Ist Renova auf dem Rückzug?

US-SANKTIONEN ⋅ Die hiesigen Beteiligungen von Viktor Vekselberg haben den ersten Sturm nach den US-Sanktionen gegen den russischen Oligarchen überstanden. Was der Milliardär selber plant, bleibt vorerst sein Geheimnis.
15. April 2018, 09:26

Balz Bruppacher

Noch sind die Folgen des US-Bannstrahls gegen Viktor Vekselberg und seine Renova-Gruppe nicht in ihrer vollen Tragweite bekannt. Für die Schweizer Industriebeteiligungen scheint aber das Schlimmste überstanden. Das gilt vor allem für den Winterthurer Sulzer-Konzern, der die Renova-Beteiligung dank einem Aktienrückkauf unter die Schwelle von 50 Prozent senken konnte. Und der damit auf dem für Sulzer wichtigen US-Markt keine direkten Sanktionen mehr befürchten muss. In der Nacht auf gestern wurden auch die in den USA vorübergehend eingefrorenen Bankkonten wieder freigegeben, wie ein Sprecher einen Bericht von Schweizer Radio SRF bestätigte.

Im Falle von Oerlikon und von Schmolz+Bickenbach war die Lage von Anfang an weniger dramatisch, weil Vekselbergs Renova keine Mehrheiten an diesen beiden Unternehmen hielt.

Nochmals anders ist die Situation bei der Immobiliengesellschaft Züblin. Hier ist Vekselberg über seine in Panama domizilierte Lamesa Holding engagiert. Lamesa gehört nicht zu den sanktionierten Firmen. Überdies ist Züblin insofern weniger exponiert, als die Immobilienfirma nur in der Schweiz tätig ist.

Sulzer-Dividenden auf Sperrkonto in den USA

Für eine Entwarnung ist es aber in allen Fällen aus zwei Gründen zu früh. Erstens ist nicht auszuschliessen, dass die USA ihre Sanktionen weiter verschärfen und auch Beteiligungen ins Visier nehmen, bei denen Vekselberg bloss Haupt- und nicht Mehrheitsaktionär ist. Und zweitens muss sich zeigen, welche indirekten Folgen die US-Sanktionen gegen Vekselberg haben. Sei es, dass die vom russischen Oligarchen beherrschten Firmen von Geschäftspartnern gemieden werden, sei es, dass sie mit schwierigeren Finanzierungsbedingungen konfrontiert werden.

Hinzu kommt, dass Viktor Vekselberg beziehungsweise seine Renova Group vorerst die ­Dividenden von Sulzer und Oerlikon nicht kassieren können. Sulzer zahlt die rund 75 Millionen Franken auf ein Escrow Account (eine Art Sperrkonto) in den USA ein, wie ein Sprecher einen Bericht des «Tages-Anzeigers» bestätigte. Im Falle von Oerlikon wird die Dividende von 50 Millionen Franken vorerst nicht ausbezahlt.

Spekulationen um Franken-Abschwächung

Auf den Devisenmärkten wurde unterdessen über einen Zusammenhang der US-Sanktionen mit der jüngsten Abschwächung des Frankenkurses spekuliert. Entgegen dem üblichen Muster im Falle von internationalen Spannungen wie beim aktuellen Syrienkonflikt kam es nicht zu einer Flucht in den Franken und einer Aufwertung der Schweizer Währung gegenüber Euro und Dollar. Der Euro erreichte vielmehr am Freitag den höchsten Kurs zum Franken seit der Aufhebung der Untergrenze im Januar 2015 und näherte sich der Marke von 1.19 Franken. Die Finanzagentur Bloomberg zitierte Devisenmarkt-Strategen, die vermuteten, nervös gewordene russische Investoren zögen sich aus dem Franken zurück.

Funkstille bei Vekselbergs Renova

Von Vekselberg selber, der gestern Samstag 61-jährig wurde, liegt nach wie vor keine Reaktion vor. Versuche, Stellungnahmen seiner Renova Group zu erhalten, blieben bisher erfolglos. Die Website des Unternehmens ist seit der Verhängung der US-Sanktionen nicht erreichbar. Renova-Sprecher Andrei Storkh befände sich auf einer Auslandreise, wie es auf Anfrage in Moskau hiess. Eine E-Mail-Anfrage blieb bis gestern Abend unbeantwortet. Keine Auskünfte waren auch bei der Renova Management AG in Zürich erhältlich. Deren Verwaltungsrat befindet sich offenbar in Auflösung, nachdem die nichtrussischen Mitglieder den Rückzug angemeldet hatten. Dazu gehören der Schweizer Banker Josef Ackermann und der italienische Industrielle und ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo.

Flucht aus Zürich?

Ist die Renova Management AG überhaupt noch aktiv? Eine Telefonnummer der Firma, die 2016 ihren Sitz ins Zürcher Seefeld verlegt hatte, war nur auf Umwegen über die alte Adresse am Bleicherweg zu finden. Obwohl die Nummer auf eine inzwischen gelöschte Zweigniederlassung einer auf Zypern domizilierten Vermögensverwaltungsfirma gewechselt hat, antwortete am vergangenen Freitag eine Dame im Namen der Renova Management AG. Die Firma sei noch aktiv, sagte sie, wollte aber keine weiteren Auskünfte erteilen. Auch nicht über die Zahl der Beschäftigten, die laut «Handelszeitung» mit dem Umzug von 20 auf 35 Personen erhöht worden war. In der Liegenschaft im Zürcher Seefeld hat Züblin den Hauptsitz.


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