Zeit weg vom Markt. Wir müssen sie nun in aufwendiger Arbeit wiederbeleben.

Das heisst aber, Sie machen ab 2020 Gewinn?

Ab 2020 wollen wir zumindest Cash-positiv sein. Wir wollen also genug Geld verdienen, so dass wir nicht nur unsere laufenden Kosten decken, sondern auch die Zinsen bezahlen können.

Interview: Roman Schenkel

 

  • Luzerner Zeitung AG
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Am 14. September hat das Bürgenstock-Resort eröffnet.

Video: 5-Sterne Luxus auf dem Bürgenstock

Moderne Architektur und Luxus vom Feinsten: Damit will das am Donnerstag eröffnete 5-Sterne Hotel auf dem Bürgenstock ab sofort Gäste aus aller Welt in die Zentralschweiz locken. Der Spass ist nicht ganz billig. Die Eröffnung erfolgt zudem mit Verzögerung.

(Urs Flüeler/SDA, 14. September 2017)




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