Analyse

In Gesellschaft mit Nestlé, Novartis, Roche & Co.

Ernst Meier zur Aufnahme von Sika in den Swiss Market Index SMI.
14. Mai 2017, 08:35

Über die grosse Ehre, neu zu den Schweizer Blue-Chips-Unternehmen zu gehören, freut man sich nicht nur in der Baarer Konzernzentrale, auch die Zuger Regierung zeigt sich zufrieden, wie Finanzdirektor Heinz Tännler auf Anfrage sagt. Die SMI-Zugehörigkeit unterstreiche die Dynamik des Wirtschaftsstandortes Zug, erklärt der Regierungsrat. Mehr als einen symbolischen Effekt hat die Aufnahme von Sika in den SMI für Zug jedoch nicht, denn es entstehen weder neue Arbeitsplätze im Kanton, noch steigen die Steuererträge.

Für die Aktionäre dürfte es aber spürbare Folgen haben, denn institutionelle Anleger, die den SMI abdecken, werden gezwungen sein, Sika-Aktien zuzukaufen. «Die Aufnahme in den Leitindex dürfte nicht nur dem Ansehen von Sika helfen, sondern auch das Interesse an deren Aktien bei internationalen Investoren erhöhen», schreibt Bernd Pomrehn von der Bank Vontobel. Er erhöhte das Kursziel für Sika von 6750 auf 7000 Franken. Auch das Analystenhaus Bernstein rechnet mit «erzwungenen Käufen durch Indexfonds» und setzt sein Kursziel neu auf 7100 Franken, bis Ende 2019 sogar auf 10000 Franken. Derzeit notiert die Sika-Inhaberaktie bei 6150 Franken.

Der SMI-Ritterschlag ist ein Argument mehr, das aufzeigt, dass Sika die französische Saint-Gobain als Hauptaktionärin nicht nötig hat. Bekanntlich wollen die fünf Geschwister der Erbenfamilie Burkard ihre Kontrollmehrheit an Sika (16 Prozent Kapital/53 Prozent Stimmen) für 2,75 Milliarden Franken dem Industriekonzern Saint-Gobain verkaufen – trotz der Tatsache, dass das Kantonsgericht Zug das Vorgehen nicht gebilligt hat. Das Verfahren ist derzeit beim Obergericht.

Die Burkards könnten stolz sein, dass die Firma, die von ihren Vorfahren aufgebaut wurde, nun ein Schweizer «Blue Chip» ist und im gleichen Atemzug genannt wird wie die Weltkonzerne Nestlé, Novartis, Roche, UBS oder Swatch. Die fünf Geschwister müssten sich freuen, dass dadurch der Wert ihres Erbes steigt – sogar über jenen Preis, den ihnen Saint-Gobain zahlen will.

Stattdessen verläuft sich die Familie bei ihrem absurden juristischen Kampf immer tiefer im Labyrinth, an dessen Ende die Sackgasse wartet. Die Erben haben sich mit ihren Anwälten, Beratern und Kommunikationsleuten in einem Netz an Widersprüchen und sinnlosen Aktionen total verrannt. Die publik gemachten geheimen Verkaufsverträge zwischen den Burkards und Saint-Gobain brachten das undurchsichtige Spiel ans Tageslicht. Bei den Mitarbeitern, in Wirtschaftskreisen und in der breiten Öffentlichkeit hat die Familie ihre Glaubwürdigkeit ver­loren.

Mit der Aufnahme in den SMI bricht für Sika eine neue Ära an. Für Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar und die Burkards müsste dies der Moment sein, in dem man endlich die wirtschaftlichen Realitäten akzeptiert. Nie- mand will eine Sika, die durch einen Konkurrenten beherrscht wird, der nur 16 Prozent an ihr besitzt. Nicht umsonst warnt der Bernstein-Analyst, die grösste Gefahr für die Erfolgsgeschichte sei eine Übernahme der Burkard-Aktien durch Saint-Gobain.

Notabene: Sika ist die erste SMI-Firma, bei welcher der Verwaltungsrat gratis arbeitet. Die Familie Burkard hat ihm an der letzten GV den Lohn zum dritten Mal gestrichen.

Ernst Meier

Wirtschaftsredaktor


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