Per App zum Vorsorgevermögen

START-UP ⋅ Der Luzerner Christian Mathis half mit, eine App für die freiwillige Vorsorge 3a zu entwickeln. Herausgekommen ist ein Digitalprodukt, das einfach zu bedienen ist. Zielpublikum sind die Jungen.
Aktualisiert: 
07.12.2017, 09:00
07. Dezember 2017, 07:32

Rainer Rickenbach

Was lässt sich mit der dritten Säule an Steuern sparen? Wer seine Vorsorge 3a auf der Smartphone- App Viac eingerichtet hat, kann sich per Chat bei den Applikationsbetreibern danach erkundigen. Was vor allem smartphonegeübten Jungen leichter fällt, als im Sitzungszimmer einer Bank vorzutraben. Mit Viac können sie das freiwillige Vorsorgesparen von A bis Z digital abwickeln. Ein Smartphone genügt dazu.

«Viele scheuen den Gang zur Bank und informieren sich lieber auf dem Smartphone als bei einem Bankberater. Diese Sparer sind bei uns bestens aufgehoben», sagt der Luzerner Christian Mathis (31). Er ist Mitbegründer des Start-up. Dessen Kunden würden unabhängig beraten, versichert er. «Bankberater sind verpflichtet, eigene Vorsorgeprodukte zu verkaufen. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir haben die Produkte nach Effizienz und Preis ausgewählt.»

Drei Jungunternehmer stehen hinter Viac

Die Idee für dieses Geschäftsmodell hatte Daniel Peter (30), einer der drei Viac-Jungunterunternehmer, vor zweieinhalb Jahren. Er tat sich mit seinem früheren Arbeitskollegen Mathis zusammen, mit dem er bei der Luzerner Privatbank Reichmuth Erfahrung im Anlagegeschäft gesammelt hatte. Der Dritte im Bunde ist Jonas Gusset (30). Mathis ist der Praktiker, Peter der Ideengeber und Gusset als Doktor der Finanzmarkttheorie der Wissenschafter. Der Firmensitz von Viac ist in Luzern.

Die drei standen auf der Suche nach einem passenden Partner mit einem halben Dutzend Banken in Kontakt. «Die Verhandlungen mit den Banken zerschlugen sich. Denn sie wollten alle ihre eigenen Vorsorgeprodukte platziert sehen. Diese hätten aber Gebührenkosten von 1,5 Prozent oder mehr mit sich gebracht», so Mathis. Schliesslich stiessen die drei Firmengründer bei ihrer Suche auf die WIR Bank Genossenschaft in Basel. Die KMU-Bank lebt vom Zinsgeschäft, bietet keine eigenen Vorsorgefonds an und verfolgt darum keine eigenen Interessen bei Anlageprodukten. Viac spannte mit der Vorsorgestiftung Terzo der Genossenschaftsbank zusammen. Die App entwickelten die drei Jungunternehmer in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Softwarehersteller Ergon.

Die Kosten, zu denen die Terzo Vorsorgestiftung das Produkt über Viac anbietet, sind günstig. Je nach Vorsorgeprodukt belaufen sie sich auf 0,17 bis 0,72 Prozent. Mathis: «Nach unseren ­Berechnungen sind wir durchschnittlich um 65 Prozent günstiger als vergleichbare Bankprodukte. Gerade bei der dritten Säule mit ihrem langen Anlagehorizont fallen die geringeren Unkosten stark ins Gewicht».

Wer jährlich den Maximalbetrag von gegenwärtig 6768 Franken in eine Wertschriftenlösung mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent einzahlt und rund 0,8 Prozent weniger Gebühren bezahlen muss, spart nach den Berechnungen von Mathis bis zum Alter von 65 über 100000 Franken. «Die Bedeutung der Gebührenersparnis mit dem einhergehenden Zinseszinseffekt wird bei langfristigen Anlagen oft unterschätzt», so Mathis. Zu den tiefen Kosten tragen die Vorsorgeprodukte entscheidend bei: Es handelt sich bei Viac um passive Fonds wie ETF und Indexfonds. Zudem entfällt der teure Verkaufsapparat, die Banken in diesem Geschäft benötigen. Auf die nicht investierten Barmittel gibt es immerhin 0,3 Prozent Zins – nicht schlecht in Zeiten von Negativzinsen.

Die Eröffnung des Vorsorgedepots und -kontos ist einfach, sie beansprucht keine zehn Minuten. Ist das Anlageprofil ausgefüllt, stehen sechs Anlagestrategien zur Auswahl, deren Aktienanteil bis zu 97 Prozent reicht. Wer will, ist schon mit 1 Franken dabei.

800 Eröffnungen in zwei Wochen

Gestartet mit ihrer App sind die drei Jungunternehmer Ende November. «Schon nach zwei Woche hatten wir 800 Eröffnungen. Es läuft sehr gut an. Die meisten Kunden sind 35- bis 45-jährig», sagt Mathis. Zum Zielpublikum zählen indes auch noch jüngere Vorsorgesparer im Alter von 25 bis 35, die eine besonders hohe Affinität zum Smartphone haben. Mathis: «Für sie möchten wir die dritte Säule entstauben. Denn für die Jungen von heute ist selbstverantwortliche Vorsorge mit Blick auf die künftigen Renten-Probleme besonders wichtig.»

Vorsorgelaien finden auf der App und der Webpage zu 90 Fragen Antworten zur dritten Säule. Für weitere Unklarheiten gibt es die Möglichkeiten zum Chatten oder ein Infotelefon. Wer freilich ein persönliches Gespräch mit einem Vorsorgeprofi vorzieht, ist bei Viac an der falschen Adresse. «Wer das sucht, ist bei einer Bank besser aufgehoben», räumt Mathis ein.


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