Startfreigabe für den Pilatus-Jet

FLUGZEUGBAU ⋅ Pilatus hat in der Nacht auf Freitag grünes Licht der amerikanischen und europäischen Zulassungsbehörden erhalten. Bereits im Januar erhält ein Kunde den ersten Jet.
Aktualisiert: 
08.12.2017, 12:00
08. Dezember 2017, 07:39

Roman Schenkel

Über 11 Jahre haben die Arbeiten am neuen Jet von Pilatus gedauert. Seit Freitag hat Firmenpatron Oscar J. Schwenk (72) Gewissheit, dass der PC-24 ein Erfolg wird. In der Nacht auf Freitag sind die finalen Zertifikate der europäischen und amerikanischen Zulassungsbehörden eingetroffen. «Es ist nur ein Papier mit einem Satz zum PC-24 und vielen Stempeln drauf, für uns ist es aber eine unglaubliche Nachricht», sagt Schwenk am Telefon. Denn erst mit der Zertifizierung hat das Flugzeug, an dem seine Firma seit über einem Jahrzehnt arbeitet, auch einen Wert. «Nun können wir die 84 PC-24, die bestellt wurden, auch verkaufen und ausliefern», erklärt der Pilatus-Verwaltungsratspräsident.

Für die Zertifizierung des Fliegers war ein Mammutprogramm notwendig. Seit dem Erstflug im Mai 2015 mit dem ersten von drei PC-24-Prototypen sind die Testpiloten weltweit 2205 Stunden geflogen. Dabei wurden Flugversuche unter Extrembedingungen absolviert: bei eisiger Kälte und in extremer Hitze, in grosser Höhe und am Geschwindigkeitslimit. Hinzu kamen weitere Tests wie Vogelschlag, Strukturbelastungsversuche und Geräuschimmissions-Prüfungen sowie allgemeine Funktions- und Zuverlässigkeitstest. «Die Pilatus Testpiloten haben das erflogen, was ein Berufspilot später nie umsetzen darf und gingen so ans Limit, ja mussten sogar darüber hinausgehen», erzählt Schwenk. Denn für sämtliche Extremwerten mussten die Piloten eine zusätzliche Sicherheitsmarge erfliegen. «Das ist sehr anspruchsvoll, man weiss ja nicht, wie der Flieger reagiert», sagt Schwenk.

Bei den Tests im spanischen Granada war deshalb beim Testflieger am Heck ein grosser Fallschirm eingebaut, der im Fall der Fälle hätte geöffnet werden können um das Flugzeug abzubremsen und zu stabilisieren. Zudem war die Passagiertüre aus Plexiglas und mit Sprengschnüren versehen. Ein Schleudersitz hätte den Piloten bei einem drohenden Absturz rausbefördert. «Beides kam aber nicht zum Einsatz», betont Schwenk. Die Tests waren sogar so erfolgreich, dass sämtliche Leistungsdaten, welche Pilatus seinen Erstkunden versprochen hatte, übertroffen wurden. Der PC-24 erreicht nun beispielsweise eine Maximalgeschwindigkeit von 440 Knoten (815 km/h) statt den vertraglich vereinbarten 425 Knoten (787 km/h).

Acht PC-24 befinden sich derzeit in Stans in der Endmontage. Der erste steht bereits fixfertig in der Halle. «Wenn es das Wetter zulässt, soll er am Samstag eingeflogen werden», sagt Schwenk. Nach den drei Prototypen ist es der erste Serienflieger, der vom Stapel läuft. Noch im Dezember wird er von einer unabhängigen Prüfstelle abgenommen und schon im Januar wird er an den ersten Käufer ausgeliefert, ein amerikanisches Flugzeug-Sharing-Unternehmen. Die Firma PlaneSense hat eine lange Geschäftsbeziehung zu Pilatus. Insgesamt hat sie bereits 60 PC-12 gekauft, nun kommen noch fünf PC-24 hinzu.

Bis jetzt hat Pilatus von den 84 Erstkäufern erst eine tiefe Grundanzahlung bekommen. «Mit der Zertifizierung erfolgt nun eine substanzielle Anzahlung durch die Käufer», sagt Schwenk. Im Schnitt kostet ein PC-24 rund 9 Millionen Dollar. Für das Unternehmen sei es wichtig, dass nun auch Geld zurückfliesse, sagt Schwenk. Denn der Kapitalbedarf war hoch: 500 Millionen Franken hat Pilatus in das PC-24 Entwicklungsprogramm gesteckt. Daneben wurden über 150 Millionen Franken in Gebäude und modernste Maschinen am Werkplatz Stans eingesetzt, um die Serienproduktion des PC-24 parallel aufbauen zu können. Zudem baut Pilatus in den USA – einem der wichtigsten Märkte – ein neues Werk für den Endausbau. «Für die amerikanischen Kunden soll dort die Innenausstattung ausgeführt werden», erklärt Schwenk. Für die Vorproduktion seien noch weitere 200 Millionen Franken hinzugekommen.

Eine Grossinvestition war auch der PC-24-Flugsimulator, den Pilatus zusammen mit der Firma Flight Safety gebaut hat. Dieser steht in Dallas und hat laut Schwenk «mehrere Millionen Dollar» gekostet. Jeder Pilot, der künftig den Jet von Pilatus fliegen will, muss dort eine bestimmte Zahl an Flugstunden absolviert haben.

Im Jahr 2018 will Pilatus insgesamt 23 Flugzeuge an die Kunden ausliefern. Der Bundesrat muss sich noch ein Jahr gedulden, bis er mit einem Jet aus Schweizer Herstellung auf Staatsbesuch gehen kann. Laut Schwenk erhält der Bund seinen Flieger voraussichtlich Anfang 2019. Mit den restlichen 61 Jets aus der Vorbestellung sei Produktion bis Mitte 2020 ausgelastet, sagt Schwenk. Noch sei es nicht definiert, wann das nächste Bestellfenster aufgeht – frühestens Ende 2018 wird es laut Pilatus so weit sein. Schon jetzt ist klar, dass das Interesse riesig ist: Pilatus habe bereits eine lange Liste mit Kunden, die am liebsten schon heute bestellen möchten. «Der PC-24 wird die Firma in den nächsten 40 Jahren über Wasser halten», ist Schwenk dehalb überzeugt.
 

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