Ringier schreibt wegen Druckerei Verlust

MEDIEN ⋅ Ringier verbucht für das vergangene Jahr einen Verlust. Vor allem die Rückstellungen für die Schliessung der Druckerei in Adligenswil fallen ins Gewicht. Die Mediengruppe wächst weiterhin im digitalen Bereich, hohe Einnahmen erzielt sie damit aber nicht.
11. April 2018, 15:44

Wie hoch der Verlust im Geschäftsjahr 2017 ist, bleibt unklar. Weder Ringier-Konzernchef Marc Walder noch Verleger Michael Ringier wollten ihn an der Bilanzmedienkonferenz vom Mittwoch in Zürich beziffern.

Als nicht-börsenkotiertes Familienunternehmen macht Ringier den Reingewinn nicht mehr publik. Im Jahresbericht wird stattdessen der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ausgewiesen. Dieser stieg zum dritten Mal in Folge an: von 108,3 Millionen Franken im Vorjahr auf 110,6 Millionen im Jahr 2017.

Klar ist hingegen, was massgeblich zum Verlust beigetragen hat, nachdem das Unternehmen 2016 noch einen Gewinn von 22,8 Millionen Franken geschrieben hatte: Besonders stark ins Gewicht fallen laut Walder die Rückstellungen für die Schliessung der Druckerei in Adligenswil LU. Sie war im November angekündigt worden und soll Ende 2018 vollzogen werden.

Walder: "Video frisst TV"

Während Zeitungen und Zeitschriften an Bedeutung verlieren, wird das digitale Geschäft für Ringier wie für andere Verlagshäuser immer wichtiger. Inzwischen erwirtschaftet die Gruppe bereits 66 Prozent des Betriebsgewinns damit. Im Vorjahr waren es 62 Prozent gewesen, im Jahr 2012 noch null. Ein grosser Teil davon kommt von den Marktplätzen wie Immoscout oder Jobcloud.

Zum Umsatz trägt dieser Bereich allerdings lediglich 42 Prozent bei. Insgesamt seien die digitalen Erlöse klein im Vergleich zum Gesamterlös, sagte Walder. Auch Journalismus im Netz ist ein hartes Pflaster: "Digitaljournalismus ist teurer als Printjournalismus."

Eine Erfolgsgeschichte zeichnet sich bei den Videos ab. Die Blick-Gruppe innerhalb von Ringier baute diesen Bereich 2017 nochmals aus und erreichte insgesamt 360 Millionen Video-Views. Walder folgerte: "Videos fressen das klassische TV."

Von Mafia bis Erdogan

Trotz des digitalen Wandels und der massgeblichen Einnahmen aus nichtjournalistischen Angeboten: Das Kerngeschäft bleibe der Journalismus, sagte Walder. "Ringier steht für unabhängigen Journalismus." Als Beispiel nannte er den Fall des ermordeten Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak, der für ein Portal von Ringier Axel Springer Slovakia arbeitete. Ringier setzt laut Walder alles daran, dass seine Recherchen um Mafia-Verstrickungen weitergeführt werden.

Auch in der Schweiz ist die Ringier-Leitung zufrieden mit der journalistischen Leistung. Namentlich erwähnt wird im Jahresbericht etwa der "Blick", der den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan dazu brachte, eine "Blick"-Titelseite zum Referendum erbost live am türkischen Fernsehen zu zeigen. Ein Interview mit alt Bundesrätin Eveline Widmer Schlumpf habe ferner die Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform messbar beeinflusst. (sda)


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