Seco verteidigt IT-Strategie

INLÄNDERVORRANG ⋅ Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren seien bereit für die Umsetzung des «Inländervorrangs light», sagt Seco-Direktionsleiter Boris Zürcher. Er wehrt sich gegen die Kritik an der Leistungsfähigkeit der Informatikprogramme.
09. August 2017, 05:00

Rainer Rickenbach

Ineffizient sei die Informationstechnologie (IT) und tauge nicht für die Umsetzung des «Inländervorrangs light». So kritisierte Bruno Sauter vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich in der «Sonntagszeitung» die Informatikprogramme der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Tino Senoner von der Stiftung für Arbeit und Weiterbildung doppelte nach: «Die Programme müssen dringend weiterentwickelt werden.» Für die IT der RAV ist das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zuständig.

Mit dem «Inländervorrang light» setzt der Bundesrat die Masseneinwanderungsinitiative um. Die Vernehmlassung dazu ist noch bis im September im Gang. Um Bewerbern aus der Schweiz bei Stellenbesetzungen den Vorrang gegenüber Ausländern zu gewähren, müssen Arbeitgeber künftig freie Stellen in Berufen mit einer landesweiten Arbeitslosenquote ab 5 Prozent den Arbeitsämtern melden. Die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren haben dann drei Tage Zeit, den Unternehmen geeignete Kandidaten für die freien Stellen vorzuschlagen.

Arbeitgeber müssen zirka 218 000 Stellen melden

Die neuen Abläufe sind mit einem beträchtlichen administrativen Aufwand verbunden. Nach Schätzung des Seco müssen die Arbeitgeber mit der neuen Regelung jährlich etwa 218 000 offene Stellen den RAV melden. Das sind 180 000 Stellen mehr, als in den betroffenen Berufs­arten im vergangenen Jahr gemeldet wurden. Bei den RAV werden dafür 270 zusätzliche Mitarbeitende notwendig – und eben eine leistungsfähige Software. Der «Inländervorrang light» soll ab dem 1. Januar 2018 greifen.

Programme sind bereits in Anwendung

Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Seco, widersprach gestern an einer Telefonkonferenz mit Journalisten den Kritikern. «Die Programme funktionieren ausreichend, um den Anforderungen der geplanten Stellenmeldepflicht gerecht zu werden», sagte er.

Ein paar der RAV und zirka 1500 private Arbeitsvermittler arbeiteten bereits mit den Systemen, die für den «Inländervorrang light» weiterentwickelt wurden. Boris Zürcher: «Die RAV könnten wegen der IT die Stellenmeldepflicht nicht bewältigen, ist eine Unterstellung.» Unabhängig von der Umsetzung des «Inländervorrangs light» sind das Seco und die Kantone gemäss Zürcher ohnehin daran, ein verbessertes Informatiksystem für die Stellenvermittler der ganzen Schweiz zu evaluieren.


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