Kühne+Nagel baut Marktanteile aus

LOGISTIK ⋅ Der Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im ersten Halbjahr seine Marktstellung in den Kernbereichen See- und Luftfracht weiter ausgebaut. Auf dem Expansionskurs konnte die Profitabilität aber nicht mithalten.
Aktualisiert: 
18.07.2017, 14:00
18. Juli 2017, 07:30

Kühne+Nagel hat seinen Wachstumskurs seit Anfang Jahr beschleunigt. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz um 8,2 Prozent auf 8,8 Milliarden Franken.

Für ein Logistikunternehmen aussagekräftiger als der Umsatz ist der Rohertrag. Er erhöhte sich um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken. Der Rohertrag ergibt sich, wenn man vom Umsatz die oft volatilen Frachtraten abzieht, die bei den Logistikern anfallen.

Gleichzeitig mit dem Halbjahresresultat gab der Konzern am Dienstag die Übernahme der auf den Transport von verderblichen Waren spezialisierten Spediteure Commodity Forwarders Inc (CFI) in den USA sowie von Trillvane Ltd in Kenia bekannt.

Das Potenzial beim Transport verderblicher Ware sei immens, heisst es in der Mitteilung. Die US CFI befördert Meerestiere, Agrarprodukte und Blumen. Trillvana transportiert vor allem Blumen und Gemüse nach Europa.

Kampf um Profitabilität der Seefracht

Im ersten Halbjahr gegenteilig zum Wachstumskurs entwickelte sich der operative Gewinn (EBIT). Dieser reduzierte sich um 0,7 Prozent auf 452 Millionen Franken. Der Reingewinn stagnierte bei 355 Millionen Franken.

Besonders unter Druck blieben die Margen in der grössten Sparte Seefracht. Der Betriebsgewinn (EBIT) sank von 221 Millionen Franken im Vorjahr auf 198 Millionen Franken. Das Volumen der abgefertigten Standardcontainer (TEU) erhöhte sich um 7,7 Prozent.

Die Volumensteigerung liegt deutlich über dem Marktwachstum, wie Kühne+Nagel weiter mitteilte. In Lateinamerika und bei den Kühlcontainterverladungen sei sogar ein zweistelliges Wachstum erzielt worden.

In der Luftfracht legte die Tonnage im zweiten Quartal mit 18 Prozent doppelt so schnell zu als der Markt. Massgeblich dazu beigetragen habe die starke Nachfrage nach industriespezifischen Luftfrachtlösungen. Neugeschäfte gewannen vor allem die Bereiche Pharma, Luft- und Raumfahrt sowie verderbliche Güter.

Kostenkontrolle und die Automatisierung der Prozesse konnten dem Margendruck entgegenhalten. Der Betriebsgewinn (Ebit) verbesserte sich in der Luftfracht um 2,7 Prozent auf 151 Millionen Franken.

Gewachsen ist auch die Sparte Landverkehre. Der Rohertrag wurde um 3,5 Prozent gesteigert. Besonders erfreulich war die operative Leistung. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte von 17 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2016 auf 29 Millionen Franken.

In der Kontraktlogistik wurden in der Berichtsperiode 540'000 Quadratmeter Lager- und Logistikfläche gewonnen. Der Rohertrag erhöhte sich um 6,6 Prozent und der Betriebsgewinn (EBIT) gar um 5,7 Prozent.

Zuversicht trotz Gegenwind

Konzernchef Detlef Trefzger will sich im zweiten Halbjahr wieder auf Volumenzuwachs konzentrieren - organisch und mit weiteren Übernahmen. Im Fokus habe er zudem weitere Produktivitätssteigerungen.

Verwaltungsratspräsident Jörg Wolle zeigte sich zuversichtlich für die weitere Unternehmensentwicklung. Auch wenn erwartet werden müsse, dass die See- und Luftfrachtmärkte nach wie vor herausfordernd und volatil bleiben würden.

Kurz nach Börseneröffnung legte die Aktie von Kühne+Nagel knapp 1 Prozent zu.

(sda)

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