Neue Triebwagen für die Pilatus-Zahnradbahn

KRIENS/ALPNACHSTAD ⋅ Die Pilatusbahnen haben das sechste Rekordjahr in Folge hinter sich. Sie verfügen nun über ein beträchtliches finanzielles Polster und investieren in den nächsten Jahren in die Zahnradbahn.
Aktualisiert: 
17.04.2018, 20:00
17. April 2018, 15:12

Rainer Rickenbach

779'420 Personen liessen sich im vergangenen Jahr auf den Pilatus transportieren. Fast drei Viertel von ihnen fuhren auf die Bergspitze, die andern bis zur Krienseregg oder zur Fräkmüntegg. Der Vorjahresvergleich lässt sich sehen, denn die Steigerung beläuft sich auf fast 100'000 Ausflügler. «Es war das sechste Rekordjahr in Folge», sagte Bahn-CEO Godi Koch am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz des Bergbahnunternehmens.

Folgerichtig klingelte es in der Firmenkasse hörbar. Die Pilatusbahnen steigerten ihren Umsatz um 5,7 Prozent und den Jahresgewinn um mehr als 7 Prozent. Besonders wichtig in der investitionsintensiven Bergbahnbranche: Der Cashflow summierte sich auf mehr als 10 Millionen Franken.

Acht Triebwagen in vier Jahren

Den Pilatusbahnen gelang es in den vergangenen sechs fetten Jahren, ein robustes finanzielles Polster anzulegen. Mehr als 37 Millionen Franken wurden für die anstehenden Investitionen zurückgestellt, hinzu gesellen sich eine Eigenkapitaldecke von 9,3 Millionen Franken und flüssige Mittel im Wert von 22 Millionen Franken. «Wir brauchen diese finanziellen Mittel für Investitionen. Unsere Strategie sieht vor, diese möglichst mit eigenen Mitteln zu bewältigen», erklärte Koch.

Der grösste Ausgabenposten steht für die Zahnradbahn auf der Strecke Alpnachstad bis Pilatus Kulm an. «Die Triebwagen sind seit 80 Jahren in Betrieb. Sie gelangen langsam ans Ende ihres Lebenszyklus», sagte Verwaltungsratspräsident Bruno Thürig. Die zehn Triebwagen werden durch acht neue ersetzt. Ausserdem soll der Bau eines weiteren Perrons in der Talstation während der Spitzenzeiten den Halbstundentakt erlauben. «So sollte es uns gelingen, die Wartezeiten über die Mittagszeit zu reduzieren», sagte Koch.

Noch sind die Planungsarbeiten für die Erneuerung der steilsten Zahnradbahn der Welt nicht abgeschlossen, bei Bahnprojekten ist der Bewilligungsmarathon besonders anspruchsvoll. Thürig: «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die neuen Bahnwagen in vier Jahren einzusetzen. Die Kosten dürften sich auf mindestens 30 Millionen Franken belaufen.» Nicht saniert werden muss das 128 Jahre alte Bahntrassee. Es sei in gutem Zustand und lasse sich mit den notwendigen Unterhaltsarbeiten noch lange nutzen.

Der Erneuerungsschub verschafft dem Bahnunternehmen die Möglichkeit, auf der Strecke ab Alpnachstad Wachstum zu generieren. «Im Sommer ist die Kapazitätsgrenze bei schönem Wetter stets erreicht. Die Herausforderung besteht darin, zu den Randzeiten und in der kälteren Jahreszeit zuzulegen», so Koch. In der Wintersaison ist die Zahnradbahn ausser Betrieb.

Weitere Investitionen in den nächsten beiden Jahren entfallen auf die Freizeitanlagen auf der Krienseregg und der Fräkmüntegg. Dort sind eine grössere Grillstation mit Kiosk, die erste Fly- Line-Anlage der Schweiz (eine Art Schlitten an einem Trägerrohrsystem) und ein Lehrpfad für Hochmoore (Krienseregg) geplant. Thürig rechnet dafür mit Kosten von insgesamt rund 3 Millionen Franken.

Mehr Individualgäste aus China

Der Start ins neue Jahr fiel für die Pilatusbahnen verhalten aus, da der Schneemangel in tieferen Lagen einen Strich durch die Rechnung der Schlittelsaison machte. «Ende März befanden wir uns aber bereits wieder auf Vorjahreskurs», so Koch. Er erwartet ein gutes Jahr, sofern das Wetter mitspielt. Denn der Zustrom an Gästen aus dem Fernen Osten und den USA wächst weiter, und dank dem stärkeren Eurokurs finden auch wieder mehr Reisende aus Europa den Weg in die Schweiz.

«Wir beobachten, dass aus China mehr und mehr Individualtouristen unterwegs sind. Das ist erfreulich», sagte Thürig. Gefragt bei den Touristen sind kombinierte Bahn- und Schifftouren wie die goldene Rundfahrt. Von ihr verkauften die Pilatusbahnen im vergangenen Jahr mehr als 30'000. Entscheidend für die Pilatusbahnen sind indes die Schweizer Gäste, sie machen rund die Hälfte der Passagiere aus. «Es ist unser stra­tegisches Ziel, den Anteil der einheimischen Passagiere bei 50 Prozent zu halten. Um es zu steuern, verteuern wir die Gruppenpreise in der Hochsaison. Allerdings bringt uns das Gruppen­geschäft auch an Regentagen Auslastung», erklärte Thürig.


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