Schmolz+Bickenbach nach erfolgreichem Quartal zuversichtlich

LUZERN ⋅ Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat im dritten Quartal 2017 von höheren Verkaufspreisen profitiert. Umsatz und Betriebsgewinn wuchsen. Unter dem Strich blieb aber ein Minus. Sorge bereiten dem Konzern steigende Preise für Graphitelektroden und Feuerfestmaterialien.
Aktualisiert: 
09.11.2017, 12:00
09. November 2017, 07:24

Mit einem um 14,4 Prozent höheren Umsatz von 611 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal und einem Betriebsgewinn (EBITDA), der um 34,4 Prozent auf 37,1 Millionen Euro anstieg, habe man ein solides Quartalsergebnis erzielt, welches vollumfänglich den Erwartungen entspreche, sagte Konzernchef Clemens Iller an der Telefonkonferenz am Donnerstag.

Doch trotz dieser deutlichen Verbesserung blieb es beim Konzernergebnis bei einem Minus von 7 Millionen Euro, nach einem Verlust in der Vorjahresperiode von 13,9 Millionen Euro.

Bei den Produktionsanlagen sei man wegen Wartungsarbeiten am Rande der Kapazität angelangt und habe daher zurückhaltend Aufträge angenommen. Die Stahlwerke in der Schweiz, in Frankreich und Kanada seien nahezu voll ausgelastet gewesen. In den USA sei die Auslastung verbessert worden, noch gab es aber freie Kapazitäten.

Auswirkung der Rheintalbahn-Sperrung

Die Absatzmenge stieg zwar zwischen Juni und September um 3,6 Prozent. Allerdings bremsten hier zwei Ereignisse die Entwicklung. Einerseits führten Restrukturierungen des Produkteportfolios bei Steeltec, wo man sich von nicht profitablen Produkten trennte, zu einer einer Reduktion von 10'000 Tonnen. Jährlich werden es künftig 30'000 Tonne sein.

Auch die Sperrung der Rheintalbahn-Strecke in Deutschland wirkte sich auf den Absatz aus. Wegen Mangel an verfügbaren Lastwagen reduzierte sich hier der Absatz um 6000 Tonnen. Das ergab ein Minus von 4 Prozent bei den Auslieferungen.

Sparprogramm vor Abschluss

Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Tonne stieg im dritten Quartal zum sechsten Mal in Folge, diesmal um 10,5 Prozent. Das Segment Qualitäts- und Edelbaustahl profitierte von der Stärke der europäischen Autoindustrie. Hier zeigte sich Schmolz+Bickenbach auch für die Zukunft zuversichtlich. In den Verhandlungen habe sich gezeigt, dass die Autohersteller eher mehr bestellen würden.

Aus operativer Sicht sei das Quartal eher ereignisarm aber stabil gewesen. Das Programm zur Kosteneinsparung von 70 Millionen Euro werde Ende 2017 abgeschlossen sein. Bis dahin werden weitere 70 Stellen abgebaut.

Der Personalbestand war im dritten Quartal fast auf dem Level der Vorjahresperiode. Während im Zuge der Restrukturierung in Deutschland 181 Stellen abgebaut worden waren, kamen durch höhere Auslastungen in Frankreich und Nordamerika sowie neue Standorte in China und Chile fast ebenso viele wieder dazu. In Dänemark konnte zudem ein ungenutztes Areal für 5,6 Millionen Euro verkauft werden.

Aufpreis wegen Preisanstieg

Beim Ausblick für das ganze Jahr bestätigt der Stahlkonzern seine im letzten Quartal angehobene Prognose. So rechnet das Management weiter mit einem um Sondereffekte bereinigten Betriebsgewinn (EBITDA) zwischen 200 und 220 Millionen Euro, wobei man eher zum oberen Ende dieser Marke tendiere.

Als Risiko erachtet Schmolz+Bickenbach den Anstieg der Kosten für Graphitelektroden und Feuerfestmaterialien. Jährlich verkaufe der Konzern davon 7000 bis 7500 Tonnen mit einem Tonnenpreis von 3000 Euro. In den letzten Monaten seien die Preise bis deutlich in den fünfstelligen Bereich angestiegen. Man sei hier im Gespräch mit Kunden und Lieferanten, auch was einen möglichen zusätzlichen Aufpreis angehe. (sda)

 

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