Note 4 für die Pensionskassen

VORSORGE ⋅ Die Schweizer Pensionskassen sind trotz anhaltendem Tiefzins-Umfeld insgesamt zufriedenstellend aufgestellt. Zu diesem Schluss kommt der Fondsanbieter Swisscanto in seiner diesjährigen Pensionskassen-Studie.
18. Mai 2017, 07:58

Die Schweizer Pensionskassen haben im vergangenen Jahr eine Rendite von durchschnittlich 3,6 Prozent erwirtschaftet und den Anlageerfolg im Vorjahresvergleich damit markant gesteigert (2015: 1,1 Prozent). Die Umfrage unter Schweizer Pensionskassen, wie sie Swisscanto, die Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank, zum 17. Mal durchgeführt und am Mittwoch in Zürich präsentiert hat, stellt den Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule eine insgesamt «zufriedenstellende» Note aus.

Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre, in denen die Kassen ihre Zielrenditen fünfmal zum Teil stark verfehlt haben, löst die letztjährige Übererfüllung (durchschnittliche Zielrendite: 3,4 Prozent) bei den Swisscanto-Experten aber verständlicherweise noch keine Begeisterung aus. Die Zurückhaltung ist umso angebrachter, als die befragten Vorsorgeeinrichtungen ihre Zielrenditen für das laufende Jahr weiter auf 3,1 Prozent gesenkt haben.

Ungleiche Verteilung

Als Folge der gedrückten Renditeerwartungen auf den Finanzmärkten sehen sich die Kassen gezwungen, auch den technischen Zinssatz weiter zu reduzieren. Der technische Zinssatz gibt an, zu welchem Satz das Alterskapital der Versicherten voraussichtlich verzinst werden kann. Dieser technische Zinssatz betrug für private Kassen 2016 noch 2,2 Prozent und für öffentlich-rechtliche Kassen 2,6 Prozent. Tatsächlich verzinst wurden die Sparkapitalien 2016 mit durchschnittlich 1,72 Prozent, was immer noch deutlich mehr ist als die gesetzlich vorgeschriebene Mindestverzinsung von 1,25 Prozent. Doch die Verteilung der Früchte zwischen aktiv Versicherten und Rentnern ist nicht gleich. Die Kapitalverzinsung für Rentner betrug für private Kassen im Durchschnitt 2,53 Prozent, jene für Aktive nur 1,72 Prozent.

Um für diese laufende Quersubventionierung einen teilweisen Ausgleich zu schaffen, senken die Kassen den Satz, nach dem das vorhandene Altersguthaben in die jährliche Rente umgerechnet wird – den sogenannten Umwandlungssatz. Dieser erreichte 2016 für die sogenannten «umhüllenden» Kassen, die 85 Prozent der Versicherten abdecken, durchschnittlich 6 Prozent. Damit hat der Umwandlungssatz bereits das Niveau erreicht, wie es die grosse Reform Altersvorsorge 2020 dereinst festschreiben will. «Realität und Gesetz klaffen auseinander und werden dies ungeachtet der im Herbst stattfindenden Volksabstimmung über die Rentenreform mit wachsendem Ausmass tun», heisst es.

«Überraschend hoch» ist auch für die Experten die Zahl der vorzeitigen Pensionierungen, die erstmals abgefragt wurde. Sie liegt bei privaten und öffentlich-rechtlichen Kassen gleichermassen bei 58 Prozent. Das mittlere, effektive Rücktrittsalter liegt rund eineinhalb Jahre vor dem offiziellen Rentenalter. Der Befund ist erstaunlich und passt schlecht in die aktuelle Diskussion über eine Erhöhung des Rentenalters. Leider leuchtet die Swisscanto-Umfrage die Hintergründe dieses Befundes nicht näher aus. Fakt ist aber, dass sich Normalverdiener Frühpensionierungen bei den gängigen Plänen kaum mehr leisten können. Die grosszügigen Leistungspakete, wie sie noch vor wenigen Jahren üblich waren, sind nach Aussagen von Branchenkennern kaum mehr anzutreffen. Pro Jahr, das ein Rentner seine BVG-Leistung vor dem gesetzlichen Pensionsalter bezieht, sinkt der Umwandlungssatz um rund 0,15 Prozent. Allein dadurch sinkt die Rente aus der zweiten Säule um rund 10 Prozent. Hinzu kommen wesentliche Abstriche bei den Altersgutschriften. Vor diesem Hintergrund wäre eine Vertiefung des Umfragebefundes dringend angezeigt.

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch


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