Kopf des Tages

Milliardär auf Glatteis

DENNER-ERBE ⋅ Philipp Gaydoul war einst der jüngste CEO der Schweiz. Mit 35 war er bereits Milliardär. Nun droht dem Unternehmer eine Pfändung. Um Geld geht es dabei kaum.
13. September 2017, 07:58

Gregory Remez

Eigentlich wollte es Philippe Gaydoul ruhiger angehen lassen. Letztes Jahr gab er den Chefposten bei seinem Hauptinvestment, der Schuhkette Navyboot, ab. Die Leitung seines zweiten grossen Investments, der Wintersportmarke Jet Set, legte er in die Hände einer erfahrenen Managerin.

Doch der Plan eines schleichenden Ruhestands scheiterte. Als der Navyboot-CEO im letzten Herbst aus familiären Gründen ausfiel, musste Gaydoul wieder selbst ran. Und nun droht dem introvertierten Unternehmer auch noch juristisches Ungemach. Laut dem «Tages-Anzeiger» will der EHC Kloten Gaydouls Haus am Zürichsee pfänden – weil dieser angeblich über kein bewegliches Vermögen verfügt. Die angedrohte Pfändung ist der vorläufige Höhepunkt eines Rechtsstreits, der nun schon seit über einem Jahr andauert.

Die Kloten Flyers und Besitzer Hans-Ulrich Lehmann verlangen von Gaydoul eine Million Franken. Sie berufen sich auf eine Vereinbarung von 2015, als Gaydoul seine Aktienmehrheit der EHC Kloten Sport AG an die nordamerikanische ASE-Gruppe übergeben hatte und zusicherte, im ersten Jahr zwei und im zweiten Jahr eine Million Franken des Verlusts zu decken.

Nach nur einem Jahr stiessen die Nordamerikaner ihre Aktien wieder ab und Lehmann rettete– wie Gaydoul schon 2012 – den Club. Die erste Zahlung hatte Gaydoul da schon geleistet, die zweite aber verweigerte er. Aus seiner Sicht erlosch mit dem Besitzerwechsel auch seine Verpflichtung. Lehmann sieht dies freilich anders – und leitete zunächst die Betreibung und dann die Pfändung des ehemaligen Clubpräsidenten ein.

Gaydoul bestreitet, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. «Es ist ein Witz, wenn geschrieben wird, ich würde nicht über das Geld verfügen. Die Summe ist längst auf einem Sperrkonto deponiert. Das ist keine Geldgeschichte», sagte er gestern dem «Blick». Vielmehr dürfte es dem 45-Jährigen um einen Seitenhieb an Lehmann gehen, der nach der Übernahme Dinge posaunt hatte wie: «Gaydoul war keiner, der hinschaute, wenn es stank.» Anders ist es kaum zu erklären, wieso ein steinreicher Unternehmer die Zahlung einer vertraglich festgeschriebenen Million verweigert, nachdem er zuvor freiwillig über 20 Millionen in den Club steckte.

Die Fehde mit Lehmann ist denn auch ein Kapitel, das so gar nicht zu Gaydouls Saubermann-Image und dessen kometenhaftem Aufstieg passen will. Mit 26 Jahren war Gaydoul eine Zeit lang der jüngste CEO der Schweiz. Der Enkel des legendären Denner-Gründers Karl Schweri (1917–2001) schaffte es beim Discounter seines Grossvaters bis ganz an die Spitze. 2005 kürte ihn die «Handelszeitung» zum «Unternehmer des Jahres»; dank seiner Strategie hatte sich Denner als Nummer drei im Schweizer Lebensmittelhandel etabliert. 2007 verkaufte er Denner schliesslich der Migros und wurde Milliardär – ein Husarenstück, das dem Mann ohne Hochschulabschluss nur wenige zugetraut hatten.

Heute wird das Vermögen der Familie Gaydoul-Schweri auf 1,25 Milliarden Franken geschätzt. Dagegen ist selbst Multimillionär Lehmann ein kleiner Fisch.


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