«Päckli-Fabrik» stösst an Grenzen

WILLISAU ⋅ Die Mutterfirma des Onlinehändlers Brack.ch will in Willisau in die Höhe bauen. Das Projekt ist jedoch wegen einer Einsprache blockiert. Nun sucht CEO Roland Brack eine Zwischenlösung in der Region.
11. Mai 2017, 07:43

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

«Die Zeit drängt», sagt Roland Brack. Der Chef und Inhaber der aargauisch-luzernischen Handelsgruppe Competec ist eigentlich ein geduldiger Mensch. Doch in dieser Sache eilt es mittlerweile: Die Firma, die unter anderem den Online-Shop Brack.ch betreibt, möchte ihren Logistiksitz in Willisau ausbauen. 50 Millionen Franken will der Fricktaler Unternehmer in einen Neubau in Willisau investieren (Ausgabe vom 2. September 2016).

Mit dem neuen Gebäude soll die Lagerfläche in Willisau um einen Drittel vergrössert werden. Weil das Gebäude über 31 Meter hoch werden soll, wird der Platz im Vergleich zu heute mehr als verdoppelt. Oder in Zahlen ausgedrückt: Auf rund 10 000 Quadratmetern Landfläche sollen über 20 000 Quadratmeter Nutzfläche geschaffen werden. Langfristig rechnet Roland Brack dadurch mit einer Verdoppelung des Gruppenumsatzes von aktuell 600 Millionen Franken. Zudem soll die Belegschaft in Willisau von derzeit 150 auf bis zu 250 Personen wachsen.

Doch mittlerweile hat das Projekt ein Jahr Verzögerung. Zwei Privatpersonen aus Willisau wollen die Höhe eines allfälligen Neubaus auf maximal 20 Meter begrenzen lassen. Man müsse auch Orts- und Landschaftsschutz sowie private Interessen gebührend berücksichtigen, lautet ihre Argumentation. Die Nachbarn haben das Luzerner Verwaltungsgericht eingeschaltet, das demnächst entscheiden wird, ob Competec das Gebäude in der geplanten Höhe bauen darf oder nicht. Beim Streit geht es darum, dass das geplante Gebäude die Aussicht der beiden Privatpersonen tangieren würde. «Erlaubt wäre eine Höhe von bis zu 35 Metern», rechtfertigt sich Brack. Darum ist er zuversichtlich, dass ihm das Gericht Recht geben wird.

Der Entscheid könnte allerdings bis ans Bundesgericht in Lausanne weitergezogen werden. Es droht also eine weitere Verzögerung. Eine Möglichkeit zur Schlichtung könnte sein, das Gebäude weniger hoch zu bauen als geplant. Das widerstrebt Roland Brack aber: «Indem wir in die Höhe bauen, tragen wir auch zum Landschaftsschutz bei. Statt alles zuzubetonieren, bauen wir kompakt.» Weil das Logistikgebäude in Willisau heute schon fast aus allen Nähten platzt, sucht Brack derzeit ein Zwischenlager, um die Kapazität des Lagers kurzfristig zu erweitern, bis die erhoffte Zusage für den Neubau kommt.

Das Areal der ehemaligen Glasi Wauwil könnte als Zwischenlösung dienen, doch entschieden sei noch nichts, sagte Roland Brack gestern anlässlich einer Medienveranstaltung in Willisau. Lieber wäre ihm, wenn er noch im Sommer mit dem Bau beginnen könnte, sodass das neue Gebäude in einem Jahr in Betrieb genommen werden kann. Ursprünglich war der Baustart für Mitte 2016 vorgesehen.

Kein Wegzug geplant

Obwohl der Streit für Brack nervenaufreibend ist, kommt für ihn ein Wegzug aus Willisau nicht in Frage. «Wir sind nach Willisau gekommen, um zu bleiben», sagt er entschieden. So hat sich Competec ein Kaufrecht für weitere angrenzende 20 000 Quadratmeter Industrieland von der Korporation Willisau gesichert. Competec ist erst seit 2012 in Willisau präsent. Dort waren vor elf Jahren 240 Arbeitsplätze verloren gegangen, als der dänische Spielzeughersteller Lego sein Werk schloss und die Stellen nach Tschechien verlagerte.

Heute nennt Roland Brack sein Lager in Willisau «Päckli-Fabrik». Und diese Fabrik brummt: Die Competec-Gruppe mit Hauptsitz im aargauischen Mägenwil, zu der neben Brack.ch etwa auch Babymüller.ch, Jamei oder Sport360 gehören, steigerte letztes Jahr ihren Umsatz um 13 Prozent. Der Personalbestand hat um 51 Mitarbeitende zugenommen und umfasste Ende 2016 gruppenweit 534 Personen. 1,5 Millionen Pakete verliessen letztes Jahr das Logistikzentrum in Willisau – in naher Zukunft soll sich dieser Wert verdoppeln.

Wachstum um jeden Preis

Dieses Wachstum ist typisch für den Online-Handel. In dieser Branche lautet die Devise: immer mehr, immer schneller. Darum sind ein Ausbau des Sortiments und eine schnelle Logistik zentral, wenn sich Competec auch in Zukunft mit den beiden Riesen Migros (Galaxus, Digitec) und Coop (Microspot, Interdiscount) sowie mit ausländischen Anbietern wie Alibaba, Amazon oder Zalando messen will. Competec hat in den letzten zwei Jahren 20 Millionen Franken in die Logistik investiert.

Dabei verkauft Brack.ch längst nicht nur Elektronik. Zum Sortiment gehören zum Beispiel auch Babyartikel, Musikinstrumente, Spielsachen oder Waschmaschinen. «Wir wollen demnächst auch Artikel für Haustiere verkaufen», kündigte Roland Brack gestern an.

Video: Vollautomatische Logistikanlage bei Competec in Willisau

Competec hat in Willisau eine zweite vollautomatische Logistikanlage eröffnet. Roland Brack, CEO von Competec, erklärt, wie die Anlage funktioniert. (Maurizio Minetti, 10.05.2017)




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