Ringier schliesst Druckerei mit 172 Mitarbeitern in Adligenswil

LUZERN ⋅ Der Medienkonzern Ringier verliert zwei grosse Zeitungsdruck-Aufträge. Er gibt darum sein Druckereizentrum in Adligenswil Ende 2018 auf. 172 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.
Aktualisiert: 
08.11.2017, 22:00
08. November 2017, 14:45

Rainer Rickenbach

Die Druckmengen werden seit Jahren massiv weniger (Grafik) und die Preise für die Druckerzeugnisse befinden sich im freien Fall. Der Medienkonzern Ringier verliert zudem im Printgeschäft zwei grosse Kunden: Im Sommer sickerte durch, dass die Migros ihre Zeitung ab 2019 nicht mehr in Adligenswil drucken lässt. Ihre Wochenzeitung verfügt über eine Auflage von mehr als 2 Millionen, einen schönen Teil davon liess sie im Druckereizentrum drucken.

Am Dienstag gab die NZZ-Mediengruppe bekannt, die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben ab 2019 nicht mehr bei Ringier, sondern bei Tamedia («Tages-Anzeiger») in Zürich drucken zu lassen. Mit ihr entgeht Ringier ein Druckauftrag für eine Zeitung mit der Auflage von fast 118 000.

LZ und «Blick» werden bei Tamedia gedruckt

Die Konzernführung von Ringier kam vor diesem Hintergrund zum Schluss, aus dem Druckgeschäft für Zeitungen auszusteigen. Die Druckmaschinen in Adligenswil werden ab Ende 2018 stillstehen. Die Ringier-Zeitungen «Blick», «Blick am Abend», «Sonntagsblick», «Handelszeitung» sowie «Le Temps» lässt der Zürcher Konzern ab dann ebenfalls bei Tamedia drucken.

Dort gehen seit zwei Jahren die NZZ und ihre Sonntagsausgabe von der Druckmaschine. Die Rollenoffset-Druckerei für Magazine wie die «Schweizer Illustrierte» und Kataloge in Zofingen betreibt Ringier weiter. Dort sind insgesamt 280 Personen beschäftigt. «Der Zeitungsdruck in der Schweiz verzeichnet erhebliche Überkapazitäten, die Marktpreise sind enorm unter Druck geraten», begründet Ringier-CEO Marc Walder den drastischen Schritt.

Hauptursache für den Niedergang des Printgeschäftes ist der rasche Aufstieg der Onlinepublikationen. Für eine Druckerei wie in Adligenswil, die auf grosse Auflagen und Aufträge ausgerichtet ist, ist die Verschiebung von Print zu Online verheerend. Walder sagt, der Medienkonzern sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage, den Betrieb dort weiterzuführen. «Wir bedauern das sehr. Wir werden alles daran setzen, die bestmöglichen sozialverträglichen Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden», so Walder. Die Konzernführung informierte gestern Nachmittag die 172 Angestellten im Druckereizentrum. Das Konsultationsverfahren mit der Personalkommission hat bereits begonnen. Es besteht ein Sozialplan.

«Die Mitarbeitenden werden bis zur Schliessung Ende 2018 weiterbeschäftigt. Wir klären ab, wie weit sich ein Teil des Stellenabbaus mit Frühpensionierungen und Anschlusslösungen auffangen lässt», sagt Ringier-Sprecher René Beutner. Zu den Anschlusslösungen soll auch Tamedia beitragen: Alle neu zu besetzenden Stellen, die der Druckauftrag für die Ringier-Produkte mit sich bringt, werden den Angestellten in Adligenswil angeboten. Der Sozialplan sieht verlängerte Kündigungsfristen vor, für langjährige Mitarbeitende sollen die Fristen stärker gestreckt werden. Beutner: «Das Unternehmen unterstützt die Mitarbeitenden bei der Stellensuche und richtet befristete Lohndifferenzzahlungen aus.

Erstes Ziel ist es, möglichst für alle eine neue Beschäftigung zu finden.» Die Aufgabe des Druckereibetriebes bildet den Schlusspunkt eines Niedergangs, der schon seit Jahren im Gang ist und mit einigen Stellenabbau-Runden einherging. In den besten Zeiten arbeiteten mehrere hundert Personen im Adligenswiler Druckereizentrum, wo unter anderem die Europa-Ausgaben von «USA Today» und «Wallstreet Journal» ab der Druckerpresse liefen. Eröffnet wurde der zu seiner Zeit wohl modernste Druckereibetrieb Europas im Jahre 1977. Ringier liess dort auch die LNN drucken, eine der Vorgängerzeitungen der «Luzerner Zeitung».

Mit der LZ Medien AG waren die Kontakte eng: Sie nahm 1999 eine neue Druckmaschine in Betrieb, die in Adligenswil stand und von Ringier-Leuten bedient wird. «Es ist sehr bedauerlich, dass Ringier die Druckerei in Adligenswil schliessen wird. Wir haben die qualitativ hochstehende Arbeit und Zuverlässigkeit sehr geschätzt», sagt Jürg Weber, Leiter Regionalmedien bei der NZZ-Gruppe. «Mit Blick auf die sinkenden Auflagen war es aber eine Frage der Zeit, bis sich der Druckmarkt weiter konsolidiert, um die Überkapazitäten zu reduzieren und die teuren Anlagen möglichst gut auszulasten.»

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