Hug-Traditionsbäckerei geht an die Migros

NAHRUNGSMITTEL ⋅ Die Hug-Bäckerei im Littauerboden wird Teil der Migros-Industrie. Die 153 Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die Läden, Cafés und ein Restaurant hingegen bleiben im Besitz des Luzerner Familienunternehmens.
Aktualisiert: 
19.06.2017, 20:00
19. Juni 2017, 14:59

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Das Luzerner Familienunternehmen Hug blickt auf eine lange Tradition zurück. Dieses Jahr feiert es sein 140-Jahre-Jubiläum. Seit zwei Jahren ist Hug als Unternehmensgruppe mit drei Tochterfirmen organisiert. Zum einen gibt es die Hug Bäckerei AG mit der Grossbäckerei im Littauerboden, wo die Angestellten frische und tiefgekühlte Brot- sowie Backwaren herstellen. Die Auslieferung zählt ebenfalls zu diesem Geschäftszweig. Zum andern gehört die Hug Retail AG mit zehn Verkaufsläden in Luzern (3), Horw, Rotkreuz, Stans, Zug, Zürich und Oerlikon (2) zur Gruppe. In Horw und Rotkreuz betreibt Hug zudem zwei Cafés. Die dritte Gesellschaft ist die Wirzhaus AG mit dem Restaurant Mill’Feuille am Mühlenplatz in der Stadt Luzern. Die Hug-Gruppe hat ihren Sitz in Luzern und ist geschäftlich nicht mit dem gleichnamigen Biskuit- und Zwiebackhersteller in Malters verbunden.

Das Migros-Unternehmen Jowa ist schon seit zwei Jahren an der Bäckerei von Hug beteiligt. Wie am Montag bekannt wurde, hat Jowa nun die Mehrheit übernommen. Wie hoch die Beteiligung ist und welchen Preis Jowa bezahlt hat, geben die Vertragspartner nicht bekannt. Hug stellte aber klar, als Minderheitsaktionär an der Bäckerei beteiligt zu bleiben. Jowa betonte, die 153 Arbeitsplätze im Littauerboden blieben erhalten.

Grosse und kleine Bäckereien spannen zusammen

«In der schweizerischen Bäckereilandschaft ist ein starker Konsolidierungsprozess im Gang. Unternehmen schliessen sich zusammen, kleinere Betriebe lehnen sich an grössere an. Im heutigen Umfeld ist es gut für uns, einen starken Partner wie Jowa zu haben», sagt Hug-Geschäftsleiter Andreas Tobler. In Europa sei der Konzentrationsprozess bereits weitgehend abgeschlossen, in der Schweiz habe er mit etwas Verzögerung eingesetzt. Der Verkauf der Aktienmehrheit an das Migros-Unternehmen erfolgt rückwirkend auf den 1. Januar.

Für Jowa sei die Mehrheitsbeteiligung eine «Super-Sache», sagt Sprecherin Heike Zimmermann. Die Aktienmehrheit ermögliche es, in der Zentralschweiz noch stärker präsent zu sein (siehe Kasten). Hug wird als Tochterfirma in die Jowa integriert. «Die Hug-Bäckerei ergänzt mit ihren Kleinmengen das Sortiment der Jowa und stärkt mit ihren regionalen Spezialitäten die Verankerung in der Innerschweiz», begründet die neue Mehrheitsbesitzerin den Aktienkauf.

Abnehmer der Produkte aus der Grossbäckerei im Littauerboden sind in erster Linie grosse Detailhändler sowie Gastronomiebetriebe. Nur 15 Prozent der dort hergestellten Esswaren gelangen in die Hug-Filialen. Der Deal mit Jowa ändert indes nichts an den Besitzverhältnissen der beiden weiteren Tochtergesellschaften Hug Retail und Wirzhaus. Sie bleiben im Besitz der Familie Hug. Das Unternehmen wird in fünfter Generation von Verwaltungsratspräsident Paul Philipp Hug geführt.

Bei Hug Retail sind 90 Personen angestellt. Hug hat in den letzten Jahren zwar einige der Cafés in der Region Luzern geschlossen, dafür aber mit den Verkaufsläden nach Zug und Zürich expandiert. «Wir betrachten die Verkehrsachse Luzern–Zug–Zürich als unser Marktgebiet», sagt Geschäftsleiter Tobler. Das Angebot in den Läden hat sich wie in den meisten Bäckereien stark verändert. Nebst Broten gibt es heute Salate, Getränke und Sandwiches in den Verkaufsregalen. Tobler: «Das Take-away-Angebot wird weiter wachsen.»

In der Gastronomie hat das Familienunternehmen mit dem Mill’Feuille neue Wege beschritten. Es bietet eine Mischung aus Café mit Frühstück und gehobener Küche mit mehrgängigen Menüs. Plant Hug weitere Lokale in diesem Stil? Tobler: «Das Restaurant läuft sehr gut, wir sind zufrieden. Wir beobachten den Markt und prüfen allfällige Gelegenheiten.»

Jowa – Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern

Migros-Bäckerei — Die Jowa AG gehört zu den Industriebetrieben der Migros. In ihr sind alle Bäckereien der Genossenschaft zusammengefasst. Die Jowa AG ist eine der grössten Bäckereien des Landes und hat ihren Sitz in Volketswil ZH. Die Migros-Tochtergesellschaft betreibt elf regionale Bäckereien, eine Hartweizenmühle, eine Teigwarenfabrik und einen Standort für glutenfreie Produkte.

Auch unter dem Dach von Jowa befinden sich die rund hundert Hausbäckereien der grösseren Migros-Verkaufsstellen. «Mit der Mehrheitsbeteiligung an der Bäckerei Hug gelingt es, das bestehende Angebot in der Zentralschweiz zu ergänzen und uns regional noch stärker zu verankern. Hug wird in M-Industrie überführt und in der Gruppe konsolidiert», sagt Jowa-Sprecherin Heike Zimmermann. Jowa ist in allen Regionen der Schweiz präsent und beschäftigt mehr als 3000 Mitarbeitende. Sie stellen über 3000 verschiedene Produkte her und produzieren in einem Jahr mehr als 166 000 Tonnen Esswaren. (rr)


Leserkommentare

Anzeige: